Kindesmissbrauch: Unabhängiger Beauftragter fordert neues Gesetz

Bildung, Erziehung und Soziales

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, pocht wiederholt auf einen besseren Kinder- und Jugendschutz, der zumindest im Wahlkampf auch von den großen Parteien gewünscht wurde. Rörig will das Kindermissbrauchsbekämpfungsgesetz, und zwar noch 2018.

Rörig sagt Kindesmissbrauch den Kampf an

„Die Zeit befristeter Minimallösungen im Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen muss vorbei sein,“ sagte Rörig bereits im Oktober anlässlich der Vorstellung des Programms „Jetzt handeln!“ in Berlin. Jetzt erinnert Rörig nochmals eindringlich: CDU, CSU und SPD sollen die Forderungen aus ihren Wahlprüfsteinen für einen besseren Schutz vor Kindesmissbrauch nicht vergessen und das Thema jetzt angehen.

Er weist auf die aktuelle Diskrepanz zwischen der Dimension des Missbrauchs von Kindern und dem, was dagegen getan wird, hin. So verzeichne die Polizeiliche Kriminalstatistik jährlich etwa 12.000 Ermittlungs- und Strafverfahren bei sexuellem Kindesmissbrauch. Die Dunkelziffer soll deutlich höher sein. Zudem belegen laut Rörig aktuelle Studien, dass annähernd jeder Siebte bis Achte in Deutschland über sexuelle Übergriffe in seiner Kindheit oder Jugend berichten kann. Rörig stellt die Rechnung auf, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder sitzen, die betroffen sind. 

Kindesmissbrauch erkennen – Hilfe für Fachkräfte 

Laut Rörig könnten viel mehr Menschen helfen, diese wüssten aber oft gar nicht, welche Handlungsmöglichkeiten sie bei einer Vermutung oder explizitem Verdacht haben. Besonders nah dran an den Kleinen sind oft Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer. Und selbst das Fachpersonal fürchtet den Moment, wenn sich ein Kind plötzlich ganz anders als normalerweise verhält oder durch nicht altersgerechte sexualisierte Sprache auffällt – beides können Anzeichen für sexuellen Missbrauch sein.

Denn liegt erst einmal ein Anfangsverdacht vor, muss gehandelt werden, und zwar rechtssicher. Dabei ist die „Vorlagenmappe Kindeswohlgefährdung“ ein verlässliches Hilfsmittel, das das Fachpersonal mit Merkblättern, Checklisten und Leitfäden beim korrekten Vorgehen  unterstützt. 

Die Mappe enthält alle notwendigen Checklisten und Vorlagen, sodass Fachkräfte in sensiblen Situation professionell handeln können. Jetzt informieren!

Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz: Strukturen gegen Kindesmissbrauch fehlen 

Die Politik tut viel zu wenig dafür, um Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sagt Rörig. Es fehle an dauerhafter Prävention sowie personellen und finanziellen Ressourcen. Deshalb bittet er die neue Regierung, sich auf das von ihm im Oktober vorgeschlagene „Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz“ zu verständigen. Rörig will Präventions- und Interventionskonzepte sowie eine systematische Herangehensweise etablieren. Seine Forderungen sind u. a.: 

  • Das Amt eines unabhängigen Beauftragten soll gestärkt werden. Laut Rörig fehlt bisher eine gesetzliche Grundlage für die Aufgabenübertragung, Unabhängigkeit und die Bereitstellung ausreichender Ressourcen.
  • Es soll eine „Ständige Konferenz“ zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch eingerichtet werden, um verbindliche Strukturen für die Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen, Zivilgesellschaft, Fachpraxis, Betroffenenrat, Wissenschaft und Ausbildung zu schaffen. 
  • Der 2015 berufene Betroffenenrat soll eine gesetzliche Absicherung für seine Mitwirkung erhalten. 
  • Für die Arbeit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fehlt Rörig zufolge die gesetzliche Grundlage. Die Arbeitsperiode der Kommission soll zudem um fünf Jahre verlängert werden.
  • Das Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz soll nach zehn Jahren evaluiert werden

Das Programm von Rörig umfasst die Themenfelder Schutz, Hilfen, Verfahren, Forschung/Lehre, Aufarbeitung, Aufklärung und Sensibilisierung.

Zudem fordert Rörig eine Reform des Opferschutzgesetzes (OEG). Im Koalitionsvertrag, der für die vergangene Legislaturperiode beschlossen worden war, sei die Reform bereits vereinbart gewesen, stehe aber bis heute noch aus. 

Quelle: Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs 

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