Bildung, Erziehung und Soziales

Sprachkenntnisse von Flüchtlingskindern ermitteln – Tipps für Lehrkräfte

© jozsitoeroe - Fotolia.com

Etwa ein Drittel der Flüchtlinge in Deutschland sind nach Spiegel Online Informationen schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Dies stellt Schulen und insbesondere Lehrkräfte vor große Herausforderungen: Sie haben nun die Aufgabe, Flüchtlingskinder und Jugendliche in die Schule zu integrieren. Um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten, müssen Lehrer als Erstes herausfinden, welche Schulart und Klasse für das jeweilige Kind geeignet ist. Dazu müssen vorhandene Sprachkenntnisse sowie Lernvoraussetzungen ermittelt werden.

Flüchtlingskinder und -jugendliche in der Schule: Rolle der Schulen 

Die Schule, die das Flüchtlingskind aufnimmt, hat in der Regel auch die Aufgabe, den Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen zu ermitteln und geeignete Fördermaßnahmen zu erarbeiten, damit das Kind schnell Deutsch lernt. 

Lehrer müssen dabei aufpassen, dass sie das Kind weder über- noch unterfordern. Um Lehrkräfte bei der Feststellung des Sprachstandes zu unterstützen, wurde eine Vielzahl von Verfahren entwickelt.

Die aus diesen Verfahren resultierenden Ergebnisse sind jedoch nur ein Baustein, der hilft zu entscheiden, ob ein Kind eine Vorbereitungsklasse besuchen oder welche individuelle Förderung es erhalten soll. Für die endgültige Entscheidung sollten zusätzlich der familiäre Hintergrund des Flüchtlingskindes oder des jungen Flüchtlings, die Organisationsform der Schule, die Beobachtungen des Lehrers etc. berücksichtigt werden. 

Sprachkenntnisse bei Flüchtlingskindern durch Beobachten ermitteln

Um den Sprachstand eines Schülers zu erkennen, müssen Lehrkräfte genau beobachten. Denn die Dokumentation des Entwicklungsstandes ist notwendig, um das Kind erst einmal in seinem Lernprozess zu verstehen. Die Beantwortung folgender Fragen kann schon wichtige Ergebnisse liefern: 

  • Wie verbringt das Kind oder der Jugendliche die Zeit in der Schule?
  • Wonach fragt das Kind oder der Jugendliche?
  • Wo liegen die Fähigkeiten des Flüchtlingskindes und wo braucht es noch Unterstützung?
  • In welchen Situationen ist es aufmerksam und wann zieht es sich eher zurück?
  • Was kann das Kind oder der Jugendliche und was möchte es/er lernen?

Einzelne Ereignisse sollten beim Beobachten nicht für sich alleine stehend bewertet, sondern in größeren Zusammenhängen wahrgenommen werden. Hierbei spielen auch Faktoren wie Traumatisierungen, Schlafstörungen, Zukunftsängste etc. eine Rolle.  

Hinweis: Lehrer sollten nicht nur das Kind, sondern auch das eigene Verhalten beobachten und sich bewusst werden, welche Reaktionen bestimmte Handlungen des Kindes bei ihm selbst auslösen. So können weitere Erkenntnisse zum Umgang mit dem Flüchtlingskind gezogen werden. 

Möglichkeiten der Beobachtung sind: 

  • Kurze 10-Minuten-Beobachtungen: Dabei werden Flüchtlingskinder und Jugendliche in unterschiedliche Spiel- und Lernsituationen gebracht. Der Lehrer ist nur Beobachter und dokumentiert, was passiert und was gesagt wird. 
  • Portfolios: Der Lehrer sammelt alles, was mit dem Kind zu tun hat und fertigt mit ihm zusammen ein kleines Buch oder eine Schatzkiste an. 
  • Austausch mit Kollegen: Der Austausch hilft, eigene festgefahrene Denkweisen zu überdenken.
  • Hinweise vom Schüler: Der Schüler kennt seine Situation am besten und weiß im besten Fall, was ihm gut tut. 

Lehrerinnen und Lehrer erhalten sofort einsetzbare Materialien zur Entwicklungseinschätzung, Förderung und Integration junger Flüchtlinge. Jetzt bestellen!

Verfahren zur Ermittlung von Sprachkenntnissen von Flüchtlingskindern 

Die vorhandenen Verfahren zur Sprachstandfeststellung können in zwei Verfahrensarten unterschieden werden: 

Standardisierte, formelle Verfahren

Hierbei steht die Einteilung der sprachlichen Leistungen in eine Rangfolge im Vordergrund. Standardisierte, formelle Verfahren sind z. B.:

  • Psycholinguistischer Entwicklungstest (PET)
  • Heidelberger Sprachentwicklungstest (HSET)
  • Hamburger Schreib-Probe (HSP)

Nicht standardisierte, formelle Verfahren

Bei diesen Verfahren steht die Erfassung individueller Leistungen und Kompetenzen im Mittelpunkt. Nicht standardisierte, formelle Verfahren sind z. B. das 

  • Marburger Sprachscreening (MSS) oder das
  • Screening-Modell für Schulanfänger.

Praxismaterial zum Umgang mit Flüchtlingskindern und -jugendlichen in der Schule

Das Screening-Modell für Schulanfänger ist insbesondere für die Spracherhebung zum Zeitpunkt der Einschulung konzipiert. Wie Lehrer dieses mehrstufige Modell in der Praxis anwenden, erfahren sie im Werk "Flüchtlingskinder - und jugendliche in der Schule". Alle vier Stufen der Methode werden hier ausgeführt. Schulleiter und Lehrkräfte profitieren zudem von Expertenwissen, einsatzfertigen Arbeitsmaterialien sowie vielen weiteren Informationen zu den Themen Förderung und Integration von Flüchtlingskindern. 

Quelle: "Flüchtlingskinder - und jugendliche in der Schule"

Kommentar schreiben
Captcha

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.
Mehr zum Thema Bildung, Erziehung und Soziales: