Statistische Auswertung der Jugendämter für 2014 veröffentlicht!

17.09.2015 10:00  Von:: Kitas

Das Statistische Bundesamt hat die Auswertung der Jugendämter für das Jahr 2014 veröffentlicht. Die Zahl der Verdachtsfälle stieg demnach im Vergleich zum Vorjahr um 7,4% an. 

Die Jugendämter wurden im vergangenen Jahr in 124.000 Fällen auf eine Kindeswohlgefährdung aufmerksam gemacht und gingen diesen nach. 41.600 Verdachtsfälle erwiesen sich dabei als unbegründet, in 41.500 Fällen sahen die Ämter einen Handlungsbedarf durch unterstützende Hilfen für die betroffenen Familien, bei 18.600 stuften die Jugendämter das Wohl der Kinder als so gefährdet ein, dass sie eine Fremdunterbringung der Kinder veranlassten. 

Gesamt gesehen bedeuten diese Zahlen eine Steigerung von 4,7% der akut und latent gefährdeten Kinder und Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr, bezogen auf die akute Kindeswohlgefährdung eine Steigerung von sogar 8,2%.

Häufigste Ursache ist Vernachlässigung 

Das Gros der akut und latent gefährdeten Kinder und Jugendlichen (63,6%) wiesen Anzeichen einer Vernachlässigung auf. In 27,2% der Fälle handelte es sich um psychische Misshandlung und in 23,6 % der Fälle um körperliche Misshandlung. Hinweise auf sexuelle Gewalt wurde in 4,6% der Verdachtsfälle festgestellt. Bei der Auswertung der gemeldeten Verdachtsfälle waren Mehrfachnennungen möglich. 

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Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung nach Alter der Kinder

Die aktuelle Auswertung ergab, dass Jungen und Mädchen in etwa gleich häufig von einer Gefährdung betroffen waren. Die meisten Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung wurden bei Kleinkindern durchgeführt. 24% der Kinder, für die ein Verfahren durchgeführt wurde, waren demnach unter drei Jahren, 20,5% drei bis fünf Jahre und 22,2% sechs bis neun Jahre alt. Mit zunehmendem Alter nahm die Gefährdung statistisch gesehen ab. Bei 18,3 % der Kinder lag das Alter zwischen 10 und 13 Jahren, bei 15,3% handelte es sich um  Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren.

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 Die wenigsten Meldungen gingen durch Kitas oder Schulen ein

Interessant ist hierbei auch die Auswertung der sog. „Melder“. Laut der aktuellen Statistik wurden mehr als ein Fünftel der Fälle (20,4%) von behördlichen Einrichtungen wie Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft gemeldet. Bei 13% der Fälle ging das Jugendamt Hinweisen von Nachbarn oder Bekannten nach. Lediglich 12,5% der Meldungen kamen von Schulen oder Kindertageseinrichtungen.

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 In Einrichtungen besteht eine große Unsicherheit bezüglich einer Gefährdungseinschätzung nach § 8a SGB VII

Wenn man bedenkt, dass es in Kindergärten und Krippen lange Wartelisten gibt, d.h. dass diese Einrichtungen voll belegt sind und Schulpflicht besteht, so zeigen die Zahlen vor allem eines - dass in diesem Bereich noch große Unsicherheit bezüglich des Themas „Kindeswohlgefährdung“ besteht. Zu groß ist die Sorge, der Verdacht könne sich als unbegründet erweisen und Familien sowie den Ruf der eigenen Einrichtung zerstören.

Der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung ist für alle Beteiligten eine äußerst sensible und unangenehme Situation. Von Seiten der Einrichtung muss absolut sicher und professionell gehandelt werden. Hierbei werden nicht nur Erfahrung, sondern vor allem verlässliche Hilfsmittel benötigt.

In der „Vorlagenmappe: Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII“ haben Experten hilfreiche Checklisten und Leitfäden aus ihrer Praxis zusammengestellt, mit denen Fachkräfte im Verdachtsfall kompetent und rechtlich sicher handeln. Anhand der Checklisten lassen sich Symptome eindeutig erkennen. Die Leitfäden geben klar vor, wie rechtlich sicher dokumentiert wird.

Der „Praxisratgeber zur Betreuung und Beratung von Kindern und Jugendlichen“ geht auf die Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen ein. Praxisnah werden Entstehungsbedingungen für Gewalt oder Missbrauch sowie Möglichkeiten zu Prävention und Intervention beschrieben.


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