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Grippe in Kitas und Schulen: Lehrergewerkschaft und Kinderärzte sprechen von einem „Hygiene-Problem“

© ladysuzi - Fotolia.com

Die Lehrergewerkschaft GEW und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisieren den Hygiene-Mangel in vielen Bildungseinrichtungen. Anlass für die Kritik ist u. a. die aktuelle Grippewelle: Viele Schulbänke bleiben derzeit leer und in manchen Regionen Deutschlands schließen Kitas sogar ganz, weil Kinder und Betreuungspersonal krank sind.

Kitas bleiben wegen Grippe geschlossen

Im Norden Deutschlands hat die Grippewelle voll zugeschlagen: Nicht nur, dass in vielen Kitas erheblicher Mangel an Betreuungspersonal herrschte, weil Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher aufgrund von Grippe ausfielen, manche Kindertagesstätten blieben Anfang Februar sogar ganz geschlossen, wie das Hamburger Abendblatt berichtete.

Auch in Hessen häufen sich die Fälle von Influenza- und Norovirusinfektionen unter den Schulkindern. Die Frankfurter Rundschau zitiert den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Lehrergewerkschaft GEW, die sich einig sind, dass die Wucht, mit der die aktuelle Grippewelle Kitas und Schulen trifft, mit ausreichend Hygiene vermeidbar gewesen wäre. 

Grippe wird oft durch Kleinkinder verbreitet

Meistens beginnt die Grippewelle in den Kindergärten und verbreitet sich dann über Geschwister in die Grundschule oder weiterführende Schulen, wie Barbara Mühlfeld, Sprecherin der Kinderärzte, in der Frankfurter Rundschau sagt. Denn die Grippe ist eine Krankheit, die durch Tröpfchen übertragen wird. Der Kontakt zwischen kleinen Kindern untereinander, aber auch zwischen Kleinkind und Erzieherinnen und Erzieher sowie Geschwistern und Eltern ist zumeist noch enger als später im Schulklassenzimmer oder Grundschulalter.  

Zudem haben kleine Kinder noch zu wenig Wissen darüber, wie sie sich und andere vor Infektionen schützen können. Mühlfeld bemängelt, dass dieses Gesundheitswissen nicht nur bei den Kleinen oft fehle, sondern insgesamt abgenommen habe. Da gäbe es einen enormen Nachholbedarf bei Kitas, Schulen und Eltern. Ihrer Meinung nach könnte die Ansteckungsgefahr vermieden werden, wenn folgende Grundregeln beachtet werden würden: 

  • Husten und Niesen in die Ellenbeuge
  • stündlich Stoßlüften
  • regelmäßig Hände waschen
  • Taschentücher nur einmal benutzen

Wie Kita- und Schulleitungen die Infektionshygiene in ihrer Einrichtung effektiv organisieren, zeigt die Software „Hygienemanagement in Bildungseinrichtungen“. Sie enthält praktische Umsetzungshilfen, Checklisten und Unterweisungen, mit denen Leiterinnen und Leiter für eine ausreichende Hygiene in ihrer Einrichtung sorgen.

GEW: „Natürlich haben wir ein Hygiene-Problem“

GEW-Sprecherin Ilka Hoffmann, die ebenfalls in der Frankfurter Rundschau zu Wort kommt, bestätigt die Sprecherin der Kinderärzte. „Natürlich haben wir ein Hygiene-Problem“, sagt sie und sieht Zeitmangel als eine Ursache, warum Hygiene-Maßnahmen in Bildungseinrichtungen nur unzureichend umgesetzt werden: Lehrer würden zwischen den Unterrichtsstunden schnell in andere Klassenräume hetzen, wobei Maßnahmen wie Lüften schnell in den Hintergrund gerieten.  

Sie kritisiert zudem, dass das Thema Hygiene und Gesundheitswissen in der Lehrerausbildung kaum behandelt wird. An den Schulen gäbe es dann keine Weiterbildung oder feste Konzepte, die die Einhaltung der Hygienevorschriften regeln würden. 

Grippewelle: Eltern und Arbeitgeber werden in die Pflicht genommen   

In der Praxis kämpfen Eltern sowie Betreuungs- und Lehrpersonal mit einem zusätzlichen Problem: Oft würden die Eltern ihre Kinder krank oder zu früh nach einer Krankheit in die Kita oder Schule bringen, was weder der Genesung des Kindes noch dem Gesamtwohl der Kitagruppe oder Schulklasse dient. Vielen Eltern bleibt aber nichts anderes übrig, weil sie keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. 

Um den jährlich wiederkehrenden Ansteckungskreislauf zu durchbrechen, braucht es der Kinderärztin Mühlfeld zufolge nicht nur mehr Aufklärung Zuhause und in Bildungseinrichtung, sondern auch das Verständnis eines jeden Arbeitgebers. 

Quellen: Hamburger Abendblatt, Frankfurter Rundschau

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