Gesundheitswesen und Pflege

Zum siebten Mal hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ein Gutachten über Behandlungsfehler vorgelegt, die im Jahr 2017 vermutet bzw. bestätigt wurden. Der Bericht zeigt, dass die Zahl der Begutachtungen erstmals seit 2012 leicht rückläufig ist. Weitere Ergebnisse und was unter einem Behandlungsfehler zu verstehen ist, zeigt der Beitrag.

Anzahl der vorgeworfenen Behandlungsfehler  

Jedes Jahr erhebt der MDK, der Patientinnen und Patienten bei der Klärung von Behandlungsfehlern unterstützt, Zahlen zu den angezeigten Behandlungsfehlern in Deutschland. So soll mehr Transparenz für dieses sensible Thema geschaffen und auf Grundlage der Ergebnisse die Sicherheit von Patienten verbessert werden.  

Im Jahr 2017 wurden 13.519 vermutete Behandlungsfehler beim MDK angezeigt. Das sind 1575 Fälle weniger als im Vorjahreszeitraum. In 3337 Fällen konnte ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden, bei denen Patientinnen und Patienten zu Schaden gekommen sind. In 75,3 % wurde der Vorwurf nicht bestätigt, weil entweder kein Fehler vorlag oder aber kein Schaden entstanden ist. 

„Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus: Wir sehen immer wieder die gleichen Fehler und zwar auch solche, die nie passieren dürften, weil sie gut zu vermeiden wären – vom im Körper vergessenen Tupfer bis hin zu Verwechslungen von Patienten und falschen Eingriffen“, sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. 

Vorwürfe verteilt auf Fachgebiete 

Die MDK-Fachärzte bestätigen am häufigsten Vorwürfe in der Pflege (49,8 %), in der Zahnmedizin (35,2 %) und der Frauenheilkunde (27 %). Die Anzahl aller Vorwürfe verteilt sich folgendermaßen: 

  • Orthopädie und Unfallchirurgie (31 %) 
  • Innere Medizin und Allgemeinmedizin (13 %)
  • Allgemeinchirurgie (9 %)
  • Zahnmedizin (8 %)
  • Frauenheilkunde (8 %)
  • Pflege (5 %)

Die Ersteller des Gutachtens betonen aber, dass eine hohe Zahl an Vorwürfen nichts über die Zahl der tatsächlichen Behandlungsfehler oder das besondere Risiko in einem Fachgebiet aussagen.  

Behandlungsfehler sollen wie Arbeitsunfälle erfasst werden

Statistisch gesehen hat die Zahl der vermuteten Behandlungsfehler erstmals seit 2012 wieder abgenommen, nachdem sie jahrelang gestiegen ist. Der MDK betont in seinem Gutachten jedoch an mehreren Stellen, dass die von ihm erhobenen Daten nicht repräsentativ sind, weil es in Deutschland keine Angaben bezüglich tatsächlicher Behandlungsfehler gibt.

Vielmehr würden wissenschaftliche Arbeiten nahelegen, dass die Anzahl der tatsächlich stattfindenden Fehler die Anzahl der daraus folgenden Vorwürfe um ein Vielfaches übersteigt. Die Verfasser des Gutachtens fordern deshalb, dass Behandlungsfehler ähnlich wie Arbeitsunfälle verpflichtend erfasst werden.

Dem schließt sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz an und fordert ein Zentralregister für Behandlungsfehler. Es soll Schluss damit sein, dass Krankenkassen, Ärztekammern und Gerichte Behandlungsfehler nebeneinander her sammeln. 

Behandlungsfehler: Definition

Ein Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn Ärzten, Krankenpflegern, Hebammen, Heilpraktikern oder Psychotherapeuten ein Fehler bei der medizinischen Versorgung unterläuft, indem die Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder zeitgerecht durchgeführt wird. Dies kann schon beim Patientengespräch passieren, wenn nicht richtig beraten wird, aber auch bei der Medikamentenvergabe oder während Operationen. Dabei liegt ein Behandlungsfehler immer dann vor, wenn die Behandlung nicht dem zum Zeitpunkt der Behandlung geltenden Stand der Medizin nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. 

Die Beweispflicht liegt beim Patienten. Aber Achtung: Liegt ein sog. grober Behandlungsfehler vor oder weist die Dokumentation Fehler auf, kann sich die Beweislast umkehren. Das Handbuch „Der neue Hausarzt-EBM“ gibt wertvolle Tipps, wie Fehler bei der Behandlungsdokumentation vermieden werden können und wann konkret die Beweislastumkehr greift. 

Organisationsfehler  

Passiert ein Fehler, weil das Personal nicht ausreichend qualifiziert für die Behandlung war oder die Abläufe im Krankenhaus schlecht aufeinander abgestimmt waren, liegt ein Organisationsfehler vor.  

Never Events 

Der Begriff Never Events beschreibt fehlerbedingte Schadensereignisse, die einerseits besonders folgenschwer sind und andererseits vermeidbar gewesen wären, wenn die bekannten Maßnahmen zur Förderung der Patientensicherheit eingesetzt worden wären. Tritt ein Never Event ein, kann dies nicht auf einen besonders gravierenden Fehler eines Einzelnen zurückgeführt werden. Vielmehr ist das Auftreten eines Never Events ein Indikator für einen systemischen Sicherheitsmangel bei der Versorgung vor Ort, was aufzeigt, dass die Prozesse verbessert werden sollten. (juse)

Quelle: MDK

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