Neueinstufung von Formaldehyd als krebserzeugend

23.09.2015 08:30  Von:: Chemikalien und Gefahrstoffe

Neueinstufung von Formaldehyd als krebserzeugend

Für die chemische Verbindung Formaldehyd gilt seit November 2014 ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert (AGW). Zudem muss ab Januar 2016, Formaldehyd auch in zwei Gefahrenklassen eingestuft werden. Das bedeutet: Dies muss künftig bei den Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigt werden!

Neue Gefahrklassen und Grenzwerte

Ab 1. Januar 2016 ist Formaldehyd in die Gefahrenklassen Karzinogen/Kategorie 1B und Keimzellmutagen/Kategorie 2 eingestuft. Damit gilt Formaldehyd jetzt offiziell als krebserregend. Durch diese Neueinstufung, sind Unternehmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung dazu verpflichtet, entsprechende Schutzmaßnahmen hierzu zu berücksichtigen. 

Auch bei den AGW gab es eine Anpassung.
In der letzten Revision der TRGS 900 wurde erstmalig für Formaldehyd ein verbindlicher Arbeitsplatzgrenzwert vorgegeben: 0,3 ml/m3 (ppm) bzw. 0,37 mg/m3 und ein Kurzzeitwert von 0,74 mg/m3. Dieser Wert darf an Arbeitsplätzen nicht überschritten werden.

Der Grenzwert entspricht dem seit vielen Jahren bestehenden MAK-Wert. Durch die Einstufung als AGW hat der AGS (Ausschuss für Gefahrstoffe des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales) die vorhandenen Befunde anerkannt und als gesundheitsrelevant eingestuft.

Die Festlegung des Grenzwertes als AGW bedeutet, dass dieser Wert grundsätzlich zu beachten ist und zwar – da keine Übergangsfrist in der Änderung der TRGS 900 steht – sofort seit der Veröffentlichung der Revision der TRGS 900 im Gemeinsamen Ministerialblatt im März 2015 und damit vor Ende der Übergangsfrist der Verordnung (EU) Nr. 605/2014 vom 5. Juni 2014 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (6. ATP der CLP-Verordnung).

Administrative Konsequenzen

Werden die für Formaldehyd festgelegten Arbeitsplatzgrenzwerte am Arbeitsplatz eingehalten, sind laut der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) keine weiteren präventiven Maßnahmen erforderlich.

Im Falle einer Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte oder ist die Einhaltung des Grenzwertes nicht nachweisbar, sind nach § 10 der Gefahrstoffverordnung hingegen weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Tätigkeiten mit dem karzinogenen und reproduktionstoxischen Formaldehyd unterliegen auch den Forderungen nach § 14 Abs. 3 GefStoffV.

Damit muss bei Tätigkeiten, bei denen Formaldehyd eingesetzt wird oder entsteht, ein Verzeichnis der Beschäftigten geführt werden, bei denen die Gefährdungsbeurteilung eine Gefährdung der Gesundheit ergeben hat. In diesem Verzeichnis sind auch Höhe und Dauer der Exposition zu dokumentieren. Das Verzeichnis ist 40 Jahre lang nach Ende der Exposition aufzubewahren und dem Beschäftigten nach Ende der Beschäftigung ein Auszug der ihn betreffenden Daten auszuhändigen.

Alle Infos zur Neueinstufung findet man im Handbuch „Die Gefahrstoffverordnung“.

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