Geschäftsführung und Management

Elektroauto und E-Bike als Dienstfahrzeug - Ermittlung des geldwerten Vorteils

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Obwohl Elektro- und Hybridelektroautos momentan mehr kosten als herkömmliche Fahrzeuge, gewinnen sie bei Unternehmensflotten zunehmend an Bedeutung. Mit dem „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität im Straßenverkehr“ hat der Gesetzgeber einen zusätzlichen Anreiz für Unternehmen geschaffen, gerade was die Ermittlung der privaten Nutzungsanteile für Elektrofahrzeuge als Firmenwagen angeht. Und das gilt auch für E-Bikes, die als Dienstfahrrad genutzt werden können.

Grundlagen zur privaten Nutzung von Dienstwagen

Nutzt ein Arbeitnehmer den Firmenwagen auch privat, liegt gemäß § 8 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) einen geldwerten Vorteil beim Arbeitnehmer vor, der im Rahmen seiner Gehaltsabrechnung zu versteuern ist. 

Die Höhe des geldwerten Vorteils bemisst sich dabei nach dem Nutzungswert, der nach einer der beiden folgenden Methoden ermittelt wird: 

  • 1% Methode: Bei dieser pauschalen Methode wird 1% des Bruttolistenpreises des genutzten Fahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung monatlich als geldwerter Vorteil angenommen und muss als Einnahme (des Arbeitnehmers) versteuert werden. Einzelnachweise sind nicht notwendig. 
  • Fahrtenbuchmethode oder Einzelnachweis-Methode: Diese Methode verlangt vom Mitarbeiter, dass er jede Fahrt akribisch und lückenlos in einem Fahrtenbuch dokumentiert. Anhand der Verhältnisse zwischen den betrieblichen und den privaten Fahrten wird dann kilometergenau der private Nutzungsanteil für den Dienstwagen ermittelt und versteuert. Allerdings  stellt die Finanzbehörde an das ordnungsgemäße Führen eines Fahrtenbuchs sehr hohe Anforderungen. Wenn diese nicht erfüllt werden, wird dementsprechend die Versteuerung nach 1%-Methode vorgenommen. 

Elektroauto als Firmenwagen: Vorteile für das elektrische Aufladen

Um die Nutzung von Elektrofahrzeugen als Firmenwagen zu fördern, hat der Gesetzgeber mit dem Gesetz zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität im Straßenverkehr, das am 17. November 2016 in Kraft getreten ist, und mit einem weiteren BMF-Schreiben vom 14. Dezember 2016 steuerliche Vorteile für den Ausbau der Ladeinfrastruktur geschaffen. 

Damit ergeben sich neue Regelungen, die seit dem 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2020 gelten.

Mit dem Gesetz wird das elektrische Aufladen von Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen insofern gefördert, dass es gemäß § 3 Nr. 46 EStG von der Einkommensteuer befreit wird. Die Steuerbefreiung gilt für zusätzlich zum Arbeitslohn gewährten Vorteile, wenn

  • das Hybrid- und Elektrofahrzeug i. S. d. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 2. Halbsatz EStG an einer ortsfesten betrieblichen Ladestation des Arbeitgebers oder eines verbundenen Unternehmens aufgeladen wird,
  • das Elektrofahrzeug an einer betrieblichen Ladevorrichtung aufgeladen wird, die dem Arbeitnehmer zur Privatnutzung überlassen wurde oder
  • ein Leiharbeitnehmer im Betrieb des Entleihers den Ladestrom bezieht. 

Die Begünstigung greift nicht, wenn 

  • das Elektrofahrzeug von Geschäftsfreunden des Arbeitgebers geladen wird oder
  • Kunden des Arbeitgebers ihre Elektrofahrzeuge an der Ladestation aufladen. 

Begünstigt wird das Aufladen sowohl von privaten Elektrofahrzeugen als auch von betrieblichen Elektroautos, die dem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen wurden. 

Wird dabei der geldwerte Vorteil aus der privaten Nutzung nach der 1%-Regelung ermittelt, ist er für den vom Arbeitgeber verbilligt oder kostenlos gestellten Ladestrom bereits abgegolten. Wird zur Ermittlung dagegen die Fahrtenbuchmethode angewendet, bleiben die Kosten für den nach § 3 Nr. 46 EStG steuerfreien Ladestrom für die Ermittlung der Gesamtkosten des Fahrzeugs außer Ansatz. 

