Inklusion: weiter steigende Anforderungen an Erzieherinnen und Lehrkräfte

28.10.2016 07:15  Von:: Schulen

InklusionAn deutschen Schulen und Kitas sollen entsprechend der aktuellen politischen Vorgaben alle Kinder gemeinsam gebildet werden: gesunde und kranke, behinderte und nicht behinderte. Gleichzeitig nimmt die Zahl jener Kinder und Jugendlicher, deren Verhalten gemeinsamen Unterricht oder eine harmonische Gruppenstunde extrem erschwert, kontinuierlich zu. Die Anforderungen an Erzieher und Lehrer, jedem Kind individuell gerecht zu werden, Besonderheiten zu erkennen und ausgleichend zu fördern, wachsen immens.

Handicap oder Verhaltensauffälligkeit?
Beim Stichwort Inklusion fallen einem zuerst gehandicapte Menschen ein: Blinde und Schwerhörige, Stumme oder Rollstuhlfahrer. Doch diese sind mittels technischer Unterstützungssysteme relativ einfach mit anderen Schülern zu unterrichten oder in die Kita-Gruppe zu integrieren. Auch junge Menschen z.B. mit Downsyndrom werden dank sonderpädagogischer Unterstützung und Offenheit der anderen Kinder gut in die Gruppen- und Klassenverbände integriert. Ungleich schwieriger ist die Integration von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten: die Hyperaktiven, denen es nicht an Intelligenz mangelt, dafür aber an der Disziplin, zehn Minuten ruhig auf ihrem Stuhl zu sitzen; psychisch Kranke, die so sehr mit sich selbst zu kämpfen haben, dass sie einem geregelten Unterricht kaum folgen können. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten und Autismus, Depressionen und Angststörungen werden beständig mehr. Laut einer Studie des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit NRW nehmen auch die Krankenhauseinweisungen bei den unter 15-Jährigen wegen psychischer Auffälligkeiten überproportional zu, verglichen mit dem Anstieg in der Gesamtbevölkerung. In 2/3 aller Fälle gehört Schulversagen zum Krankheitsbild.

Die Verhaltensauffälligen werden immer jünger
Was die Experten besonders irritiert: Seit einigen Jahren schlagen bereits Erzieher im Kindergarten oder Lehrer kurz nach der Einschulung Alarm. "Die verhaltensauffälligen Kinder werden immer jünger", stellen die Psychiater fest. Und das gilt nicht nur für die naturgemäß stressigeren Lebenswelten in Großstädten, sondern auch dörfliche Grundschulen und Kindergärten erleben mittlerweile dieses Phänomen.

Fließende Übergänge
Die Grenze zwischen Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen ist fließend, teilweise bedingen sie sich auch gegenseitig. Die Integration besonderer Kinder und Jugendlicher wird im pädagogischen Alltag immer relevanter. Deshalb sind individuelle Entwicklungs- und Förderpläne unerlässlich, um Inklusion zu leben und die Kinder und Jugendlichen in ihrer Gesamtpersönlichkeit und in ihren individuellen Stärken wertzuschätzen und zu fördern.

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