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    29.01.2008
     

    Das elektronische ATLAS-Ausfuhrverfahren

    FORUM: Ab Juli 2009 wird die elektronische Übermittlung von Ausfuhranmeldungen zur Pflicht. Wie können sich die Unternehmen bereits heute auf die Umstellung vorbereiten?

    Franz-Josef Drees: Sie sollten sich auf jeden Fall informieren, welche elektronischen Übermittlungswege zur Verfügung stehen und welche betrieblichen Anpassungsmaßnahmen damit verbunden sind. Auf keinen Fall sollte mit der Umstellung auf ATLAS bis zum 01. Juli 2009 gewartet werden, denn sowohl bei den kommerziellen EDV-Programm- Anbietern wie beim Zoll selbst ist spätestens ab zweiter Hälfte dieses Jahres mit Kapazitätsproblemen zu rechnen. Darüber hinaus sollte überprüft werden, welche Zoll-Vereinfachungsverfahren auch unter ATLAS in Anspruch genommen werden können. Denn wer heute schon mit vereinfachten Verfahren arbeitet, möchte das auch in der Zukunft tun. Zoll, IHK oder Verbände informieren über konkrete Einzelheiten.    

    Welche Anbindungsvarianten an das ATLAS-System sind möglich? Wie erfolgt die Kommunikation?

    Es gibt verschiedene ATLAS-Anbindungsvarianten. Das stark exportorientierte Unternehmen kann über den Erwerb eines Standard-Software-Programms nachdenken, welches von einem zertifizierten EDV-Provider den betrieblichen Erfordernissen angepasst wird. Über das Programm wird die Kommunikation mit dem Zoll sichergestellt. Kommt der Kauf eines solchen Programms aus Kostengründen nicht in Frage, können solche Programme auch gemietet bzw. geleast werden. Der Fachmann nennt diese Variante die ASP-Lösung (Application Server Providing), weil die Ausfuhrdaten zunächst auf den Server des Providers gespielt und dort in eine ATLAS-gerechte Ausfuhranmeldung umgewandelt werden. Neben einer periodischen Grundgebühr kann bei der ASP- Variante nach Einzelsendungen bzw. Warenpositionen abgerechnet werden. Stichwort: "pay per use". Der Investitionsaufwand sinkt erheblich.  

    Welche Lösungen sind für klein- und mittelständische Unternehmen empfehlenswert, die nur wenige Ausfuhranmeldungen pro Monat vornehmen?    

    Für den Klein-Exporteur stellt die Zollverwaltung weiterhin ihre Internet-Ausfuhranmeldung ins Netz. Bei dieser Lösung wird kein besonderes EDV-Programm benötigt. Da insofern auch keine Anbindungskosten entstehen, ist dies zweifellos die günstigste Alternative. Allerdings erfolgt bei der Internet-Ausfuhranmeldung lediglich ein Austausch des schriftlichen Dokumentes gegen ein elektronisches. Irgendwelche Rationalisierungseffekte, wie sie bei der Anwendung von ATLAS-EDV-Programmen möglich sind, entfallen. Denn Schnittstellen zum Warenwirtschaftssystem, Vorbelegungen o.Ä. scheiden aus. Deswegen sollte sich auch der kleine oder mittelständische Exporteur überlegen, ob nicht eher die ASP-Alternative seine Probleme löst. Schließlich kann die ATLAS-Ausfuhranmeldung auch auf Dienstleister wie Spediteure oder Zoll-Büros übertragen werden.

    Welche Vor- oder Nachteile bringt diese Umstrukturierung - sowohl für die exportierenden Unternehmen als auch für die Zollbehörde?

    Auf Zoll-Seite verspricht man sich in erster Linie eine automatisierte und beschleunigte Abwicklung der Ausfuhrverfahren. Auch das Risikomanagement und die damit verbundene Frage der Güterkontrolle beim Export soll über ATLAS effizienter und fallgerechter gestaltet werden. Die Exportunternehmen und deren Dienstleister werden von ATLAS profitieren, wenn sie ihre Betriebabläufe so gestalten, dass sich der direkte Kontakt zum Zoll auf ein Mindestmaß reduziert. Das heißt, Abläufe so zu organisieren, dass möglichst keine Zeitverluste entstehen, die in die Gesamtlogistik hineinwirken können. Wenn also auf ATLAS umgestellt wird, sollte man immer schauen, welche Varianten und Kombinationen den größten Rationalisierungseffekt herbeiführen.

    Zur Person:
    Franz-Josef Drees ist seit 1978 als Referent für Zoll- und Exportverfahrensfragen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord-Westfalen in Münster tätig. In dieser Funktion unterstützt er vorwiegend mittelständische Unternehmen bei ihren Exportgeschäften. Dabei liegt sein Schwerpunkt in der praktischen betrieblichen Hilfestellung, angefangen bei Zoll- und dokumentären Problemen bis hin zu Fragen der vertraglichen und finanziellen Absicherung von Ausfuhrgeschäften. Herr Drees ist Mitglied der Arbeitsgruppe Zoll- und Außenwirtschaftsrecht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sowie anderer Arbeitskreise mit dem Ziel der internationalen Handels- und Verfahrenserleichterung. Er wird als Dozent und Seminarleiter von vielen Industrie- und Handelskammern (IHKn), Unternehmen und Verbänden verpflichtet.

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