Zweischaliges Mauerwerk: Aufbau und Vorteile eines Verblendmauerwerks aus Kalksandstein

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Das zweischalige Mauerwerk ist gerade bei Häusern, die in stürmischen Regionen gebaut werden, weit verbreitet, weil sie stark witterungsresistent sind. Aufgrund der positiven schallschutztechnischen Eigenschaften werden Häuser mit zweischaligem Mauerwerk aber auch für dicht besiedelte Regionen immer attraktiver. Das Mauerwerk aus Kalkstein (KS-Mauerwerk) bringt dabei mehrere Vorteile mit sich.

Zweischaliges Mauerwerk: Aufbau 

Das zweischalige Mauerwerk, das oft auch als „Verblendmauerwerk“ bezeichnet wird, besteht aus zwei massiven Mauerschalen (Innenschale und Außenschale) und einem Zwischenraum, der in der Regel mit Dämmstoff gefüllt ist. Die einzelnen Bauteilschichten übernehmen dabei unterschiedliche Funktionen: 

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von zweischaligem Mauerwerk unterschieden:

  1. zweischaliges Mauerwerk ohne Wärmedämmung im Schalenzwischenraum
  2. zweischaliges Mauerwerk mit Wärmedämmung im Schalenzwischenraum

Die erste Variante kommt dann zum Einsatz, wenn die Hintermauer bereits einen hohen Wärmeschutz aufweist. Wird jedoch eine Hintermauer aus Kalkstein oder Beton verbaut, muss der Zwischenraum zwingend mit einer Wärmedämmung gefüllt sein. Kommen Bauherren dem nicht nach, erfüllt das Gebäude nicht die energetischen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV).   

Die Wärmedämmung kann beim zweischaligen Mauerwerk entweder durch eine Kerndämmung (komplette Ausfüllung des Zwischenraums mit Dämmstoff) oder durch eine feuchteausgleichende Luftschicht (Dämmung wird an Hintermauer angebracht und eine Luftschicht zwischen Dämmung und Vormauer gelassen) realisiert werden. Die Kerndämmung hat sich in Deutschland inzwischen zum Standard entwickelt. 

Für das zweischalige KS-Mauerwerk mit Dämmung, das sich besonders bei beheizten Gebäuden empfiehlt, ergeben sich so folgende Varianten: 

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Quelle: Peter Frese, Bundesverband Kalksteinindustrie e. V.

Hinweis: Bei Gebäuden die keinen oder einen sehr niedrigen Bedarf an den Wärmeschutz aufweisen, ist der Bau eines KS-Mauerwerks ohne Wärmedämmung unbedenklich. 

Tragende Hintermauer eines zweischaligen Mauerwerks

Die tragende Innenschale, die die statische Funktion übernimmt, muss mindestens 115 mm dick sein. Die Bemessung erfolgt dabei nach DIN EN 1996-1-1/NA „Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-1: Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk“ oder DIN EN 1996-3/NA „Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 3: Vereinfachte Berechnungsmethoden für unbewehrte Mauerwerksbauten“.

Die Hintermauer und die Vormauer eines zweischaligen Mauerwerks sind durch Drahtanker aus nicht rostendem Stahl zu verbinden. Pro Quadratmeter Mauer sind mindestens sieben Drahtanker vorgeschrieben. Normative Grundlage für die Verankerung ist die DIN EN 1996-2/NA „Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 3: Vereinfachte Berechnungsmethoden für unbewehrte Mauerwerksbauten“.

Zwischenraum und Wärmedämmung 

Werden Drahtanker verwendet, darf der Abstand zwischen Hintermauer und Vormauer eines zweischaligen Mauerwerks maximal 150 mm betragen. Es gibt aber auch bauaufsichtlich zugelassene Drahtanker, die Abstände bis zu 250 mm zulassen. Hintergrund ist, dass dickere Dämmmaterialien heutzutage eher die Regel sind. 

Die Wärmedämmung wird an die Hintermauer aus Kalksandstein oder Beton aufgebracht und mit Klemmscheiben an den Drahtankern fixiert. Ist eine Luftschicht vorhanden, darf diese nicht durch Mörtelrückstände oder andere Unebenheiten eingeschränkt werden. Als Dämmstoffe in Plattenform eigenen sich Mineralwolle, Steinwolle, Polystyrol oder Polyurethan, die wasserabweisend sind. Zur Kerndämmung eignen sich alternativ auch Schüttungen wie Perlite. 

