Diesen Artikel als PDF beziehen?
Laden Sie kostenlos den Artikel herunter:
"Was ist Traumapädagogik? – Methoden und Definition"


Anmelden
* Pflichtfeld

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Wir erheben Ihre Daten gemäß Art. 6 Abs. 1 Buchst. b) und f) DSGVO zur ordnungsgemäßen Abwicklung unserer Geschäftsvorgänge sowie zur Mitteilung von Produktinformationen.

Wir informieren Sie regelmäßig über aktuelle, themenbezogene, kostenpflichtige Verlagsprodukte per E-Mail, Fax, Telefon oder Post. Sie können jederzeit der Verwendung Ihrer Daten für Werbezwecke zu den ortsüblichen Basistarifen widersprechen, indem Sie den Abmeldelink nutzen, der am Ende einer jeden E-Mail enthalten ist. Oder schreiben Sie eine E-Mail an service@forum-verlag.com.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung unter forum-verlag.com/datenschutz

Vielen Dank für Ihr Interesse !

Im nächsten Schritt erhalten Sie eine Bestätigungsmail an die angegebene E-Mail-Adresse. Hiermit wird geprüft, ob es sich um eine korrekte E-Mail-Adresse handelt.Um Ihnen die gewünschten Informationen zukommen lassen zu können, klicken Sie bitte jetzt den in der Bestätigungsmail enthaltenen Link.Falls die Bestätigungsmail Ihr Postfach nicht erreicht hat, kann es sein, dass diese irrtümlicherweise in Ihrem Spam-Ordner gelandet ist. Überprüfen Sie daher Ihren Spam-Ordner und Ihre Spam-Einstellungen.

Um Sie gezielter beraten zu können, würden wir uns freuen, wenn Sie uns folgende Informationen zukommen lassen. Alle Angaben sind freiwillig.

Um Ihre Daten abzusenden, sollte mindestens ein Feld befüllt sein. Vielen Dank

Was ist Traumapädagogik? – Methoden und Definition

© fizkes – stock.adobe.com

Traumatische Erfahrungen können unterschiedlichste Auswirkungen auf die Betroffenen haben, erfordern jedoch in jedem Fall besondere Zuwendung und pädagogische Unterstützung. Das beginnt bereits bei Kindern und Jugendlichen, die Opfer eines traumatischen Erlebnisses wurden und nun auf eine besondere Aufmerksamkeit und spezielle Förderung angewiesen sind – egal ob in der Kita, in der Schule oder in sozialen Einrichtungen. Mit welchen Methoden und Maßnahmen aus der Traumapädagogik lassen sich die Betroffenen bestmöglich unterstützen?

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition: Was ist Traumapädagogik?
  2. 5 Säulen der Traumapädagogik: Methoden
  3. Maßnahmen der Traumapädagogik

Definition: Was ist Traumapädagogik?

Traumapädagogik beschreibt, welche pädagogischen Ansätze Kindern und Jugendlichen (aber auch Erwachsenen) helfen können, mit einer traumatischen Erfahrung zurecht zu kommen. Ziel ist, die psychische Stabilität der Betroffenen zu fördern und wieder ein gesundes Maß der Selbstermächtigung zu erlangen. Oftmals erleben Trauma-Opfer einen extremen Kontrollverlust, der mithilfe der Traumapädagogik wieder ausgeglichen werden soll.

Gleichzeitig wird versucht, den Betroffenen einen sicheren Ort zu bieten, um die traumatischen Erfahrungen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Dieser sichere Ort ergibt sich aus der Zusammenarbeit von Kindern/Jugendlichen, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie anderen pädagogischen Fachkräften. Nicht zuletzt spielen auch die nahen Angehörigen oder andere Bezugspersonen der Betroffenen eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Traumapädagogik.

