Bau & Immobilien

Bei der Ausführung von Bauleistungen kommt es häufig vor, dass die in der Planung geforderten Nennmaße herstellerbedingt abweichen. Dann muss diese Abweichung auf ein Maß begrenzt werden, um die Funktion des Bauwerks nicht zu gefährden. Die Norm DIN 18202 enthält dafür die Grundlagen. Bei Fußböden müssen bspw. die Ebenheits- und Winkeltoleranzen geprüft werden. Und so gehen Sie dabei vor:

DIN 18202 „Toleranzen im Hochbau“: Unterschied zwischen Ebenheitstoleranz und Winkeltoleranz 

In der Praxis entstehen häufig Missverständnisse, weil der Unterschied zwischen der Ebenheitstoleranz und der Winkeltoleranz nicht jedem am Bau Tätigen bekannt ist. Am besten ist dieser am Beispiel eines Glastisches zu erklären: 

  • Ebenheitstoleranz: Betrachten Sie zunächst die Glasscheibe des Tisches. Wenn Sie mit der Hand über die Fläche fahren und keine Erhöhungen oder Vertiefungen fühlen, ist die Fläche eben. 
  • Winkeltoleranz: Heben Sie den Tisch dagegen an einer Seite an, bewegen Sie ihn aus dem Winkel. Beim Auflegen einer Wasserwaage  wird die Abweichung sehr deutlich. 

Wesentlich ist, dass beim Messen der Winkeltoleranz eine Wasserwaage benötigt wird, bei der Prüfung der Ebenheitstoleranz dagegen nicht. 

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Prüfung von Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202 

Im Wohnungsbau wird die Ebenheitstoleranz üblicherweise mit Messlatte- und keil geprüft:

Das Werkzeug 

Sie benötigen eine Messlatte bis maximal 3 m, einen Messkeil und zwei Blätter Papier. Der Messkeil dient dabei der Bestimmung von Abweichungen, die zwei Blätter Papier zur Festlegung der Hochpunkte.  

Das Verfahren

  1. Legen Sie die Messlatte in einen beliebigen Bereich des Fußbodens (vorzugsweise da, wo die Unebenheit vermutet wird oder zu sehen ist). 
  2. Ziehen Sie nun die Papierblätter unter der Messlatte entlang, bis sie festklemmen. Somit fixieren Sie die Hochpunkte. 
  3. Nehmen Sie nun die Norm DIN 18202:2013-04 „Toleranzen am Hochbau“ zur Hand. In Tabelle 3 sind die für bestimmte Messpunktabstände die entsprechenden, zulässigen Abweichungen festgehalten. 
  4. Fixieren Sie nun den Messkeil im Bereich der größten Abweichung seitlich unter der Messlatte und lesen Sie den Wert auf der Skala ab. 
  5. Anhand der Tabelle können Sie schließlich vergleichen, ob die Werte über- oder unterschritten sind. 

Fehlerquellen in der Praxis

  • Die Messlatte liegt nicht auf der zu messenden Fläche auf, sondern wird auf einer Seite niedergedrückt. Hierbei kommt es zur Vermischung zwischen Ebenheits- und Winkeltoleranz.  
  • Die Messlatte wird zum äußersten Rand des Estrichs gelegt. Das Ergebnis wird so verfälscht, weil die Ränder einer Verformung unterliegen. 
  • Die Messlatte ist entweder zu kurz oder zu lang. 

Prüfung der Winkeltoleranz gemäß DIN 18202

Die Bestimmung der Winkeltoleranz läuft meist problemloser ab als die Prüfung der Ebenheitstoleranz, weil das Verfahren überschaubarer ist.

Das Werkzeug

Als Werkzeug benötigen Sie eine Wasserwaage, eine Messlatte und einen Messkeil.

Das Verfahren

Maßgebend für die Beurteilung ist der Meterriss (Stichmaß zur Waagerechten) an den Ecken des Bauteils. Entscheidend für das Anlegen des Meterrisses ist der jeweilige Höhenbezugspunkt für das zu messende Geschoss. 

  1. Beginnen Sie mit der Messung an den Meterrissen in den Ecken.
  2. Um die Tabelle 8, die die Norm DIN 18202 vorgibt, nutzen zu können, müssen Sie das Nennmaß ermitteln. Gemeint ist damit die Diagonale des Raumes. Sie müssen also die Länge der Diagonalen bestimmen. 
  3. Nehmen Sie die Messlatte mit der größten Länge, die Sie in diese Diagonale setzen können, und richten Sie sie in Waage aus. 
  4. Fixieren Sie nun den Messkeil unter der Messlatte und lesen den normgerechten Winkeltoleranzwert in der Tabelle ab. 

(juse)

Quelle: „der bauschaden“

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