Gefährdungsbeurteilung Schule während Corona-Krise

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Die Corona-Pandemie sorgt noch immer für Einschränkungen im Schulalltag. Nach den Schulschließungen in den vergangenen Monaten öffnen die Schulen mit Ende der Sommerferien wieder, um allmählich zum Regelbetrieb zurückzufinden. Trotz des erhöhten Infektionsrisikos müssen die Schulleiter den Arbeits- und Infektionsschutz aller am Schulleben beteiligten Personen gewährleisten. Dafür haben die Schulleiter Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und die für den Schulstart 2020/2021 veröffentlichten Anforderungen an den Arbeits- und Infektionsschutz zu berücksichtigen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gefährdungsbeurteilung Schule ist Pflicht
  2. DGUV: SARS-CoV-2 Schutzstandard für Schulen
  3. Grundlagen zur Gefährdungsbeurteilung an Schulen

Gefährdungsbeurteilung Schule ist Pflicht 

Die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen an Schulen ist gerade in der Corona-Pandemie wichtig, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, müssen Schulen anhand einer entsprechenden Gefährdungsbeurteilung ihre Risiken beurteilen und darauf basierend alle notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen treffen.

Nach DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ ist es die Pflicht der Schulträger, dass die Schulleitungen als ausführende Instanzen in ihrem Zuständigkeitsbereich Gefährdungsbeurteilungen für alle zur Schule gehörigen Personen (Schülerinnen und Schüler, Schulpersonal sowie Ehrenamtliche) durchführen. Auch § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) schreibt den Schulleitungen im Auftrag der Landesregierungen die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen an Schulen, speziell für die Arbeitsplätze der Lehrkräfte, vor.

Hinzu kommt die Aufsichtspflicht der Schulen, die den Schutz von in der Schule tätigen Personen und Dritten in und außerhalb der Schule vor körperlichen und materiellen Schäden umfasst. Dazu zählt auch der Infektionsschutz

Neben dem Corona-Virus gibt es aber auch zahlreiche andere Gefährdungen in Schulen, welche die Schulleitungen immer wieder neu bewerten und ggf. entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen. Dabei unterstützt sie das „Sicherheitshandbuch für Bildungseinrichtungen“ mit übersichtlichen Checklisten, aktuellen Vorlagen und Arbeitshilfen zum sofortigen Einsatz im Schulalltag.

DGUV: SARS-CoV-2 Schutzstandard für Schulen

Mit den Schulöffnungen zu Beginn des neuen Schuljahres 2020/2021 sind alle am Schulleben Beteiligten einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, da sich viele Menschen gemeinsam auf engem Raum aufhalten. Diese Problematik ist bei den Gefährdungsbeurteilungen für Schulen zu berücksichtigen.

Aufgrund dieses erhöhten Infektionsrisikos hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) am 12.06.2020 den „SARS-CoV-2 Schutzstandard für Schulen“ und am 02.07.2020 „SARS-CoV-2 - Ergänzende Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung in Schulen“ veröffentlicht.  Beide Publikationen beschreiben ein Maßnahmenpaket, in welchem die DGUV verschiedene Schutzmaßnahmen für unterschiedliche Schulbetriebsformen empfiehlt. Die Schulbetriebsformen ergeben sich daraus, wie schnell und stark die Infektionszahlen in einer Region steigen. So entsteht folgende Unterteilung:

  • Notbetreuung (hohes regionales Infektionsgeschehen)
  • eingeschränkter Betrieb (mittleres regionales Infektionsgeschehen)
  • Regelbetrieb (geringes regionales Infektionsgeschehen)

Je nach Schulbetriebsform und Infektionsgeschehen empfiehlt die DGUV den Schulen verschiedene Schutzmaßnahmen und gibt weitere Hinweise zu einzelnen Maßnahmen.

Allgemein behandeln der SARS-CoV-2 Schutzstandard und die SARS-CoV-2 - Empfehlungen für Schulen folgende Punkte:

Art der Maßnahmen Geltungsbereich Beispiele für Maßnahmen
generelle Maßnahmen allgemeiner Schulbetrieb
  • Gefährdungsbeurteilungen durchführen bzw. aktualisieren.
  • Hygienepläne erstellen bzw. anpassen.
  • Krisenstab zur Koordination und Kontrolle der Infektionsschutzmaßnahmen einrichten.
technische Maßnahmen     schulische Lern-, Lehr- und Arbeitsplätze
  • Mindestabstand von 1,5 m einhalten.
  • Verkehrswege auf dem Schulgelände kennzeichnen.
Sanitärräume, Mensa, Pausenbereiche
  • Waschgelegenheiten einrichten.
  • Transparente Abtrennungen zum Schutz bei der Essensausgabe anbringen.
Lüftung
  • Unterrichts- und Arbeitsräume regelmäßig lüften, mindestens nach jeder Schulstunde stoßlüften.
Lernen/Arbeiten am häuslichen Lern-/Arbeitsplatz
  •  Empfehlungen zur Nutzung des Homeoffice beachten.
Konferenzen und Dienstbesprechungen 
  • Mindestabstand von 1,5 m einhalten.
  • Digitaler Medien zum Austausch nutzen.
organisatorische Maßnahmen       Organisation des Schulbetriebs 
  • Mindestabstandsregelungen durchsetzen.
  • Personaleinsatz planen.
  • Konzepte zur Händehygiene und Hautpflege entwickeln.
Lehr- und Lernmittel
  • Lehr- und Lernmittel nur personenbezogen nutzen. 