Handelt es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine energetische Sanierung eines Gebäudes, kommt außerdem eine Einblasdämmung aus Mineralfasern, Polystyrol oder Perlite infrage.  

Vormauer eines zweischaligen Mauerwerks

Die Vormauer schützt die Hintermauer vor Witterung und ist zugleich ein Gestaltungselement. Sie kann entweder aus frostwiderstandsfähigen Materialien wie z. B. frostwiderstandsfähigen Kalkstein-Verblendern oder Ziegelbaustoffen wie Klinkern bestehen oder als verputzte Vormauerschale ausgeführt werden. Die nichttragende Vormauerschale sollte eine Mindestdicke von 90 mm aufweisen.

Für den Putz eignet sich besonders Leichtputzmörtel nach DIN EN 998-1 „Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau - Teil 1: Putzmörtel“ bzw. DIN V 18550 „Putz und Putzsysteme - Ausführung“. Entwässerungsöffnungen sind dann nicht mehr notwendig. 

Weitere Details zur Planung von zweischaligem Mauerwerk   

Die Planung eines zweischaligen Mauerwerks erfordert jedoch weitere detaillierte Planung z. B. hinsichtlich horizontaler und vertikaler Dehnungsfugen, Sockelausbildung oder Fußpunktausbildung. Hierfür steht Architekten, Ingenieuren und Bauausführenden das „KALKSANDSTEIN - Planungshandbuch“ zur Verfügung.   

Vorteile eines zweischaligen Mauerwerks aus Kalksandstein 

Zweischalige Mauerwerke aus Kalksandstein erfüllen besonders gut die Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Wärmeschutz und weisen zudem eine hohe Tragfähigkeit auf.  

  • Brandschutz: Kalksandstein gilt als feuerbeständig und ist in die sicherste Brandverhaltensklasse (A1) eingestuft. Das zweischalige KS-Mauerwerk in Verbindung mit nicht brennbaren Dämmstoffen weist demnach eine sehr gute brandschutztechnische Eigenschaft auf. 
  • Schallschutz: Massive, homogen aufgebaute Hinter- und Vormauern aus Kalksandstein in Verbindung mit einer Dämmung aus Mineralwolle bieten einen optimalen Schallschutz gegen Außenlärm. Gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau sind jedoch auch flankierende Innenwände und Decken planerisch zu berücksichtigen. Hierfür ist die Schallschutznorm DIN 4109 anzuwenden. 
  • Wärmeschutz: Eine funktionsgetrennte Kalkstein-Außenwandkonstruktion bietet ausreichen Flexibilität bei der Auswahl des Dämmstoffs. Dadurch ist jeder gewünschte Energiestandard realisierbar. Mögliche Kombinationen von Dämmstoffdicken mit den jeweiligen U-Werten sind in der Februar-Ausgabe des Fachmagazins „QUARTIER“ aufgeführt. Das Magazin informiert über professionelles und kostengünstiges Bauen.
  • Feuchte- und Witterungsschutz: Werden kritische Wärmebrücken vermieden, kann beim zweischaligen Mauerwerk aus Kalkstein mit Wärmedämmung auf einen dampfdiffusionstechnischen Nachweis verzichtet werden. Mit einer dampfdiffusionsoffenen und hydrophobierenden Beschichtung kann der Schutz gegen Schlagregen zudem verstärkt werden. Wird eine verputzte Vorsatzschale aus KS-Mauerwerk verbaut, ist der Schlagregenschutz durch das Putzsystem gewährleistet. 
  • Standsicherheit: Kalksandsteine weisen eine hohe Druckfestigkeit auf, weshalb sie sich gut für die tragende Hintermauer eignen. 

Weiterer Vorteil: Die breite Produktpalette bei Kalksandsteinen bietet alle gängigen Mauersteinformate, Sonderprodukte sowie wirtschaftliche Bausysteme für funktionale Mauerwerkskonstruktionen. Einzig für Bauherren, die großen Wert auf Farb- und Designvielfalt legen, könnte eine Vormauer aus dem Baustoff Ziegel interessanter sein. Diese gibt es in unterschiedlicher Farbgebung, Kalkstein ist dagegen immer weiß. 

Quellen: „QUARTIER“ (Ausgabe: Februar 2020), baustoffwissen.de 

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