Bildung, Erziehung und Soziales

Die zehn häufigsten Beurteilungsfehler bei Beurteilungen von Lehrern

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Dienstliche Beurteilungen gehören zu den wichtigsten Instrumenten der Personalführung und Qualitätssicherung an Schulen. Ihren Zweck können sie aber nur erfüllen, wenn sie nach objektiven Gesichtspunkten erstellt werden. Dies umzusetzen, fällt den Beurteilern nicht immer leicht.

Beurteilung von Lehrern: die zehn häufigsten Beurteilungsfehler  

Die Sozialpsychologie benennt zahlreiche Begleiteffekte, die zu falschen Beurteilungen führen können. Schulleiter und Beurteiler im Allgemeinen lassen sich oft bewusst oder unbewusst durch verfälschte Beobachtungen verleiten und begehen folgende Beurteilungsfehler.

1. Halo-Effekt

Manch Lehrer hat eine Eigenschaft, mit der er innerhalb des Kollegiums herausragt. Diese Eigenschaft überstrahlt oft andere Persönlichkeitsmerkmale, die vielleicht nicht so positiv sind. Dadurch kann eine Überbewertung des ersten Merkmals zustande kommen.

Abhilfe: Schulleiter sollten solche Lehrer bewusst differenziert betrachten und Positives sowie Negatives abwägen.

2. Milde-Effekt

Ein häufiger Grund für zu positive Bewertungen von Lehrern ist ein niedriges Anspruchsniveau des Beurteilers oder dessen Sorge, mit negativen Äußerungen eine Konfrontation oder Störung der Beziehung hervorzurufen.

Abhilfe: Beurteiler sollten ihren Anspruch erhöhen, zu eigenen Aussagen stehen und die rosarote Brille abnehmen.

3. Strenge-Effekt

Im Gegensatz zum Milde-Effekt fallen Beurteilungen von Lehrern im Falle des Strenge-Effekts oft schlecht aus, weil der Beurteiler zu hohe Ansprüche stellt oder sogar Antipathien gegen einen Kollegen hegt.

Abhilfe: Persönliche Befindlichkeiten müssen bei einer Beurteilung außer Acht gelassen werden. Außerdem sollten Beurteiler ihre Anspruchshaltung realistisch betrachten und gegebenenfalls senken.

4. Tendenz zur Mitte-Effekt

Viele Lehrer werden mit mittleren Noten bewertet, nicht weil sie nur durchschnittliche Leistung erbringen, sondern weil der Beurteiler aufgrund mangelnder Motivation, fehlender Kompetenz oder unzureichender Beobachtung nur durchschnittliche Beurteilungen abgibt.

Abhilfe: Schulleiter sollten stärker differenzieren und die Notenskala voll ausschöpfen.

5. Extrem-Effekt

Manchen Beurteilern fehlt ein ausgewogenes Urteilungsvermögen, sodass sie die Leistung der Lehrer entweder zu gut oder zu schlecht bewerten.

Abhilfe: Auch hier sollten Beurteiler differenzierter beobachten, Zwischenstufen einräumen und sich besser mit den Aussagen zur Notenabstufung vertraut machen.

6. Hierarchie-Effekt

In Schulen mit Sekundarstufe I und II tendieren Beurteiler häufig dazu, Lehrer mit höherer Qualifikation besser zu beurteilen. Dies trifft auch zu, wenn Lehrer höhere Laufbahnstufen oder Beförderungsämter bekleiden.

Abhilfe: Nicht die Position eines Lehrers bewerten, sondern seine Leistung.

7. Nähe-Effekt

Besonders schwierig wird es für Schulleiter, wenn sie mit der zu beurteilenden Lehrkraft eng zusammenarbeiten. Da sich Lehrer und Beurteiler kennen und damit die Erwartungshaltung bekannt ist, fällt die Beurteilung des Lehrers unter Umständen besser aus.

Abhilfe: Hier hilft es, die Leistung des Kollegen mit anderen zu vergleichen und bewusst differenziert zu betrachten.

8. Primacy-Effekt

Jeder kennt es: Der erste Eindruck zählt. Auch bei Beurteilern bleibt dieser erste Eindruck noch lange bestehen und kann die Beurteilung positiv oder negativ verfälschen.

Abhilfe: Schulleiter sollten diesen ersten Eindruck bewusst ignorieren und ihre Bewertung auf reale Beobachtungen stützen.

9. Recency-Effekt

Genau wie der erste Eindruck, kann auch ein kürzlich eingetroffenes Ereignis entscheidend für die Beurteilung eines Lehrers sein. Beurteiler neigen dann oft dazu, dieses Ereignis zu übergewichten.

Abhilfe: Beurteiler können diesen Effekt vermeiden, wenn sie ihre Beobachtungen über einen längeren Zeitraum hinweg mit Datumsangabe dokumentieren.

10. Sympathie-Effekt

Manche Menschen wirken aufgrund ihrer Natur sympathisch auf andere. Unbewusst beurteilen Schulleiter Lehrer mit solcher Natur positiver. Das gilt in umgekehrtem Maße auch für die Antipathie.

Abhilfe: Leistungen mit anderen Kollegen vergleichen und Vorleistungen sowie Aussagen anderer Personen heranziehen.

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So vermeiden Schulleiter typische Beurteilungsfehler

Machen sich Schulleiter/Beurteiler erst einmal bewusst, welche Beurteilungsfehler ihnen unbewusst unterlaufen, können sie gezielter an ihrem Urteilsvermögen arbeiten.

Diese Tipps helfen zusätzlich dabei:

  • Nicht von Vorurteilen anderer beeinflussen lassen. Die Note darf nicht schon feststehen, bevor der Beurteiler den Lehrer persönlich kennengelernt hat.
  • Nicht allein auf die Aussagen Dritter verlassen.
  • Nicht von der Sympathie zu einem Kollegen beeinflussen lassen.
  • Auf den gesamten Beurteilungszeitraum achten und nicht kürzlich erbrachte Leistungen übergewichten.
  • Nicht die eigenen Leistungen als Bewertungsmaßstab hernehmen, sondern den Lehrer an den Anforderungen seines Aufgabenbereichs bewerten.
  • Konsequenzen, die die Beurteilung für den Lehrer hat, müssen ausgeblendet werden.
  • Klar sagen, was gemeint ist, und auf schwammige globale Aussagen verzichten.

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Quelle: "Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen"

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