DIN VDE 0701-0702 wird wieder zu DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702

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Die elektrotechnischen Normen DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702, die aktuell noch in der DIN VDE 0701-0702 zusammengefasst sind, werden wieder getrennt. Dann gibt es eine eigene Norm für die Prüfung von Geräten nach einer Reparatur sowie eine Norm für Wiederholungsprüfungen. Bisher liegen beide neuen Normen nur als Entwurf vor. Dennoch sollten sich Unternehmen und Prüfer rechtzeitig über die geplanten Änderungen informieren, denn es könnten Kosten für neue Prüftechnik auf sie zukommen.

DIN VDE 0701-0702: Warum ist die Trennung in DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 notwendig?  

Erst im Jahr 2008 wurden die Anforderungen an die Überprüfung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen von elektrischen Geräten nach der Reparatur (DIN VDE 0701) und die Vorgaben für die Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte (DIN VDE 0702) auf nationaler Ebene in der Norm DIN VDE 0701-0702 zusammengelegt. Nun wird die Norm wieder gesplittet. Hintergrund ist das europäische Harmonisierungsgebot. Aufgrund der unterschiedlichen Anwendungsbereiche der nationalen Normen, werden diese harmonisiert und an europäische Richtlinien angepasst. 

Hierfür haben sich auf europäischer Ebene zwei Gremien gebildet, die entsprechende Entwurfsfassungen erarbeitet haben. Im Mai 2019 und im Juni 2019 sind die Entwürfe E DIN EN 50678 VDE 0701:2019-05 und E DIN EN 50699 VDE 0702:2019-06 erschienen. Die Einspruchsfristen sind noch im vergangenen Jahr abgelaufen, weshalb nun mit Spannung erwartet wird, wann die endgültigen Fassungen in Kraft treten und welche vorgesehenen Änderungen übernommen werden. 

Die vorliegenden Norm-Entwürfe zur DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 sind gegenüber der bisherigen Norm klarer strukturiert und übersichtlicher aufgebaut, womit sie ein besseres und schnelleres Erfassen der Normanforderungen ermöglichen. Im Zuge der Vereinfachung und übersichtlicheren Darstellung der Norm-Entwürfe fallen auch die vielen Anhänge mit deren Erklärungen und Ergänzungen und Einarbeitung in den Normentext weg.

Betroffene Unternehmen und Elektrofachkräfte sollten sich bereits jetzt ein Bild von den eventuell anstehenden Änderungen machen, um bei Erscheinen der neuen Normen nicht überrascht zu werden.

Anwendungsbereiche der neuen DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702

Die Anwendbarkeit der Normen DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 erstreckt sich in beiden Fällen auf Betriebsmittel bzw. Geräte mit einer Bemessungsspannung von über 25 V AC bzw. 60 V DC bis 1000 V AC bzw. 1500 V DC mit einem Unterschied, dass bei Gültigkeit für die DIN VDE 0701 Geräte bis maximal 63 A Betriebsströmen benannt sind, bei der DIN VDE 0702 dieser Maximalwert aber nicht genannt wird.

Dabei gilt die DIN VDE 0701 nicht für

  • Geräte und Betriebsmittel, die Bestandteil der festen elektrischen Installation sind,
  • Ladestationen für Elektromobilität,
  • Antriebe,
  • Geräte für EX Bereiche und Bergbau,
  • medizinische Geräte,
  • Lichtbogenschweißgeräte
  • Audio-, Video-, Informations- und Kommunikationstechnik und -ausrüstung,
  • USV (unterbrechungsfreie Stromversorgungen) sowie
  • Netzteile und SPS (progr. Logik-Kontroler).

Von der DIN VDE 0702 sind Geräte ausgenommen, für deren Überprüfung bzw. Instandhaltung andere Vorschriften gelten. Das sind z. B. Geräte in Bereichen der Medizin, des Bergbaus, des Lichtbogenschweißens, des EX- Schutzes oder der Maschinensicherheit.

