COVID-19-Leitlinien des ERC ergänzen Reanimationsleitlinien 2015 – Handlungshilfe für Kitas und Schulen

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Die Reanimation eines Menschen, der einen Kreislaufzusammenbruch erleidet, ist eine der wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen, um ein Menschenleben zu retten. Die Mund-zu-Mund-Beatmung birgt in Zeiten von Corona jedoch ein zu hohes Infektionsrisiko. Um Laien und Ersthelfern zu zeigen, wie sie sich aktuell bei einem Kreislaufstillstand verhalten sollen, hat das European Resuscitation Council (ERC) seine Reanimationsleitlinien angepasst und als COVID-19-Leitlinien veröffentlicht. Wir haben die Leitlinie nach den Empfehlungen für Erzieher, Lehrer und Eltern gefiltert.

COVID-19-Leitlinien des ERC: Reanimation und Erste Hilfe zu Zeiten von Corona 

Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern aber auch unabhängige Personen können sich jederzeit in der Situation befinden, in der sie einem Kind Erste Hilfe leisten oder gar Reanimationsmaßnahmen durchführen müssen. Das erfordert schon im Normalfall ein sehr vorsichtiges und dennoch schnelles Handeln. In Zeiten von Corona steigen die Anforderung nochmals. Denn wie inzwischen bekannt ist, wird das Coronavirus über die Luft übertragen – eine Mund-zu-Mund-Beatmung oder die Herzdruckmassage stellen daher ein Infektionsrisiko dar. 

Wie sollen Ersthelfer also Hilfe leisten, ohne sich selbst zu gefährden? Das European Resuscitation Council (ERC) hat auf die aktuelle Situation reagiert und die Leitlinien zur Reanimation und Ersten Hilfe angepasst, die am 24.04.2020 veröffentlicht wurden. Diese COVID-19-Leitlinien des ERC fokussieren sich auf alle wesentlichen Bereiche der Wiederbelebung in Zeiten von Corona: 

  • Basismaßnahmen bei Erwachsenen
  • Erweiterte Maßnahmen bei Erwachsenen
  • Basismaßnahmen und erweiterte Maßnahmen bei Kindern
  • Versorgung und Reanimation des Neugeborenen
  • Ausbildung
  • Ethik und Entscheidungen am Lebensende 
  • Erste Hilfe 

Die COVID-19-Leitlinien des ERC richten sich an Laien, Ersthelfer, Leitstellen sowie das medizinische Personal. Die gesamte Ausgabe in Deutsch erhalten Betroffene kostenlos beim Deutschen Rat für Wiederbelebung. Wir fokussieren uns hier auf die Laien und Ersthelfer in Einrichtungen wie Kitas oder Schulen sowie Eltern. 

Reanimation am Kind während Corona-Pandemie leisten: Leitfaden für Erzieher, Lehrer und Eltern 

Auch wenn die COVID-19-Leitlinien des ERC auf der Annahme basieren, dass bei Herzdruckmassagen Aerosole (flüssige, schwebende Teilchen) erzeugt werden, die ein Infektionsrisiko darstellen, weist der ERC darauf hin, dass Ersthelfer primär eine Herzdruckmassage durchführen und die Atemspende als nachrangig betrachten sollen. 

Nur Personen, die das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 in Kauf nehmen, sollten zusätzlich zur Herzdruckmassage auch eine Mund-zu-Mund-Beatmung vornehmen. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer sind in der Regel eher bereit, das Risiko auf sich zu nehmen. Gerade Personen, die im selben Haushalt leben, wie das betroffene Kind, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit eh exponiert. Aber auch die betreuenden Personen sind dem Infektionsrisiko verstärkt ausgesetzt. Gänzlich fremde Personen werden sich jedoch hüten und die Leitlinien des ERC verstärkt beachten. 

