Personal und Arbeitsrecht

Berufliche Bildung muss attraktiver werden

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Ein Fachgespräch des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung mit Experten u. a. von BDA, BIBB, DGB oder ZDH hat es diese Woche bestätigt: Die berufliche Bildung soll künftig (noch) attraktiver gestaltet werden – gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und, dass immer mehr junge Menschen einen möglichst hohen Bildungsabschluss anstreben.

Eine besondere Stärke des deutschen Systems der beruflichen Bildung liegt laut Deutschem Gewerkschaftbund (DGB) in der engen Koppelung von Arbeitsmarkt und Bildungssystem. Trotzdem gibt es hier drei wesentliche Baustellen.

Drei wesentliche Baustellen in der beruflichen Bildung

  • Es gibt ca. 1,2 Mio. junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss.
  • Die berufliche Bildung muss stärker in den Blick genommen werden: durch Investitionen in Gebäude, mit der Stärkung des Lehrernachwuchses (Stichwort: „Pakt für berufsbildende Schulen“) und z. B. auch dadurch, dass Gymnasiasten der Klassen 8 bis 10 ihre Laufbahn unterbrechen sollten, um dort eine Orientierung für ihre berufliche Zukunft zu erhalten.
  • Die Digitalisierung ist eine der zentralen Herausforderungen, die sich auch auf die Qualifizierung der betrieblichen Ausbilder niederschlagen muss.

Inzwischen gibt es einen harten Wettbewerb um junge, engagierte Leute. Mit dem Streben nach immer höheren Bildungsabschlüssen hat sich der Ausbildungsmarkt grundlegend verändert, was sich v. a. im Handwerk niederschlägt. Denn hier gibt es trotz eines leichten Anstiegs der Neuverträge seit Längerem Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen.

Viele Jugendliche müssen stärker gefördert werden 

Gerade Ausbildungsgänge, die harte körperliche Arbeit erfordern, werden immer weniger nachgefragt. Gründe werden u. a. in der Verschiebung in der Schulpolitik gesehen, bei der man sich mehr an einem akademischen Studium bzw. an höheren Abschlüssen als Ziel orientiert und wodurch auch die Zahl der Hauptschüler von 60 auf aktuell 40 % gesunken ist.

Zudem zeigen viele Jugendliche hohen Förderbedarf. Die assistierte Ausbildung bietet hier ein wertvolles Unterstützungsinstrument, aber auch regionale Projekte liefern bereits gute und innovative Ansätze.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA) sieht die berufliche Bildung in Deutschland „recht gut“ aufgestellt, wobei es aktuell v. a. Probleme beim Zusammenfinden von Angebot und Nachfrage (Matching) gibt.

Wichtig sei es aus ihrer Sicht, deutlich zu machen, dass auch berufliche Bildung höhere Abschlüsse, Einkommens- und Karrierechancen bereithalte, die mit denen der akademischen Bildung vergleichbar seien. Fortbildung gilt es als attraktive Aufstiegschance damit stärker bekannt zu machen.

Berufliche Ausbildung muss attraktiver werden

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) betont die notwendige Stärkung der Attraktivität der beruflichen Ausbildung, die sich durch Chancengleichheit und Zugang für alle auszeichnen muss. Er fordert u. a. festgeschriebene Qualitätsstandards für die Ausbildung und Rechtssicherheit in Sachen duales Studium, das aktuell „extrem intransparent“ sei. 

Auch die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat sich die Stärkung der beruflichen Bildung – wie viele andere Programme – auf ihre Fahnen geschrieben. Ziel der Bundesregierung und der Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften und der Länder ist es, mit der Allianz bis Ende 2018 die Bedeutung und Attraktivität der beruflichen Bildung aufzuwerten, die duale Berufsausbildung in Deutschland zu stärken und für die Gleichwertigkeit der betrieblichen und akademischen Ausbildung zu werben. 

Denn da die duale Berufsausbildung ein Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist, wird es ansonsten problematisch, wenn v. a. kleine und Kleinstbetriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen könnten und Ausbildung damit mittelfristig „wegfällt“. Bereits jetzt bilden nur noch 52 % der ausbildungsberechtigten Betriebe überhaupt noch aus.

Quellen: www.bundestag.de

 

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