ASR A3.5 „Raumtemperatur“: Ab 26 °C im Büro sollten Arbeitgeber gemäß Arbeitsstättenverordnung Maßnahmen ergreifen

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Gemäß ASR A3.5 „Raumtemperatur“ sollte die Temperatur in Büroräumen zwischen 20° und 26° Celsius liegen, damit der Arbeitgeber den Arbeitsschutz und seine Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten erfüllt. Nicht selten muss er hierfür geeignete Maßnahmen ergreifen. Wie Arbeitgeber prüfen, ob eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur vorherrscht und welche Maßnahmen für Büroräume infrage kommen, zeigt dieser Beitrag.
  1. BGB, Arbeitsschutzgesetz und ArbStättV: gesetzliche Grundlage für die Temperatur am Arbeitsplatz
  2. Ab 30 °C im Büro müssen Arbeitgeber Maßnahmen nach ASR A3.5 ergreifen
  3. Maßnahmen bei Raumtemperaturen über 26 °C
  4. Wie wird die Temperatur im Büro gemessen?

BGB, Arbeitsschutzgesetz und ArbStättV: gesetzliche Grundlage für die Temperatur am Arbeitsplatz

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schreibt in § 618 Abs. 1 die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Beschäftigten am Arbeitsplatz fest. So hat er zu gewährleisten, dass seine Mitarbeiter gegen „Gefahr für Leben und Gesundheit“ geschützt sind. Zu hohe sowie zu niedrige Temperaturen können durchaus eine Gefahr darstellen –  sei es durch die verminderte Konzentrationsfähigkeit, die vermehrt zu Arbeitsunfällen führen kann oder durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Herz-Kreislauf-Problemen. 

Nachdem das BGB keine Grenzwerte für die Temperatur im Büro vorgibt und auch keine Maßnahmen definiert, müssen Arbeitgeber auf das Arbeitsschutzgesetz zurückgreifen. Auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes wurde die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) erarbeitet, deren Technischen Regeln (ASR) – insbesondere die ASR A3.5 „Raumtemperatur“ einzuhaltende Werte sowie mögliche Maßnahmen vorgibt.  

Die Arbeitsstättenverordnung enthält alle Bestimmungen und Anforderungen, die Arbeitgeber beim Einrichten und Betreiben einer Arbeitsstätte berücksichtigen müssen, um den Arbeitsschutz und den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten zu gewährleisten. Das Werk „Die neue Arbeitsstättenverordnung“ enthält die Regelungen in kommentierter Form und bietet zusätzlich Arbeitshilfen und Vorlagen für die Umsetzung der Anforderungen im Arbeitsalltag.  

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Ab 30 °C im Büro müssen Arbeitgeber Maßnahmen nach ASR A3.5 ergreifen

Die ASR A3.5 unterscheidet zwischen Mindest- und Maximaltemperaturen. Als maximale Lufttemperatur in einem Büro nennt die ASR A3.5 einen Sollwert von 26 °C. Diese Raumtemperatur gilt als gesundheitlich zuträglich. Doch wann müssen Arbeitgeber Maßnahmen gemäß ASR A3.5 ergreifen? 

Maximale Temperatur im Büro 

Temperatur im Büro 26 °C bis 30 °C  30 °C bis 35 °C   über 35 °C
 Maßnahmen  Der Arbeitgeber sollte wirksame Maßnahmen ergreifen.  Der Arbeitgeber muss wirksame Maßnahmen ergreifen. 

Der Raum kann nicht mehr dauerhaft als Arbeitsplatz genutzt werden.  

Minimale Raumtemperatur an Arbeitsplätzen  

Die Mindestwerte sind abhängig von der überwiegenden Körperhaltung und Arbeitsschwere zu betrachten: 

Überwiegende Körperhaltung  Arbeitsschwere

leicht

(leichte Hand-/Armarbeit bei ruhigem Sitzen oder Stehen verbunden mit gelegentlichem Gehen)

mittel

(mittelschwere Hand-/Arm- oder Beinarbeit im Sitzen, Gehen oder Stehen) 

schwer

(schwere Hand-/Arm-, Bein- und Rumpfarbeit im Gehen oder Stehen)

Sitzen  20 °C 19 °C
Stehen, Gehen  19 °C 17 °C 12 °C

In Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen muss während der Nutzungsdauer eine Temperatur von mindestens
21 °C herrschen. Das gilt auch für stationäre Toilettenanlagen, die im Freien aufgestellt werden. 