Personen, die das Infektionsrisiko in Kauf nehmen, können im Grunde so vorgehen, wie vor der Corona-Pandemie. Schritt-für-Schritt-Anleitungen in verständlicher Sprache und grafisch aufbereitet, bietet dabei „Das Kinder-Notfallbuch zum Aushängen“. Dieses Notfallhandbuch wurde speziell für Kitas und Schulen entwickelt, eignet sich aber genauso für den häuslichen Gebrauch. Zusätzlich enthält es Hinweise zur Ersten Hilfe in Zeiten von Corona.

Vorgehen bei Kreislaufstillstand eines Kindes während Corona 

Um bei der Reanimation das Infektionsrisiko gering zu halten, empfiehlt das ERC folgendes Vorgehen: 

  1. Setzen Sie einen Notruf ab
    Stellen Sie das Telefon wenn möglich auf Lautsprecher, dann können sie nebenbei mit den lebenserhaltenden Maßnahmen beginnen. Achten Sie darauf, dass Sie eine Maske tragen. 
  2. Prüfen Sie, ob das Kind ansprechbar ist bzw. noch reagiert
    Sprechen Sie das Kind an oder rütteln Sie an ihm. Tragen Sie nach Möglichkeit Handschuhe, wenn Sie das Kind berühren. 
  3. Prüfen Sie, ob das Kind noch atmet
    Nähern Sie sich hierfür nicht dem Mund oder der Nase des Kindes, sondern schauen Sie, ob sich der Brustkorb bewegt. Optional können Sie auch eine Hand auf den Bauch legen. 
  4. Kreislaufstillstand festgestellt 
    Haben Sie den Kreislaufstillstand festgestellt, legen Sie eine Mundschutzmaske über Mund und Nase des Kindes. Von einem Tuch rät das ERC im Fall von Kindern ab. Haben Sie jedoch nur ein Tuch zur Hand, nehmen Sie lieber das, bevor Sie die Hilfeleistung unterlassen. Beginnen Sie anschließend mit der Herz-Lungen-Belebung, allerdings nur mit der Herzdruckmassage ohne Mund-zu-Mund-Beatmung. Diese Maßnahmen sollen nur die Personen ergreifen, die das Infektionsrisiko bewusst in Kauf nehmen. 
  5. AED verwenden
    Ist ein automatisierter externer Defibrillator (AED) vorhanden, sollen geschulte Ersthelfer ihn so bald wie möglich verwenden. 
  6. Nach der Reanimation 
    Haben die Rettungskräfte die Weiderbelebungsmaßnahmen übernommen, sollten Sie die Handschuhe und Ihre Mund-Nase-Maske entsorgen, Ihre Hände gründlich waschen und so bald wie möglich Ihre Kleidung wechseln. Außerdem sollten Sie überlegen, sich in Selbstisolation zu begeben. 

Verhalten bei Verschlucken 

Es ist anzunehmen, dass in der Regel Haushaltsmitglieder oder Betreuer anwesend sind, wenn sich ein Kind verschluckt. Deshalb rät das ERC in den COVID-19-Leitlinien in diesem Fall gemäß den bestehenden Leitlinien aus dem Jahr 2015 zu handeln. Ein paar Empfehlungen gibt es dennoch: 

  • Fordern Sie das Kind zum Husten auf und halten Sie dabei ausreichend Abstand. 
  • Setzen Sie dem Kind keinen Mund-Nase-Schutz auf. 
  • Setzen Sie rechtzeitig den Notruf ab, wenn Husten nicht wirkt.  

Während der Corona-Pandemie sollten Ersthelfer immer davon ausgehen, dass das Kind an COVID-19 erkrankt ist. Dieses Wissen sollte das weitere Vorgehen beeinflussen. So ist es nur ratsam, dass Ersthelfer in jedem Fall daran denken, eine Mund-Nase-Maske und wenn vorhanden Handschuhe tragen.  

Quelle: COVID-19-Leitlinien des European Resuscitation Council 

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