Neue Regeln für die Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten

01.09.2016 07:30  Von:: Bauplanung

Neue Regeln für die Barrierefreie Gestaltung von ArbeitsstättenDie barrierefreie Gestaltung für Arbeitsstätten ist nach derzeitiger Rechtslage nur dann verpflichtend umzusetzen ist, wenn Menschen mit Behinderungen im Betrieb beschäftigt werden. Ist eine Arbeitsstätte zugleich eine öffentlich zugängliche bauliche Anlage, gelten parallel die Anforderungen der Landesbauordnungen. Unabhängig davon, ob Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind, müssen dann die dem allgemeinen Besucher- und Benutzerverkehr dienenden Teile barrierefrei sein.

Eine weitere Besonderheit der barrierefreien Gestaltung nach dem Arbeitsstättenrecht liegt darin, dass Maßnahmen nur für die konkret vorliegenden Behinderungsarten zu treffen sind. In der Konsequenz müssen bspw. Verkehrswege nicht rollstuhlgerecht hergerichtet werden, sofern nur blinde oder gehörlose Beschäftigte im Betrieb tätig sind.

Seit Juni 2016 gelten nun die neuen technischen Regeln für die Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten ASR V3a.2. Darin werden die Anforderungen an Verkehrswege, wie z. B. deren Breite oder die Ausbildung von Schrägrampen und Treppen festgelegt, damit diese auch von Beschäftigten mit Behinderungen genutzt werden können.

Es gelten u.a. folgende Vorgaben:
Damit Beschäftigte mit Gehbehinderung, z. B. mit einer Fußhebeschwäche, beim Treppensteigen nicht unter den Stufen hängen bleiben, müssen Treppen geschlossene Stufen haben. Unterschneidungen von max. 2 cm sind nur an schrägen Setzstufen zulässig.

Für Beschäftigte mit Sehbehinderung muss die Treppe zur besseren Wahrnehmbarkeit an der ersten und der letzten Stufe des Treppenlaufs visuell kontrastierend gestaltet sein. Die Kennzeichnung bzw. Markierung muss gut erkennbar und mind. an der Stufenvorderkante angebracht sein. Sie kann von der waagerechten Trittfläche um die senkrechte Vorderkante herumgezogen werden.
Unterschneidung an einer schrägen Setzstufe
Abb.: Unterschneidung an einer schrägen Setzstufe (Quelle: ASR V3a.2)

Blinde Beschäftigte können, wenn sie sich in Richtung einer aufwärts führenden Treppe bewegen, i. d. R. die unterste Treppenstufe mit ihrem Langstock gut ertasten. Zusätzliche Maßnahmen sind im Allgemeinen nicht erforderlich. Das funktioniert an einer abwärts führenden Treppe nur bedingt. Zur Vermeidung von Gefährdungen muss daher vor der obersten Stufe ein taktil erfassbarer Hinweis gegeben werden, z. B. über unterschiedliche Bodenstrukturen über die gesamte Treppenbreite.

Bei Treppen im freien Raum, z. B. in Foyers oder Flurbereichen, besteht beim Unterlaufen die Gefahr des Anstoßens gegen die Treppenschräge in Kopfhöhe. Insbesondere sind blinde Beschäftigte gefährdet, wenn taktile Hinweise oder Umrandungen fehlen. Der Bereich unterhalb der Schräge muss deshalb bis zu einer Höhe von 2,10 m entweder umwehrt oder mit Einrichtungsgegenständen, z. B. Pflanzkübeln, Möblierung o.ä. versehen werden.

An den freien Seiten der Treppen müssen Handläufe ohne Unterbrechung über den gesamten Treppenlauf in einer Höhe zwischen 0,80 und 1,15 m angebracht sein. Handläufe sollten für Beschäftigte mit motorischen Einschränkungen eine Höhe von 0,80 bis 0,90 m aufweisen. Für kleinwüchsige Beschäftigte wird ein zusätzlicher Handlauf in einer Höhe von 0,65 m empfohlen.
Ob Handläufe ein- oder beidseitig anzubringen sind, ergibt sich aus der Stufenbreite:

  • • Stufenbreite bis 1,50 m: einseitiger Handlauf,
  • • Stufenbreite > 1,5 m: beidseitiger Handlauf,
  • • Stufenbreite > 4,0 m: Zwischenhandlauf zusätzlich zu dem beidseitigen Handlauf.

Beschäftigte mit motorischen Einschränkungen, z. B. mit einer einseitigen Armlähmung, benötigen auch bei Stufenbreiten < 1,5 m beidseitig Handläufe, die nicht unterbrochen sind.

Bildrechte: © faktorgruen Landschaftsarchitekten, Rottweil


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