Maßnahmen bei Raumtemperaturen über 26 °C  

Die ASR A3.5 definiert beispielhafte Maßnahmen, die Arbeitgeber treffen können, wenn die maximale Temperatur im Büro überschritten wird. Die endgültige Auswahl geeigneter Maßnahmen ist aber dem Arbeitgeber überlassen. Im Folgenden wird beispielhaft gezeigt, welche Maßnahmen infrage kommen, wenn die Temperatur im Büro die gesundheitlich zuträglichen 26 °C übersteigt: 

1. Bauliche Maßnahmen gegen direkte Sonneneinstrahlung 

Vorrichtungen zum Sonnenschutz: 

  • primär: Gebäudeausrichtung, Bauwerksform, geringer Fensterflächenanteil, Fensterfläche mit hohem Reflexionsanteil
  • sekundär (nachrüstbar): Außenjalousien, Markisen, lichtlenkende Bauelemente
  • tertiär (nachrüstbar): reflektierende innenliegende Maßnahmen wie Jalousien, Rollos, Plissees, Faltstores, Textillamellen, Reflexion-Fensterfolien

Führt die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einer erhöhten Temperatur im Büro, muss der Arbeitgeber diese mit geeigneten Sonnenschutzsystemen aus- bzw. nachrüsten. Eine direkte Sonneneinstrahlung auf den einzelnen Arbeitsplatz ist allein aus ergonomischen Gründen zu vermeiden. 

2. Technische Maßnahmen gegen überhöhte Temperatur im Büro

  • effektive Steuerung des beweglichen Sonnenschutzes, z. B. in Abhängigkeit vom Einfallwinkel der Sonnenstrahlen 
  • effektive Steuerung der Lüftungseinrichtung, z. B. durch Nachtauskühlung
  • Querlüftung, z. B. durch Öffnung von Lichtkuppeln bzw. Fenstern
  • Einsatz von mobilen Ventilatoren, z. B. Tisch- oder Standventilatoren 
  • Kühlung durch mobile Klimageräte, Split-Klimaanlagen, Klimaanlagen; beim Einsatz von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) müssen Arbeitgeber darauf achten, dass diese richtig eingestellt werden, um keine Erkältungen bei den Beschäftigten zu verursachen. Auch müssen RLT-Anlagen regelmäßig sowie fachgerecht gewartet und instandgehalten werden, um negative gesundheitliche Einflüsse z. B. durch Keime zu vermeiden.   

3. Organisatorische Maßnahmen bei Raumtemperaturen über 26 °C

  • Lüftung in der Nacht- bzw. frühen Morgenstunden, z. B. durch den Hausmeister 
  • Arbeitszeitverlagerung auf kühlere Tageszeiten, z. B. durch Gleitzeitregelung 
  • Entwärmungsphasen schaffen, z. B. durch Aufenthalt im kühleren Bereich 
  • Bekleidungsregelung, z. B. durch Aufhebung des „Krawattenzwangs“
  • Getränkebereitstellung, z. B. Wasser oder Kräuter- bzw. Früchtetees; nicht gekühlte Getränke eignen sich bei hohen Temperaturen besser zur Abkühlung als kalte Getränke 

4. Persönliche Maßnahmen gegen das Schwitzen im Büro 

  • lockere Bekleidung, leichtes Schuhwerk
  • bewusstes leichtes Essen 

Hinweis: Bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen müssen Arbeitgeber beachten, dass technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen haben. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Luftfeuchte im Raum nicht ansteigt, wenn durch technische Maßnahmen die Lufttemperatur reduziert wird, denn dies führt wiederum zu einer Gesundheitsgefährdung des Arbeitnehmers.  

Wie wird die Temperatur im Büro gemessen?

Die Temperatur im Büro messen Arbeitgeber mit einem strahlengeschützten Thermometer in Grad Celsius, dessen Messgenauigkeit +/- 0,5 °C betragen soll. Je nach Erfordernis erfolgt die Messung in einem stündlichen Takt 

  • für sitzende Tätigkeiten in einer Höhe von 0,6 m und
  • bei stehender Tätigkeit in einer Höhe von 1,1 m über dem Fußboden. 

Der Arbeitgeber muss auch die Außentemperatur prüfen. Diese ist 4 m von der Gebäudeaußenwand entfernt und in einer Höhe von 2 m zu messen. 

Wann erfolgt eine Gefährdungsbeurteilung? 

Wird die Raumtemperatur am Arbeitsplatz durch weitere physikalische Faktoren wie hohe Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit oder Wärmestrahlung beeinflusst, hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung bezüglich der Temperatur vorzunehmen. Auf dieser Grundlage sind dann geeignete Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip auszuwählen. 

Quelle: „Die neue Arbeitsstättenverordnung“ 

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