An dem sog. sicheren Ort sollen traumatisierte Menschen v. a. folgende Möglichkeiten erhalten:

  • Neue Erfahrungen sammeln.
  • Mit sich selbst auseinandersetzen und verstehen lernen.
  • Handlungsstrategien entwickeln.
  • Entwicklungshemmnisse aufholen.
  • Sichere Bindung zu anderen Personen aufbauen.

Wo wird Traumapädagogik angewendet?

Traumapädagogische Ansätze sollten in allen Bereichen genutzt werden, in denen Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene (psychologisch) betreut werden. Hierzu gehören nicht nur Jugendämter, Flüchtlingsunterkünfte oder psychiatrische Einrichtungen. Da bereits im Kleinkindalter traumatischer Erfahrungen gemacht werden können, stehen auch Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Kitas in der Verantwortung, entsprechende Konzepte zu entwickeln.

Kinder, denen Traumatisierendes widerfahren ist, weisen häufig Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten auf. Daher können Pädagoginnen und Pädagogen den Betroffenen bestmöglich helfen, indem sie entsprechende Methoden anwenden. Passende Beobachtungsbögen und fertige Textbausteine bietet die Software „Besondere Kinder“. Die darin beschriebenen Übungen ermöglichen es pädagogischen Fachkräften, den Förderbedarf verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher zu bestimmen und sie anschließend bestmöglich zu fördern.

Welche Maßnahmen speziell in Schulen umgesetzt werden können, zeigt das Praxishandbuch „Schulsozialarbeit“. Mit praktischen Tipps und Checklisten können Schulleitungen und Lehrkräfte die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit in alle Bereiche des Schullebens integrieren. So lassen sich auch die Methoden der Traumapädagogik in der Schule umsetzen.

Um die weiteren Grundsätze der Traumapädagogik verstehen zu können, sollte zunächst der Begriff „Trauma“ definiert werden.

Was ist ein Trauma? –  Definition und Symptome

Traumapaedagogik-Methoden-Definition-Forum-Verlag-Herkert-GmbH
Generell kann jeder Mensch ein Trauma erleiden, unabhängig vom Alter. In jedem Fall sind besondere Maßnahmen der Traumapädagogik erforderlich, um die Opfer bei der Bewältigung zu unterstützen. (Bild: © pololia – stock.adobe.com)

Ein Trauma wird i. d. R. durch ein belastendes Ereignis oder eine Situation ausgelöst, die eine außergewöhnliche Bedrohung darstellt. Kann die Person weder aus der Situation fliehen, noch sie akzeptieren oder anderweitig selbst bewältigen, wird von einem Trauma per Definition gesprochen. Dabei ist es auch möglich, ein Trauma zu entwickeln, ohne dass objektiv eine existenzielle Bedrohung vorhanden ist.

Generell können Traumata sowohl durch kurzlebige Ereignisse als auch durch langanhaltende, belastende Umstände entstehen. Typische Ursachen sind z. B. Vernachlässigung, Verwahrlosung oder Gewalt. Häufig ergeben sich die Ursachen für Traumata bereits in der Kindheit oder Jugend. Daher ist die Traumapädagogik nicht nur für die Betreuung von Erwachsenen wichtig, sondern auch in Kita und Schule.

Traumatisierte Menschen fühlen sich oft hilf- und schutzlos, zudem ist ihr Selbst- und Wertverständnis meist langfristig beschädigt. Damit einhergehende Symptome können sich jedoch je nach Alter der Betroffenen unterscheiden. Besonders bei Kindern lassen sich die Anzeichen meist weniger eindeutig auf ein Trauma zurückführen als bei Erwachsenen.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede.

