Gesundheitswesen und Pflege

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stehen schon Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 zu

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Mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade haben mehr Versicherte Anspruch auf Zuschüsse zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Denn seit 2017 können solche Maßnahmen auch von Versicherten beantragt werden, die in den neuen Pflegegrad 1 eingestuft wurden, und denen diese Leistung bisher nicht zustand. Bei der Antragstellung kommt es jedoch oft zu Missverständnissen.

Zielsetzung von wohnumfeldverbessernden Maßnahmen 

Gemäß § 40 Abs. 4 Satz 1  SGB XI können Pflegekassen subsidiär finanzielle Zuschüsse gewähren, um das Wohnumfeld eines Pflegebedürftigen zu verbessern. Diese Maßnahmen müssen laut Gesetzgeber bestimmte Zielsetzungen erfüllen. Demnach müssen wohnumfeldverbessernde Maßnahmen das Ziel haben

  • häusliche Pflege überhaupt erst zu ermöglichen.
  • häusliche Pflege erheblich zu erleichtern. 
  • eine möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherzustellen. Im Extremfall kann es sogar dazu führen, dass die Installation einer wohnumfeldverbessernden Maßnahme die Verringerung des Pflegegrades bewirkt.  

Damit die Zuschüsse diesen gesetzlichen Zielsetzungen entsprechen, müssen Pflegekassen jeden Einzelfall prüfen. Diese Maßnahmen können zudem mit der Hilfsmittelversorgung seitens der Pflegekasse oder anderer Träger kombiniert werden. 

Hinweis: Sollen wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in einer Mietwohnung installiert werden, ist das Einverständnis des Vermieters unumgänglich. 

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Missverständnisse beim Antrag auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Versicherte sollten nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass die Pflegekasse den Zuschuss mit Sicherheit bewilligt. Es muss ein Antrag mit einem entsprechenden Kostenvoranschlag gestellt werden. Der Versicherte hat dabei einen Rechtsanspruch auf eine Pflegeberatung. Die Kosten dafür trägt die Pflegeversicherung. 

Wenn der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder ein von der Pflegekasse beauftragter Gutachter bei der Begutachtung der Wohneinheit eine entsprechende Empfehlung im Gutachten dokumentiert, ist diese Empfehlung mit einem Antrag gleichzusetzen. Selbiges gilt, wenn ein ambulanter Pflegedienst im Rahmen von Beratungseinsätzen eine Empfehlung im Protokoll dokumentiert. 

Je Maßnahme darf der Zuschuss einen Betrag in Höhe von 4000 Euro nicht übersteigen. Doch was genau ist unter dem Begriff "je Maßnahme" zu verstehen? Hier beginnen die Missverständnisse zwischen Antragssteller und Pflegekassen, die ein Experte anhand anschaulicher Beispiele im Werk "Praxishandbuch Pflegestärkungsgesetz" ausräumt. Das Werk hält zudem weitere detaillierte Informationen zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen bereit sowie alle Informationen zum SGB XI und zu den Pflegestärkungsgesetzen. 

Quelle: "Praxishandbuch Pflegestärkungsgesetz"

 

2 Kommentare

Tricks der Kassen

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie sollten auch ruhig auf "angewandte Tricks der Pflegekassen" aufmerksam machen.
Obwohl ich alle Abläufe (Antrag Pflegegrad - Antrag wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit dem Zusatz "bei Anerkennung eines Pflegegrades" mit Angebot der Sanitärfirma für barrierefreies Bad eingereicht habe, kam eine Ablehnung mit der Begründung: die Gutachterin hat im Gutachten nicht die Befürwortung ausgesprochen - und es würde sich bei mir lediglich um eine "Modernisierung" handeln, ohne Zusammenhang mit einen Beeinträchtigungen (habe den Pflegegrad 1 erhalten).
Mit freundlichen Grüßen
Kaufinger Barbara

Kaufinger Barbara - 16. November 2017

Antwort

Sehr geehrte Frau Kaufinger,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider können wir nicht nachvollziehen, inwieweit die Entscheidung des Gutachters gerechtfertigt war oder nicht.

Ihr Fall zeigt jedoch, wie stark Pflegekassen die Einschätzung durch einen Gutachter gewichten und dass Versicherte nicht grundsätzlich davon ausgehen können, dass Pflegekassen den Zuschuss mit Sicherheit bewilligen.

Beste Grüße

Redaktionsteam - 21. November 2017

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