Bau & Immobilien

Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmmaterialien

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Seit 11. März 2016 gilt in Deutschland die novellierte Abfallverzeichnisverordnung (AVV) in Verbindung mit dem Anhang IV der POP-Verordnung. In der AVV wird die Einstufung von Abfällen, in gefährlich und ungefährlich, geregelt.

Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffen

Eine wichtige Neuerung ist die Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffen. Diese waren ab 30. September 2016 unter der Abfallschlüsselnummer „17 06 03 * – anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche Stoffe enthält“ einzustufen.

Aufgrund dieser verschärften Anforderungen kam es im Herbst 2016 zu massiven Entsorgungsproblemen bei HBCD-haltigen Abfällen. Viele Müllverbrennungsanlagen hatten wegen der Einstufung der Dämmabfälle als gefährliche Abfälle die Annahme verweigert, die Entsorgungspreise waren seit September 2016 auf über 7.000 € pro Tonne gestiegen, Baustellen mussten stillgelegt werden.

Ausnahmeregelung

Übergangsweise gibt es nun eine auf ein Jahr befristete Ausnahmeregelung für die Einstufung von Hexabromcyclododecan (HBCD). Der Aufschub bis zum 31.12.2017 soll es den Fachgremien des Bundes und der Länder ermöglichen, für HBCD-haltigen Abfälle Anforderungen für einen bundesweit einheitlichen Vollzug zu erarbeiten. Diese seien notwendig, um eine rechtskonforme Entsorgung und die Einhaltung der Regelungen der POP-Verordnung sicherzustellen sowie die Rückverfolgbarkeit und Dokumentation des Entsorgungswegs zu gewährleisten.

Dies bedeutet: Dämmstoffe mit einer HBCD-Konzentration ab 1.000 mg/kg = 0,1% gelten nun erst ab 01.01.2018 als gefährlicher Abfall.

Dämmstoffe und das Flammenschutzmittel HBCD

Dämmstoffe aus expandierten Polystyrol (EPS) und extrudierten Polystyrol (XPS) sind, wie viele Kunststoffe, brennbar. Ohne Flammschutzmittel erfüllen sie die Anforderungen der Musterbauordnung bzw. der Landesbauordnungen in Bezug auf das Brandverhalten nicht. Zur wirksamen Reduzierung der Entflammbarkeit von EPS und XPS wird bereits dem Rohstoff bei dessen Herstellung ein effizientes Flammschutzmittel hinzugefügt, das fest in das Polymergerüst eingebettet ist und seine Wirksamkeit über den gesamten Lebensweg aufrechterhält.

Hexabromcyclododecan (HBCD) war aufgrund seiner Effizienz mehrere Jahrzehnte lang das bevorzugte Flammschutzmittel. Der HBCD-Anteil liegt zwischen 0,7 % (EPS) und 1,5 % (XPS).

Entsorgung von WDVS als Sondermüll

Die Verringerung des Transmissionswärmeverlustes durch die Außenwände mit Hilfe von Wärmedämmstoffen leistet einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung im Gebäudebestand und im Neubau. Die erste Generation von Wärmedämmverbundsystemen steht nun oftmals vor der Überarbeitung.  Ein häufiger Rückbaugrund für WDVS ist die Tatsache, dass ältere WDV-Systeme aktuellen energetischen Anforderungen nicht mehr entsprechen.

Dämmstoffe aus Polystyrol, sofern sie HBCD enthalten, müssen ab 2018 bei einem Rückbau oder einer Sanierungsmaßnahme, getrennt gesammelt, gesondert ausgewiesen und als Sondermüll in Sondermüllverbrennungsanlagen entsorgt werden. Ob ein EPS-Dämmstoff HBCD enthält, ist an der Kennzeichnung „HBCD-freier EPS-Dämmstoff“ ersichtlich oder vor Ort zu bestimmen.

Beim Rückbau von Dämmstoffen mit HBCD ist keine besondere Schutzausrüstung erforderlich, da ein direkter Kontakt mit dem HBCD ausgeschlossen werden kann. HBCD ist in die Polymermatrix fest eingebunden. Es kann weder durch auswaschen, noch durch Abrieb, also mechanisch, austreten.

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