Symptome bei Kindern Symptome bei Erwachsenen
  • bei Kleinkindern:
    • Affektstörung
    • Störungen des Ess-, Schlaf- und Sozialverhaltens
  • ab dem Kindergartenalter:
    • allgemein unruhiges Verhalten
    • sozialer Rückzug
    • Ängste, Depression
    • übertriebene Schreckreaktion und Wachsamkeit
    • erhöhtes Kontrollbedürfnis
    • verstärktes Misstrauen anderen Menschen gegenüber
    • Konzentrationsschwierigkeiten
    • Verschlechterung oder Verlust bereits erlernter Fähigkeiten (z. B. Sprache, Kontinenz)
    • emotionale Unausgeglichenheit, Wutausbrüche
  • Immer wiederkehrendes Durchleben des Traumas, z. B. in Erinnerungen oder Träumen
  • Andauerndes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Kälte
  • Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Demotivation
  • Übermäßige Schreckhaftigkeit
  • Schlaflosigkeit

Wird ein Trauma nicht behandelt, können die Betroffenen posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen, Psychosen oder andere Störungen entwickeln. Daher ist es wichtig, dass sich pädagogische Fachkräfte mit den Grundzügen der Traumapädagogik auseinandersetzen.

5 Säulen der Traumapädagogik: Methoden

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik definiert in einem Positionspapier Standards für traumapädagogische Konzepte in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Dort werden u. a. fünf Säulen der Traumapädagogik genannt. Sie beschreiben grundlegende Methoden, die Fachkräfte in der Traumapädagogik beachten sollten und die für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem traumatisierten Kind erforderlich sind. Sie gelten jedoch nicht nur für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch für Schulen, therapeutische Zentren sowie Kinder- und Jugendpsychiatrien.

I. Annahme des guten Grundes

Oft reagieren Mitmenschen von traumatisierten Kindern oder Jugendlichen mit Unverständnis auf bestimmte Verhaltensweisen. Dabei wurde dieses Verhalten aus Sicht der Betroffenen meist erst aufgrund des Traumas notwendig. Sie verfolgen i. d. R. keine böse Absicht dahinter, sondern versuchen mit ihren angelernten Methoden mit dem Trauma zurecht zu kommen.

Entsprechend sollten Pädagoginnen und Pädagogen den Betroffenen kein boshaftes Verhalten unterstellen, sondern davon ausgehen, dass sie sich „aus gutem Grund“ so verhalten.

II. Wertschätzung

Sobald klar ist, dass es einen Grund für das Verhalten der traumatisierten Personen gibt, sollten die pädagogischen Fachkräfte den Betroffenen gegenüber Würdigung und Wertschätzung an den Tag legen.

Viele Opfer von Traumata sehen keinen Sinn oder Wert in sich und ihrem Handeln, wenn sie aufgrund ihres Traumas immer wieder Hilflosigkeit und Einsamkeit erleben. Daher müssen Pädagoginnen und Pädagogen hier entgegensteuern und dafür sorgen, dass die Betroffenen ihr Leben und ihre Taten wieder als wertvoll erleben.

Insgesamt soll wieder ein positives Selbstbild entstehen sowie das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Betroffenen gestärkt werden.

III. Partizipation

Bei den meisten Traumata erleiden die Opfer einen extremen Kontrollverlust. Gleichzeitig ist es für die seelische Gesundheit eines Menschen entscheidend, dass er seine eigenen Lebensbedingungen aktiv bestimmen kann.

Aus diesem Grund ist es wichtig, den Betroffenen in der Traumapädagogik die Möglichkeit zu geben, ihr Leben mitzubestimmen. Das beginnt bereits bei kleinen Dingen wie z. B. der Frage, was die Person essen will. In jedem Fall sollten die getroffenen Maßnahmen dem jeweiligen Entwicklungsstand der traumatisierten Person entsprechen.

IV. Transparenz

In vielen Traumata mussten die Betroffenen Macht und Hierarchie als etwas Missbräuchliches erleben. Deshalb ist es umso wichtiger, einen transparenten Umgang mit Hierarchien und Strukturen zu vermitteln.

Gibt es entsprechende Erklärungsansätze, die das Verhalten der Kinder und Jugendlichen positiv deuten, entwickeln sie ein Verständnis dafür, dass gewisse hierarchische Strukturen auch als etwas Positives gelten können. Die dazugehörige Transparenz schafft Vertrauen und hilft bei der Traumabewältigung.