Die Steuerbefreiung ist weder auf einen Höchstbetrag noch auf eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen begrenzt. 

Welche Fahrzeuge werden begünstigt? 

Elektrofahrzeuge: Ein Kraftfahrzeug, das ausschließlich durch einen Elektromotor angetrieben wird. Dieser Elektromotor muss ganz oder überwiegend von einem mechanischen oder elektromechanischen Energiespeicher oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden. 

Hybridelektrofahrzeuge: Ein Hybridfahrzeug, das aus einem Betriebskraftstoff oder einer Speichereinrichtung für elektrische Energie/Leistung gespeicherte Energie oder Leistung bezieht. Im Sinne dieser Vorschrift müssen Hybridelektrofahrzeuge extern aufgeladen werden können. 

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Elektroauto als Dienstwagen: Pauschalisierung der Lohnsteuer

Der Arbeitgeber kann sich auch dafür entscheiden, die Lohnsteuer für geldwerte Vorteile aus der Übereignung einer Ladevorrichtung und für Arbeitnehmerzuschüsse für den Erwerb und die Nutzung einer Ladevorrichtung nach § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG mit einem Pauschsteuersatz von 25 % zu erheben. Das kann er machen, sofern er dem Arbeitnehmer zusätzlich zum Arbeitslohn verbilligt oder kostenfrei eine Ladestation übereignet. 

Als Bemessungsgrundlage können in diesem Fall die Aufwendungen des Arbeitgebers für den Erwerb der Ladestation zugrunde gelegt werden. Kommt dagegen der Arbeitnehmer selbst für die Beschaffung der Ladestation auf, kann der Arbeitgeber diese bezuschussen und die Lohnsteuer nach § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG pauschal mit 25 % erheben. 

Nutzt der Arbeitnehmer sein privates Elektroauto für Dienstfahrten, kann er anstelle der tatsächlich anfallenden Kosten die gesetzlich festgelegten pauschalen Kilometersätze gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 2 EStG auch dann nutzen, wenn er steuerfreie Vorteile oder pauschal besteuerte Leistungen und Zuschüsse vom Arbeitgeber erhält. 

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, bei der pauschalen Lohnsteuererhebung die steuerfreien Vorteile (Aufwendungen des Arbeitgebers für den Erwerb der Ladevorrichtungen, Zuschüsse, bezuschusste Arbeitnehmeraufwendungen) im Lohnkonto des Arbeitnehmers zu dokumentieren. 

Gesetz begünstigt E-Bike als Dienstwagen

Zu den begünstigten Fahrzeugen zählen auch Elektrofahrräder, wenn diese nach dem Straßenverkehrsgesetz (StVG) als Kraftfahrzeug eingeordnet werden. E-Bikes, die nicht als Kraftfahrzeuge gelten, weil für sie keine Kennzeichen- und Versicherungspflicht besteht, werden nicht steuerlich begünstigt

Das heißt also, dass für die Ermittlung des geldwerten Vorteils die allgemeinen Regelungen zur Pkw-Besteuerung anzuwenden sind: neben der 1%-Regelung auch die Berechnung mit 0,03 % des Bruttolistenpreises für Fahrten zur Arbeitsstätte. Es kann aber auch die Fahrtenbuchmethode angewendet werden.

Für die private Nutzung von Dienstfahrrädern ist ebenfalls die Besteuerung nach der 1%-Regelung vorgesehen. Damit ist vom Listenneupreis des Fahrrads pro Monat 1 % als geldwerter Vorteil durch den Arbeitnehmer zu versteuern. Eine Versteuerung für Fahrten zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte entfällt jedoch.

Schließt der Arbeitgeber mit einem Dienstleister einen Rahmenvertrag ab, mit dem ein Leasingvertrag über die Fahrräder geschlossen wird, gelten weitere Regelungen bzgl. der lohnsteuerlichen Behandlung, die Sie im Werk "Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht" nachlesen können. Das Praxishandbuch überzeugt mit seiner übersichtlichen Aufteilung, anschaulichen Berechnungsbeispielen sowie Handlungsempfehlungen. 

Quelle:  "Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht"

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