Wenn Flüchtlinge zu Schülern werden

11.09.2015 09:00  Von:: Schulen

Wenn Flüchtlinge zu Schülern werden

Die Einheit der Differenz als Chance begreifen

“Jeder Mensch ist in gewisser Weise 

a) wie alle anderen,

b) wie einige andere,

c) wie kein anderer.“

Clyde Kluckhohn und Henry Murray

Dieses Zitat aus der gemeinsamen Arbeit eines Psychologen und eines Anthropologen spielt auf die Eigenschaft eines jeden Menschen an, Vertreter der Gattung Mensch, Mitglied von Gruppen und zugleich unverwechselbares, einmaliges Individuum zu sein. Systemtheoretiker sprechen von der Einheit der Differenz, andere von der Einheit der Vielfalt. Wie auch immer wir diese Tatsache bezeichnen wollen: Die Erkenntnis, dass wir sowohl gleich als auch verschieden sind, erlaubt uns, die Verschiedenheit der Menschen als Chance wahrzunehmen.

Angesichts der Vielzahl an Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland Asyl suchen, wird diese Chance der Differenz zunehmend zur grundlegenden und wichtigsten Bedingung für das Zusammenleben der Bevölkerung als Ganzes. Empathie-Fähigkeit ist wichtig, aber sie reicht nicht. Was, wenn wir so verschieden sind, dass wir den anderen nicht verstehen können? Dann brauchen wir die Fähigkeit und die Bereitschaft, ihn als Menschen erkennen und behandeln zu können, obwohl wir ihn nicht verstehen. Diese Kompetenz zu bilden, ist zugleich Erfordernis und Möglichkeit und eine der wichtigsten Aufgaben der heutigen Demokratiepädagogik. 

Integration als schulische Aufgabe

Alle jungen Asylbewerber unterliegen der Schulpflicht. Die erste und wichtigste Aufgabe schulischer Einrichtungen ist es, den Jugendlichen in einer Zeit der Orientierungslosigkeit Halt und Zuversicht zu bieten. Ihre Heimat und oft auch ihre Familien mussten die Kinder und Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Gründen und auf den unterschiedlichsten Wegen verlassen. Viele von ihnen haben dadurch einen langen, oft traumatisierenden Weg hinter sich gebracht. Wesentlich ist es nun, das Vertrauen der Jugendlichen in die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Der Unterricht bietet den Jugendlichen damit nicht nur die Möglichkeit, sich sprachlich und fachlich zu entwickeln, sondern vor allem auch persönlich. Das anvisierte Ziel sollte dabei die Vorbereitung für eine sich anschließende Berufsausbildung sein. 

Viele Schulen stellen sich gerade mit Beginn des neuen Schuljahres dieser Herausforderung. Seien es Integrationsprojekte, z. B. durch Sport und Bewegung, oder die Integration im täglichen Unterricht – Schulen helfen den jungen Flüchtlingen nicht nur darin, ihre sozialen, persönlichen und kommunikativen Kompetenzen zu verbessern. Letztendlich profitieren alle Beteiligten am Schulleben von dieser gelebten Demokratie. 

Hilfen bei der Umsetzung von Integration und Sprachförderung in Regelklassen und Übergangsklassen hält das Produkt „Flüchtlingskinder und -jugendliche in der Schule“ bereit.  

Bildrechte: © Gina Sanders - Fotolia.com


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