Bildung, Erziehung und Soziales

Beim Thema Gewalt gegen Lehrer stehen die Lehrkräfte momentan ziemlich alleine da, wie eine repräsentative Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zeigt: Obwohl in den vergangenen fünf Jahren an jeder zweiten Schule Gewalttaten gegen Lehrkräfte verübt wurden – sowohl psychisch als auch physisch –, sprechen Ministerien immer noch von Einzelfällen. Wie groß das Problem wirklich ist und wie Lehrkräfte aggressivem Verhalten entgegenwirken können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie oft kommt Gewalt gegen Lehrkräfte vor?

Egal ob Bewegungsmangel, Frustration oder Langeweile – es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, warum Kinder und Jugendliche aggressiv werden. Das Problem ist, dass diese Kinder ihre negativen Gefühle auch in die Schule mitbringen und immer mehr an den Lehrkräften auslassen:

So ist es an der Hälfte der deutschen Schulen in den vergangenen fünf Jahren zu direkter psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte gekommen, an einem Fünftel der Schulen wurden Fälle von Cybermobbing registriert und in jeder vierten Schule wurden die Lehrkräfte von ihren Schülern sogar körperlich attackiert. Das ist das Ergebnis der forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“, die der VBE in Auftrag gegeben hatte. Für die Studie wurden 1200 Schulleiterinnen und Schulleiter von allgemeinbildenden Schulen befragt.

Das sind die Ergebnisse der forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass bei diesem Thema Handlungsbedarf besteht:

  • Jeder zehnte Schulleiter gibt an, dass Lehrkräfte, die Gewalt erfahren mussten, nicht ausreichend unterstützen werden konnten, weil sich entweder die Schüler uneinsichtig zeigten oder die Eltern nicht kooperieren wollten.
  • Jede dritte Schulleitung bemängelt, dass das Schulministerium diesem Thema zu wenig Aufmerksamkeit schenkt.
  • 20 Prozent der Befragten kritisieren, dass die Meldung solcher Vorfälle so bürokratisch sei, dass sie neben den restlichen Aufgaben kaum Zeit dafür hätten. Außerdem führe solch eine Meldung oft zu Reputationsverlusten.
  • 11 Prozent geben sogar an, dass derartige Meldung bei den Schulbehörden unerwünscht ist.

Das größte Problem ist laut Udo Beckmann, Bundesvorsitzendem des VBE, dass weder Schulleitungen noch Lehrkräfte Rückhalt aus der Politik erfahren. Der VBE fordert deshalb u. a., dass die Landesministerien aufhören, so zu tun, als würde es sich bei Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer um Einzelfälle handeln und dass Lehrkräfte besser auf Konfliktsituationen vorbereitet werden. Zudem sollen an Schulen multiprofessionelle Teams aus Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und anderen Fachkräften etabliert werden.

Was können Schulleitung und Lehrkräfte tun, um Gewalt an der Schule zu vermeiden? 

Die häufigsten Formen von Gewalt an Schulen sind verbale und psychische Aggressionen, Beschimpfungen, Herabwürdigungen, vulgäre Kommentare sowie das Bloßstellen und Sich-lustig-Machen. Ein Teil des Problems ist laut Beckmann, dass immer mehr Kinder das Wort Nein aus dem Elternhaus nicht kennen und ihnen kein Respekt vor anderen beigebracht wird.

„Wir können nicht alleine richten, was zu Hause nicht vorgelebt wird, “ kritisiert der VDE-Bundesvorsitzende und verweist gegenüber der Zeitung Die Welt auf Schulstatistiken, die darlegen, dass es immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten gibt. Wie Lehrkräfte und Eltern mit solchen Kindern umgehen können, erfahren sie im „Praxisratgeber zur Betreuung und Beratung von Kindern und Jugendlichen“. Werfen Sie gleich einen Blick ins Buch

Holen Sie sich praxiserprobte Tipps für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen!

Praxisratgeber zur Betreuung und Beratung von Kindern und Jugendlichen

mehr erfahren

Reagieren Sie angemessen auf Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern und Jugendlichen!

Besondere Kinder

mehr erfahren

Drei konkrete Maßnahmen gegen Gewalt an der Schule

  1. Schüler übernehmen Verantwortung: Aggressivität ist für Kinder und Jugendliche oft ein Weg, um die Aufmerksamkeit von Lehrkräften und/oder Mitschülern zu erlangen. Dennoch stehen sie letztendlich aufgrund dieser Aggressivität als Außenseiter dar. Um solche Schülerinnen und Schüler zu integrieren, könnten z. B. kleine Theaterstücke durchgeführt werden, in denen ausgerechnet der schwierigste Junge den Polizeichef spielt. Somit erfahren diese Schüler Anerkennung und lernen, mit Verantwortung umzugehen.

  2. Konsequenter Umgang mit Beschimpfungen: In Schulen herrscht oft ein nachlässiger Umgang mit Beschimpfungen, Beleidigungen oder Herabsetzungen. Viele Lehrer hören gerade in den Pausen resigniert weg. Das ist der falsche Weg. Vielmehr müssten Worte, die von Schülern und Lehrkräften als „gemein“ empfunden werden, in der Klassengemeinschaft besprochen und zum Tabu erklärt werden. Denn der aggressive Sprachgebrauch endet nicht selten in Handgreiflichkeiten.

  3. Lernumgebung als Erzieher: Klassenräume mit laut hallenden Böden und Wänden, hässliche Vorhänge (wenn überhaupt), Leseecken mit abgeschabten Sofas – wie viel Lernbereitschaft würden Erwachsene in so einem Raum aufbringen? Kinder haben ästhetische Bedürfnisse, die nicht immer denen von Erwachsenen entsprechen. Deshalb sollten die Schülerinnen und Schüler in mehreren Gruppen ausarbeiten, wie der Klassenraum umgestaltet werden kann, um eine harmonischere Umgebung zu schaffen.

    In der anschließenden Diskussion zwischen den einzelnen Gruppen lernen auch die schwierigen Kinder, was Demokratie bedeutet und wie sie im Alltag gelebt werden kann. Das ist besonders für Kinder und Jugendliche wichtig, die im Elternhaus hauptsächlich Aggressivität und Schuldzuweisungen erleben.

Zudem kann das Thema Wut in der Klasse aufgegriffen und Möglichkeiten zum Umgang mit dieser aufgezeigt werden: Dabei können Wutecken oder Wutbriefkästen helfen oder die Lehrkraft lässt die Schüler die Wut symbolisch die Toilette runterspülen. Es gibt einige Möglichkeiten, die Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitungen im „Praxisratgeber zur Betreuung und Beratung von Kindern und Jugendlichen“ nachlesen können. (juse)

Quellen: forsa-Umfrage„Praxisratgeber zur Betreuung und Beratung von Kindern und Jugendlichen“ 

War der Artikel hilfreich?
finde ich gut 0