Nur noch wenige Wochen Pflegestufen – ab 1.1.2017 gelten die neuen Pflegegrade

01.12.2016 08:45  Von:: Einrichtungsmanagement und Pflege

Es wird die größte Pflegereform aller Zeiten: Ab 1.1.2017 werden die Pflegestufen „0“, 1, 2 und 3 von den neuen Pflegegraden 1, 2, 3, 4 und 5 abgelöst.

Diese Änderungen treten im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) in Kraft und sollen vor allem demenziell erkrankten Menschen die gleichen Pflegeleistungen zusichern wie körperlich beeinträchtigten Pflegebedürftigen.

Was wird sich nun dadurch konkret ändern?

Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen ab 2017 – Das neue Begutachtungsverfahren
Ab 1.1.2017 werden Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) oder andere Gutachter alle neuen Antragsteller auf Pflegeleistungen mit dem geänderten Begutachtungsverfahren persönlich überprüfen. Anhand eines Fragenkatalogs wird der Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit bewertet. Entsprechend des Gutachtens entscheidet dann die zuständige Pflegekasse, ob ihr Versicherter die Voraussetzungen für einen Pflegegrad erfüllt oder ob sie den Antrag ablehnen muss.

Wie selbstständig ein Antragsteller noch ist, ermitteln die Gutachter anhand der neuen Begutachtungsrichtlinien mit Hilfe eines Punktesystems. Dabei gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, umso höher ist der Pflegegrad und umso mehr Pflege- und Betreuungsleistungen kann er erhalten.

Übersicht der neuen Pflegegrade mit den jeweils notwendigen Punktezahlen:
Pflegegrad 1 Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)
Pflegegrad 2 Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)
Pflegegrad 3 Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)
Pflegegrad 4 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)
Pflegegrad 5 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte).

Wie erhalten Pflegebedürftige einen Pflegegrad?

„Neue“ Pflegebedürftige ab 1.1.2017
Die Prüfer erfassen ab 2017 alle wichtigen Gesichtspunkte der Pflegebedürftigkeit aufgrund körperlicher, psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen. Ausschlaggebend für die Zuweisung eines Pflegegrades ist künftig der Grad der Selbstständigkeit einer Person. Dazu werden deren Fähigkeiten umfassend in allen Lebensbereichen begutachtet. Diese Lebensbereiche sind folgende Module:

  • 1. Mobilität
  • 2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • 4. Selbstversorgung
  • 5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die Module des Begutachtungsinstruments werden wie folgt gewichtet:
1. Mobilität mit 10 Prozent,
2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen zusammen mit 15 Prozent,
3. Selbstversorgung mit 40 Prozent,
4. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen mit 20 Prozent,
5. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte mit 15 Prozent.

„Alte“ Pflegebedürftige ab 1.1.2017
Versicherte, die am 31.12.2016 einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben, werden zum 1.1.2017 automatisch von Pflegestufen in Pflegegrade übergeleitet. Eine Antragstellung oder erneute Begutachtung ist daher nicht erforderlich. Die Zuordnung zum Pflegegrad wird den Versicherten von der Pflegekasse oder vom privaten Versicherungsunternehmen schriftlich mitgeteilt.

Umwandlung von Pflegestufen in Pflegegrade:

Pflegestufe (bis 31.12.2016) Pflegegrad (ab 1.1.2017)
bisher nicht vorgesehen Pflegegrad 1
Pflegestufe 0 Pflegegrad 2
Pflegestufe I Pflegegrad 2
Pflegestufe I mit eingeschränkter Alltagskompetenz  Pflegegrad 3
Pflegestufe II Pflegegrad 3
Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 4
Pflegestufe III Pflegegrad 4
Pflegestufe III mit eingeschränkter Alltagskompetenz Pflegegrad 5
Pflegestufe III mit Härtefall Pflegegrad 5

 

Bestandsschutz

Durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs sollen sich Versicherte, die am 31.12.2016 bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten haben, nicht verschlechtern. Daher bleibt dem Versicherten der übergeleitete Pflegegrad für die Dauer des Versicherungsfalls erhalten. Liegt keine Pflegebedürftigkeit mehr vor, entfällt jedoch dieser Bestandsschutz. Wird ein höherer Pflegegrad festgestellt, gilt jedoch dieser erhöhte Wert.

Besondere Besitzstandsschutzregelungen
Besondere Besitzstandsschutzregelungen gelten für (§ 141 Abs. 2 bis 7 SGB XI):

  • • den erhöhten Betrag nach § 45b SGB XI (in der Fassung vom 31.12.2016),
  • • vollstationäre Leistungen, wenn sie am 31.12.2016 bezogen wurden, und
  • • die Rentenversicherungsbeiträge für die Pflegeperson.

 


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