Energieeffiziente Elektroinstallation: Die neue Norm DIN VDE 0100-801 und ihre Auswirkungen für die Elektrobranche

30.06.2016 08:00  Von:: Elektrosicherheit

Energieeffiziente ElektroinstallationMit energieeffizienten elektrischen Anlagen die bestmögliche Nutzung von elektrischer Energie zu erzielen: Die neue Norm DIN VDE 0100-801 „Errichten von Niederspannungsanlagen –Teil 8-1: Energieeffizienz“ soll Planer und Installationsbetriebe bei der Erreichung dieses ambitionierten Ziels unterstützen.

Die Trends für die E-Branche der letzten Jahre sprechen eine klare Sprache: Verkauft werden weniger Produkte im eigentlichen Sinne sondern immer stärker Dienstleistungen, z. B. rund um die intelligent vernetzte Gebäudetechnik. Energieeffiziente und vernetzte Lösungen spielen deshalb eine immer wichtigere Rolle.

Selbst die Normgebung reagiert auf diese Entwicklung und betritt mit der neuen Norm DIN VDE 0100-801 ein für diese Normenreihe eher ungewohntes Terrain. Befasste sich die 0100-Reihe bisher ausschließlich mit der Sicherheit von Niederspannungsanlagen, liegen die Schwerpunkte der neuen Norm auf Maßnahmen und Minimalanforderungen, um bereits bei der Installation eine Steigerung der Anlageneffizienz zu erzielen.

Anwendungsbereich

Gemäß ihrem Beschreibungstext gilt die Norm für elektrische Anlagen von einem Gebäude oder einem System und nicht für Produkte. Ihr Anwendungsbereich erstreckt sich zwar auf Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäude sowie auf Infrastrukturen, dürfte aber in erster Linie Neuinstallationen betreffen. Bei bestehenden Anlagen ist für Planer und Installateure die energieeffiziente Elektroinstallation eindeutig schwieriger und meist nicht ohne Umbau der Anlagen möglich.

Erklärtes Ziel der Norm ist, durch geeignete Planung und Errichtungsanforderungen eine Optimierung der Anlagen zu unterstützen und dadurch die bestmögliche Nutzung von elektrischer Energie zu erzielen.

Effizienz nach Norm

Erstmals führt DIN VDE 0100-801 die unterschiedlichen Maßnahmen zur Sicherstellung einer energieeffizienten Errichtung auf und liefert eine Anleitung zur Priorisierung von Maßnahmen in Abhängigkeit von ihrer Wirtschaftlichkeit.

Von besonderer Bedeutung für die E-Branche dürfte die Forderung nach einer umfassenden (Optimierungs-)Analyse der Anlagen mit Schwerpunkt auf deren Installation und Messtechnik sein. Eine solche Auswertung zielt im Sinne des Normgebers darauf ab, die Effizienz der analysierten Anlage für Planer und ausführende Fachkräfte transparenter und leichter errechenbar zu machen. Dadurch soll zum einem die Wirtschaftlichkeit der Installation zuverlässig abgeschätzt werden, zum anderen sollen Verluste minimiert und die Energieverteilung optimiert werden.

Wer beim Verkaufsgespräch Aufwand und Ertrag zuverlässig berechnen kann, dürfte Kunden leichter motivieren: Denn Energieeffizienz erfordert erst einmal hohe Anfangsinvestitionen. Aber Kostenersparnis ist ja bekanntermaßen ein klarer Wettbewerbsvorteil und ein überzeugendes Verkaufsargument – für die Installationsbetriebe wie auch für die Anlagenbetreiber.

Punktesystem

Um die Effizienz nachweislich messbar zu gestalten, gliedert sich die Norm nach einzelnen Maßnahmen und Minimalanforderungen (wie z. B. Lastprofile, Verteilung des Jahresverbrauchs, Blindleistungsreduktion) und bewertet deren Erfüllung jeweils mit einer bestimmten Punktzahl. Anhand der erreichten Gesamtpunktzahl wird die Anlage einer bestimmten Energieeffizienzklasse zugeordnet.

Die Punktzahl macht zudem die tatsächliche Effizienz der Anlagen verifizierbar sowie erleichtert den Fachkräften die Berechnung und Bewertung von Aufwand und Ertrag sowie die Anlagenoptimierung.

Betreibern wird wiederum die Aufgabe erleichtert, unterschiedliche Angebote auszuwerten bzw. zu vergleichen sowie die Effizienz der Anlage im Betrieb gezielt zu überwachen. Für Fachbetriebe dürfte daher förderlich sein, sich mit der neuen Norm und der erforderlichen Technik vertraut zu machen.

Bildrechte: © M. Schuppich – Fotolia.com


Passende Artikel

Kommentar schreiben
Captcha

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.