Bau & Immobilien

Neue EnEV 2017/2018: Was ist zu erwarten?

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Seit 2002 wird die Energieeinsparverordnung in regelmäßigen Abständen novelliert. Durch die EU-Gebäuderichtlinie müssen in Kürze wieder europarechtlich geforderte Sachverhalte national umgesetzt werden: Ab dem 01.01.2019 müssen alle öffentlichen Neubauten in Europa als „Nearly Zero Energy Buildings“ („Niedrigstenergiegebäude“) ausgeführt werden, zwei Jahre später sind alle Neubauten von dieser Verpflichtung betroffen.

Bis Ende 2016 sollte die Bundesregierung deswegen verpflichtende Aussagen zur Umsetzung des nationalen „Niedrigstenergiegebäude“-Standard bei neuen öffentlichen Gebäuden treffen. Bislang liegt von den zuständigen Ministerien aber noch kein Entwurf zur kommenden EnEV vor.

Im Rahmen des Parlamentarischen Abends „Energieeffizienz der Immobilienwirtschaft“ nahm am 08.09.2016 ein Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Stellung zur kommenden EnEV: Die geplante Verschärfung der Energieeinsparverordnung für Privatgebäude soll auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden. Ausgenommen davon sind öffentliche Gebäude, für die es noch in dieser Amtsperiode neue Auflagen geben soll. Verschärfungen für private Gebäude, z. B. Wohngebäude, sind folglich erst mit einer EnEV 2019/2020 zu erwarten.

Mögliche Inhalte der neuen EnEV 2017/2018

Nach Wünschen des europäischen Gesetzgebers ist mit einer Zusammenführung der nationalen Energiespargesetze – also dem Energieeinsparungsgesetz (EnEG), dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) sowie der Energieeinsparverordnung (EnEV) – zu rechnen. Wie die Umsetzung in der kommenden EnEV erfolgt, ist noch nicht näher definiert.

Des Weiteren sollen die bestehenden Methoden zur Berücksichtigung von Wärmebrücken ausgeweitet und somit praxisgerechter werden. Durch Überarbeitungen der DIN V 18599 werden bereits die Grundlagen hierfür geschaffen. Für einige Normteile der DIN V 18599 liegen bereits Entwürfe vor. Neu erarbeitet wird Teil 12 der DIN V 18599 – Tabellenverfahren für Wohngebäude. Dabei handelt es sich um eine alternative Energiebilanzierung auf Basis von Aufwandszahlen und Tabellenwerten (Teil 1 der DIN V 18599 in Kombination mit Teil 12).

Auch die DIN 4108 Beiblatt 2 wird derzeit überarbeitet. Ähnlich wie bei der KfW-Methodik wird es im neuen Beiblatt 2 der DIN 4108 vermutlich zwei thermische Niveaus geben. Außerdem werden die derzeitigen 95 Planungsbeispiele auf über 350 Planungsbeispiele ausgeweitet. Folgende Inhalte werden u. a. aufgenommen:

  • Industriebaudetails
  • Pfosten-Riegel-Fassaden
  • Ersatzmasken für Lichtkuppeln und Dachflächenfenster
  • Erweiterte Sonnenschutzdetails
  • Dachluken und Briefkästen
  • Tiefgaragen
  • Treppenhaus- und Loggiaanschlüsse

Mit der Aufnahme weiterer Planungsdetails können künftig typische bauliche Situationen, wie beispielsweise Tiefgaragen, nachgewiesen werden.

Durch die Überarbeitungen der DIN V 18599-2 und der DIN 4108 Beiblatt 2 wird mit Einführung der EnEV 2017/2018 insbesondere die Berücksichtigung von Wärmebrücken praxisgerechter. Damit scheint auch eine Vereinheitlichung der Wärmebrückenmethodik zwischen der EnEV und der KfW möglich, denn die KfW hat bereits durch Einführung eines „hüllflächenbezogenen Wärmebrückenzuschlages“ die Berücksichtigung von Wärmebrücken praktikabler gestaltet. Wie die zukünftige Wärmebrückenmethodik mit einem projektbezogenen Wärmebrückenzuschlag aussehen könnte, beschreibt Prof. Dr. Werner Friedl im Loseblattwerk EnEV und Energieausweise.

Quelle: Auszüge eines Beitrags des Loseblattwerks „EnEV und Energieausweise“

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