Geschäftsführung und Management

Unternehmensbewertung - Teil 2: Firmenbewertung nach dem Bewertungsgesetz (BewG)

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Nachdem im ersten Teil die wichtigsten Methoden der Unternehmensbewertung vorgestellt wurden, beschäftigt sich der zweite Teil mit der ertragsteuerlichen Bewertung einer Firma, für die andere Regeln gelten. Dabei sind die Vorschriften des Bewertungsgesetzes (BewG) maßgeblich.

Das Bewertungsgesetz regelt, wie der sogenannte gemeine Wert für Anteile an Kapitalgesellschaften, die nicht an der Börse gehandelt werden, ermittelt wird. 

Stuttgarter Verfahren 

Mit dem Stuttgarter Verfahren wird der gemeine Wert eines Unternehmens gemäß § 11 Abs. 2 BewG geschätzt. Bei der Unternehmensbewertung nach dieser Methode bildet der Vermögenswert die Grundlage, wobei die Steuerbilanz der dargelegten Werte sowie der Ertragshundertsatz, der sich aus den durchschnittlichen Erträgen der zurückliegenden drei Jahre berechnet, zugrunde gelegt werden müssen. 

Mit der Einführung des Stuttgarter Verfahrens wurde der Versuch unternommen, einen Mittelweg zwischen dem Substanzwertverfahren und dem Ertragswertverfahren zu finden. Im Zuge der Reform des Bewertungsrechts zur Bewertung von Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaften 2009 hat sich schließlich das vereinfachte Bewertungsverfahren als gesetzlich geltendes Bewertungsverfahren durchgesetzt. 

Das vereinfachte Ertragswertverfahren: Berechnung des Jahresertrags

Wie auch dem Ertragswertverfahren liegt dem vereinfachten Ertragswertverfahren die Annahme zugrunde, dass sich der Wert des Unternehmens aus möglichen künftigen Gewinnen ergibt. Bei der Berechnung des Unternehmenswerts werden die Kapitalisierung des Jahresertrags sowie das nichtbetriebsnotwendige Vermögen berücksichtigt. 

Grundsatz der Berechnung

  • Der nachhaltig erzielbare Jahresertrag wird mit einem Kapitalisierungsfaktor multipliziert. 
  • Für die Berechnung des künftig zu erzielenden Jahresertrags werden die Ergebnisse der letzten drei Jahre zugrunde gelegt.  
    • Dabei zählt der Gewinn im Sinne des Einkommensteuergesetzes.
    • Dieser Gewinn wird durch Hinzurechnen bzw. Kürzen bestimmter Faktoren zum korrigierten Betriebsergebnis. 
  • Der nachhaltig erzielbare Jahresertrag ergibt sich aus dem Durchschnitt aus dem korrigierten Betriebsergebnis der letzten drei Wirtschaftsjahre. 
  • Nun wird der so ermittelte Jahresertrag mit dem Kapitalisierungsfaktor multipliziert. Daraus ergibt sich der Ertragswert des Unternehmens

Der Jahresertrag ist also – vereinfacht dargestellt – folgendermaßen zu berechnen: 

Unternehmensbewertung

Hinzugerechnet werden z. B. außerordentliche Aufwendungen, Investitionsabzugsbeträge oder Investitionszulagen, die im Gewinn nicht enthalten sind. Kürzungen werden vorgenommen in Bezug auf gewinnerhöhende Auflösungsbeträge steuerfreier Rücklagen sowie Teilwertzuschreibungen, Erträge aus der Erstattung von Ertragsteuern oder auf einen angemessenen Unternehmerlohn etc. 

Von dem durch Hinzurechnen und Kürzen korrigierten Ausgangswert wird eine fiktive Steuerbelastung von 30 % in Abzug gebracht. Der Wert, der so ermittelt wird, ist schließlich das korrigierte Betriebsergebnis

Mit dem korrigierten Betriebsergebnis lässt sich nun der Jahresertrag errechnen, indem der Durchschnitt des korrigierten Betriebsergebnisses der letzten drei Jahre zugrunde gelegt wird. 

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Unternehmensbewertung: Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors

Der Kapitalisierungsfaktor wird auf Grundlage des Kapitalisierungszinssatzes errechnet, der sich aus 

  • dem variablen Basiszinssatz für risikolose Anleihen und 
  • dem pauschalen Risikobetrag von 4,5 %

zusammensetzt. 

Nachdem das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in einem Schreiben vom 4. Januar 2016 den Basiszinssatz für das vereinfachte Ertragswertverfahren auf 1,10 % festgelegt hat, ergibt sich also ein Kapitalisierungszinssatz von 5,6 %. 

Der Kapitalisierungsfaktor wird dann folgendermaßen berechnet: 

 Kapitalisierungssatz 

Um ein Unternehmen richtig bewerten zu können, ist neben den Berechnungsmethoden die Kenntnis der zahlreichen Reformen, Richtlinien und gesetzlichen Neuerungen entscheidend. Um den aktuellsten Anforderungen und Entwicklungen in der Praxis gerecht zu werden, wird die von Experten entwickelte Software "Unternehmensbewertung direkt" stets aktualisiert. Einen Einblick in die  Softwarefunktionalitäten bekommen Sie in diesem Demo-Video.

Quelle: "Unternehmensbewertung direkt", Das GmbH-Recht 

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