Unterrichts- und Pausengestaltung

  • Zeitversetzte Unterrichts- und Pausenzeiten festlegen, ggf. auch räumlich entzerren.
  • Anzahl erlaubter Personen begrenzen, die gleichzeitig den selben Bereich nutzen.

schulfremde Personen

  • Aufenthalt von externen Personen in der Schule minimieren.
  • Kontaktdaten und Besuchszeiten von Externen dokumentieren.
Organisation des Schulwegs
  • Absprache mit Beförderungsunternehmen für sichere Schülerinnen- und Schülerbeförderung.
  • Im Wartebereich der Schülerbeförderung auf Einhaltung des Mindestabstandes achten.
psychische Belastung durch Corona minimieren
Handlungsanweisungen bei Verdachtsfällen
  • Schulspezifische Regeln wie ein Betretungsverbot für symptomatische Personen festlegen.
personenbezogene Maßnahmen   Mund-Nase-Bedeckung (MNB) und Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Beschäftige tragen eine MNB, wenn der Mindestabstand zu Schülerinnen und Schülern oder Externen nicht eingehalten werden kann. 
  • Schülerinnen und Schüler tragen eine MNB, wenn der Mindestabstand im Kontakt untereinander nicht eingehalten werden kann.
  • PSA zur Verfügung stellen.
Unterweisung und aktive Kommunikation
  • Unterweisungen zu Infektionsschutzmaßnahmen und zur Prävention in der Schule.
  • Informieren über bestehende Hygieneregeln.
arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gefährdeter Personen
  • Angebote zur arbeitsmedizinischen Vorsorge für die Beschäftigten einrichten.
  • In Zusammenarbeit mit Betriebsärztinnen und -ärzten spezielle vorbeugende Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Personen festlegen.

Neben den empfohlenen Schutzmaßnahmen für die verschiedenen Schulbetriebsformen gelten einige generelle Angaben, die die Schulen unabhängig von ihrer derzeitigen Betriebsform befolgen sollten, wie etwa

  • das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen, wenn der vorgegebene Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann,
  • ein Betretungsverbot des Schulgeländes für Personen mit Symptomen einer SARS-CoV-2 Infektion,
  • Auskunft und Dokumentation der Eltern, dass sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch alle anderen Haushaltsmitglieder symptomfrei sind oder
  • die Möglichkeiten einzurichten, Beschäftigte auf SARS-CoV-2 zu testen.

Schutzstandard für Schulen basiert auf dem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

Im SARS-CoV-2 Schutzstandard für Schulen sind Empfehlungen zur Verbesserung des Infektionsschutzes in Schulen enthalten. Diese konkretisieren den „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 16.04.2020. Darin definiert das BMAS allgemeine Schutzmaßnahmen für den Arbeitsalltag, die Infektionsketten unterbrechen und die Gesundheit der Beschäftigten schützen sollen. Dort sind die Maßnahmen wie bei Gefährdungsbeurteilungen üblich in folgende Bereiche unterteilt:

  • technische Maßnahmen
  • organisatorische Maßnahmen
  • besondere personenbezogene Maßnahmen

Ausführlichere Informationen zum SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard zeigt der Beitrag „Arbeitsschutz wegen SARS-CoV-2 angepasst: BMAS definiert neue Standards für Betriebe und Dienststellen“.

Grundlagen zur Gefährdungsbeurteilung an Schulen

Neben den inhaltlichen Empfehlungen der DGUV sind für Schulen auch die allgemeingültigen gesetzlichen Vorgaben zu Gefährdungsbeurteilungen relevant. Die Gesetzgebung regelt Gefährdungsbeurteilungen im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Darin sind Maßnahmen zum Arbeitsschutz sowie zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes von Beschäftigten bei der Arbeit festgelegt.

Mit einer Gefährdungsbeurteilung können Schulen nach § 5 ArbSchG Gefährdungen erkennen, analysieren und herausfinden, welche Maßnahmen für den Schutz der Beschäftigten sowie der Schülerinnen und Schüler erforderlich sind. Außerdem können sie mit einer Gefährdungsbeurteilung bereits umgesetzte Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit prüfen. 

Gerade in der Corona-Pandemie ist es wichtig, dass die getroffenen Maßnahmen effektiv sind, da kurz- oder mittelfristig die Gefahr durch COVID-19 weiter erhalten bleiben wird und nur mit Einhalten der empfohlenen Maßnahmen der Schutz der Bevölkerung in Deutschland gewährleistet werden kann.

Allgemeine Beispiele von Gefährdungen an Schulen

Außer Infektionsschutzrisiken gibt es in Schulen noch andere Gefährdungsfaktoren, die unabhängig von der Corona-Krise in Schulen auftreten und bei einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind, wie z. B.:

  • Rutschgefahr auf dem Schulgelände bei Nässe oder Schnee
  • Absturzgefahr bei der Arbeit auf Leitern von z. B. Hausmeistern
  • Nutzung von Gefahrstoffen im Naturwissenschaftsunterricht
  • Ausstattung von Sanitär- und Erste-Hilfe-Räumen in den Schulen
  • ausreichende Beleuchtung aller Räumlichkeiten des Schulgeländes
  • verbale, psychische oder physische Übergriffe zwischen Schülerinnen und Schülern und/oder Lehrkräften

 Auch diese Gefährdungsfaktoren sind für den Schutz und die Gesundheit aller am Schulleben beteiligten Personen relevant, weshalb die Schulen regelmäßig prüfen müssen, ob solche Gefährdungen bei ihnen auftreten.

Quellen: Sicherheitshandbuch für Bildungseinrichtungen, DGUV

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