Wichtigste Änderungen nach Trennung der DIN VDE 0701-0702

Die wichtigste Änderung gegenüber der bestehenden Norm DIN VDE 0701-0702 besteht nach der Trennung erst einmal schlicht darin, dass Unternehmen und Elektrofachkräfte künftig wieder auf zwei unterschiedliche Normen zurückgreifen, sollten die neuen Normen wie im Entwurf in Kraft treten. Daneben ergeben sich weitere Änderungen: 

  • Die neue DIN VDE 0701 gilt nur noch für die Prüfung von Geräten nach einer Reparatur. Die Überprüfung nach neuer DIN VDE 0701 soll nachweisen, dass Reparaturarbeiten die grundlegenden Schutzmaßnahmen des elektrischen Geräts nicht gefährdet haben. 
  • Die neue DIN VDE 0702 ist künftig nur noch gültig für Wiederholungsprüfungen von elektrischen Geräten. 
  • In beiden Normen wird für Leitungen > 1,5 mmdie jeweilige Bemessungsgrundlage geändert. Sowohl für die DIN VDE 0701 als auch die DIN VDE 0702 gilt künftig eine normative Festlegung für die Ableitstrommessung an isolierten Eingängen sowie eine Ergänzung bezüglich der Verwendung von Messgeräten entsprechend der VDE 0413-16/IEC 61557-16. 
  • In beiden Normen wurden die Begriffe den internationalen Standards (IEC-Normen) angepasst. Damit ergeben sich Änderungen im Wortlaut der Definitionen zur bisherigen DIN VDE 0701-0702.
  • Die Messmethode „Ersatz-Ableitstrommessverfahren“, die oft zu Irritationen führte, wird in „Alternative Methode“ umbenannt.
  • Die bekannte Definition des Grenzwerts von 0,3 Ohm gilt künftig nur noch für Leitungs-/ Kabelquerschnitte (neu) bis 1,5 mm2 und einer Länge von 5 m. Weiter wird der Grenzwert um 0,1 Ohm je 7,5 m bis zum Maximalwert von 1 Ohm erhöht. Dafür entfällt die Begrenzung auf einen Bemessungsstrom von 16 A. Dafür ist jetzt eindeutig definiert, dass der Grenzwert für Querschnitte > 1,5 mm2 nach den Gleichungen R = ρ l/ A + 0,1 Ω bzw. R = l/ κA + 0,1 Ω errechnet werden muss. Bisher galt das nur für Bemessungsströme > 16 A.

Gerade die zuletzt genannte Änderung kann für Prüfer mit zusätzlichen Kosten verbunden sein. Denn um diese Anforderung zu erfüllen, müssen sie entsprechende Messgeräte ggf. erweitern, ändern oder anpassen, also ihre Prüftechnik erneuern bzw. ändern. Tun die Prüfer das nicht, sind sie gezwungen, selbst eine rechnerische Überprüfung durchzuführen. 

Tabelle: Gegenüberstellung der Norm-Entwürfe DIN VDE 0701 bzw. DIN VDE 0702 und der aktuellen DIN VDE 0701-0702 

Eine sehr detaillierte Gegenüberstellung des Norm-Entwurfs DIN VDE 0701 gegenüber der DIN VDE 0701-0702 sowie des Norm-Entwurfs DIN VDE 0702 gegenüber der DIN VDE 0701-0702 finden betroffene Unternehmen sowie Prüfer im „Sicherheitshandbuch Elektrosicherheit". Testen Sie jetzt den kostenlosen Zugang zum Forum Desk und sehen Sie sich die geplanten Änderungen im Detail an. 

Konsequenzen für Unternehmen nach Trennung der DIN VDE 0701-0702

Auch wenn die neuen DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 noch nicht in Kraft getreten sind, sollten Unternehmen jetzt schon ihre Organisation, den Ablauf und die Durchführung von Prüfungen überdenken und ggf. notwendige Maßnahmen ergreifen. Das betrifft z. B. den Einsatz von EuP, die Notwendigkeit von Schulungen oder Weiterbildungen, also die Qualifikation von Prüfpersonal, sowie den Einsatz bzw. die Beschaffung von Prüftechnik. Außerdem sollte der Unternehmer die verantwortliche befähigte Person für die anstehenden Änderungen sensibilisieren.

Quelle: „Sicherheitshandbuch Elektrosicherheit“

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