Gesundheitswesen und Pflege

Das Statistische Bundesamt vermeldet für das Jahr 2016 Rekordzahlen bei der Altenpflegeausbildung. Entspannt sich die Situation auf dem Markt also? Nein, sagen Experten. Erfahren Sie, warum sie in diesem Rahmen die generalistische Ausbildung kritisieren und wie Hessen mit einem Modellprojekt noch mehr Auszubildende finden will.

Zahl der Auszubildenden ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen

Insgesamt haben im Herbst 2016 rund 63.200 Jugendliche eine Berufsausbildung in der Pflege begonnen. Die größte Gruppe davon bilden die Auszubildenden in der Altenpflege mit 24.130 jungen Personen. Die Zahl der Azubis in der Pflege ist damit in den Jahren 2006 bis 2016 um 43 Prozent gestiegen. Kann damit der seit Langem diskutierte Personalmangel in der Pflege gedeckt werden? 

Experten des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP) sowie vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) freuen sich über diese Rekordzahlen, Euphorie macht sich bei ihnen trotzdem nicht breit. Die Altenpflege bleibe der Mangelberuf Nummer 1, heißt es in einer Pressemitteilung des bpa. Das Statistische Bundesamt und die Bertelsmann-Stiftung prognostizieren folgende Zahlen: 

  • 2025 werden 200.000 Pflegekräfte,
  • 2030 werden 430.000 Kräfte fehlen.

Experten kritisieren generalistische Ausbildung in der Pflege 

Der AGVP schreibt den Erfolg insbesondere zwei Aspekten zu: Zum einen liege der Anstieg der Azubi-Zahlen an der zum Teil deutlich gestiegenen Ausbildungsvergütung. Und zum anderen daran, dass auch Hauptschüler die Chance haben, diesen Beruf zu erlernen. Die generalistische Ausbildung ist dem AGVP dagegen ein Dorn im Auge. 

Der Verband befürchtet, dass durch die Zusammenlegung der Ausbildungen in der Altenpflege, der Kranken- und Kinderkrankenpflege gerade die theoretischen Anforderungen so stark ansteigen werden, dass Hauptschüler an dieser Ausbildung scheitern. Dies hätte zur Folge, dass sie den Beruf künftig erst gar nicht erlernen wollen oder dass sie am Ende nur als Hilfskräfte arbeiten und wiederum als Fachkräfte fehlen. 

Bundesregierung reagiert auf Kritik 

Union und SPD haben nun auf diese Kritik reagiert und sich auf einen Kompromiss geeinigt: Damit weiterhin auch viele Hauptschüler die Möglichkeit haben, eine Pflegeausbildung zu absolvieren, sollen die theoretischen Anforderungen erheblich weniger angehoben werden, als bisher geplant. 

Hessen testet Modellprojekt zur Altenpflegeausbildung  

Hessen geht währenddessen einen ganz anderen Weg und startet das Projekt „Pflege in Hessen integriert“. Damit öffnet das Bundesland die Altenpflegeausbildung für Menschen ohne Bildungsabschluss. Diese Modellausbildung in der Altenpflege, die als gemeinsame Maßnahmen von Altenpflegeschulen und Berufsschulen umgesetzt wird, richtet sich an Abgänger der sog. InteA-Klassen, soll aber auch insbesondere jungen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive die Chance geben, diesen Beruf zu erlernen. 

Inhaltliche Grundlagen sowie aktuelle Standards zur Ausübung des Pflegeberufs, auf die die Auszubildenden immer wieder zurückgreifen können, enthält die Software „Pflege- und Expertenstandards auf CD-ROM“. (juse)

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Quellen: AGVP, bpa, Hessischer Landtag 

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