Bildung, Erziehung und Soziales

Studie: große Unterschiede beim Personalschlüssel in deutschen Kitas

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Die Qualität der frühkindlichen Bildung hängt in Deutschland vom Wohnort ab. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die belegt, wie unterschiedlich der Personalschlüssel in Krippen und Kindergärten ist.

Enorme Unterschiede beim Personalschlüssel in Krippen und Kindergärten

Für die Studie wurde der Kita-Personalschlüssel aller 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland ausgewertet. Dabei zeigten sich gravierende Unterschiede: So muss z. B. in einigen Regionen Brandenburgs eine Fachkraft dreimal so viele Krippenkinder betreuen wie eine Fachkraft in Baden-Württemberg. 

Unterschiede beim Personalschlüssel gibt es jedoch auch innerhalb der Länder. So kommen in Bayern laut Studie landesdurchschnittlich 3,7 Kinder auf eine Fachkraft – die Werte für die einzelnen Kreise bewegen sich jedoch zwischen 2,7 und fünf. Für Rheinland-Pfalz ergeben sich sehr ähnliche Divergenzen. Homogener sieht es in Sachsen und im Saarland aus. In diesen Bundesländern gibt es kaum Abweichungen vom landesweiten Mittel pro Fachkraft. 

Auch beim Personalschlüssel in Kindergärten zeigen sich laut Studie sehr starke Unterschiede. Während in manchen Kreisen Baden-Württembergs eine Fachkraft rechnerisch 6,1 Kindergartenkinder betreut, kommen in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 14,3 Kinder auf eine Erzieherin oder einen Erzieher. Innerhalb der Bundesländer gibt es der Studie zufolge ebenfalls erhebliche Unterschiede zwischen den Kreisen. Nur in Sachsen ist der Personalschlüssel von 1 zu 13,4 landesweit recht einheitlich. 

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Ost-West-Gefälle beim Personalschlüssel weiterhin gravierend

Die Studie stellt zudem ein beachtliches Ost-West-Gefälle fest. Während im Westen nur 3,6 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, kommen im Osten sechs Kinder auf eine Erzieherin oder einen Erzieher. Allerdings besuchen in Ostdeutschland mehr als die Hälfte (52 Prozent) der unter Dreijährigen eine Betreuungseinrichtung, während dieser Wert in Westdeutschland mit 28 Prozent deutlich niedriger liegt.

Fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr werden bundesweit in Kindertageseinrichtungen betreut. Im Westen kümmert sich dabei eine Fachkraft um 8,5 Kinder, im Osten um 12,2. 

Forderung nach bundesweit einheitlichen Standards für die frühkindliche Bildung

Die Bertelsmann Stiftung hat auf Grundlage der Studie eine Empfehlung erarbeitet: Ein Personalschlüssel für Krippen von 1 zu drei und in Kindergärten von 1 zu 7,5 wären laut Stiftung angemessen, um einheitliche Qualitätsstandards in Deutschland zu gewährleisten. 

Außerdem soll mehr Personal eingestellt und mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. So hat die Bertelsmann Stiftung ausgerechnet, dass 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte und 4,9 Millionen Euro jährlich fehlen, um einen kindgerechten Personalschlüssel zu erreichen. 

Den Ansatz, Kita-Plätze kostenlos anzubieten, hält Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, deshalb für falsch. Er rät davon ab, auf Elternbeiträge zu verzichten. "Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen", argumentiert Dräger, betont gleichzeitig aber auch, dass das Einkommen der Eltern nicht den Zugang zur frühkindlichen Bildung verhindern darf. Er fordert deshalb, dass Kita-Beiträge einkommensabhängig berechnet werden sollten. Für einkommensschwache Familien solle der Kita-Beitrag ganz wegfallen. 

Bundesweit gibt es laut Studie einen positiven Trend 

Die Studie konstatiert aber auch einen bundesweiten positiven Trend bezüglich der Qualität der Kita-Betreuung: Kamen zum 1. März 2012 in Kinderkrippen rein rechnerisch noch 4,8 ganztagsbetreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft, waren es im März 2016 nur noch 4,3 Kinder. Noch deutlicher ist die Steigerung in Kindergartengruppen: Der Personalschlüssel verbesserte sich hier von 9,8 auf 9,2 Kindern pro Fachkraft. 

Eins macht die Studie ganz deutlich: Die Zeit von Erzieherinnen und Erziehern ist kostbar. Und weil zu ihren Aufgaben nicht nur die Betreuung und Förderung der Kleinen gehört, sondern auch das Schreiben von Entwicklungsberichten, will das Werk "Professionelle Entwicklungsberichte und Beschreibung der Lernausgangslage am PC erstellen" sie zumindest in diesem Punkt entlasten. Die Software bietet u. a. Beobachtungsbögen und Formulierungshilfen sowie zahlreiche Materialien zur individuellen Förderung. 

Quelle: Bertelsmann Stiftung  

 

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