V. Spaß und Freude

Traumata lösen negative Gefühle wie Angst, Scham, Trauer oder Wut aus. Da auch das Stresslevel erhöht ist, wird vermehr Adrenalin ausgeschüttet. Um dem entgegen zu wirken, müssen verstärkt positive Emotionen wie Freunde und Spaß gefördert werden.

So ist es nicht nur möglich, den Ausstoß von Serotonin zu fördern. Es lässt sich auch die Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit der Betroffenen ins Gleichgewicht bringen.

Mit welchen Methoden sich diese grundlegenden Prinzipien der Traumapädagogik in der Praxis umsetzen lassen, zeigt der folgende Abschnitt.

Maßnahmen der Traumapädagogik

Generell müssen Pädagoginnen und Pädagogen aus allen sozialen Einrichtungen eine wertschätzende und verstehende Haltung den Betroffenen gegenüber einnehmen. Traumatisierte Menschen benötigen besonderen Förder- und Unterstützungsbedarf. Daher ist es wichtig, das traumapädagosiche Konzept nach ihren Bedürfnissen hin auszurichten. Zudem ist eine interdisziplinäre Vernetzung zwischen den verschiedenen Einrichtungen sinnvoll, um den Betroffenen eine möglichst ganzheitliche Betreuung zu ermöglichen.

Welche beispielhaften Maßnahmen verschiedene Anlaufstellen in ihrem Konzept einbauen sollten, zeigt die nachfolgende Übersicht.

Institution Maßnahmen
Schule
  • Gemeinsame Wissensbasis erstellen, um die Auswirkungen von Traumata hinsichtlich Lernverhalten und Lernkompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu verstehen.
  • Ein individuelles schulisches Anforderungsprofil erstellen.
  • Das Unterrichts- und Schulklima als sicheren Ort gestalten, in welchem Wertschätzung, Verständnis und Transparenz herrschen.
Jugendamt
  • Eine Vertrauensperson für die traumatisierten Kinder bzw. die Jugendlichen zur Verfügung stellen, der als dessen Anwalt fungiert. (Ombudsmann/-frau.)
  • Bei Hilfen für traumatisierte Kinder eine Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII einrichten.
  • Die Betroffenen bei der traumasensiblen Hilfeplanung feinfühlig miteinbeziehen.
Therapie
  • Die Kinder bzw. die Jugendlichen an der Therapieauswahl beteiligen.
  • Regelmäßiger Austausch der pädagogischen Fachkräfte, etwa durch gemeinsame Fallbesprechungen oder Evaluation.
  • Feste Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten hinsichtlich ihrer Traumakenntnisse.

Diese Maßnahmen lassen sich in traumapädagogische Konzepte einbinden, sind jedoch nicht eng festgelegt, sondern müssen von den Pädagoginnen und Pädagogen stetig weiterentwickelt werden. Traumapädagogik versteht sich als kontinuierlicher Prozess, für den alle Beteiligten Verantwortung tragen. Daher sollten sich soziale Einrichtungen wie Kinder- und Jugendhilfen, aber auch Kitas und Schulen regelmäßig mit ihrem traumapädagogischen Konzept auseinandersetzen. 

Passende Denkanstöße und Ideen zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsverzögerungen bietet die Software „Besondere Kinder“. Weitere Anleitungen und Hinweise für Schulen enthält das Praxishandbuch „Schulsozialarbeit“.

Quellen: „Schulsozialarbeit“, Institut Trauma und PädagogikFachverband Traumapädagogik e.V.

Sie wollen mehr Fachwissen, Praxistipps und kostenlose Arbeitshilfen zum Bereich Bildung, Erziehung und Soziales erhalten? Dann melden Sie sich gleich zu unserem kostenlosen Fach-Newsletter an!

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.