Neue Sachbezugswerte: Tabelle mit Kennzahlen zu Verpflegung, Unterkunft und weiteren Änderungen

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Wie jedes Jahr gelten auch in 2022 neue Regelungen für Sachbezugswerte sowie Pauschalen zur Lohn- und Reisekostenabrechnung. Betroffen sind dieses Mal u. a. die Werte zur Verpflegung und Unterkunft von Beschäftigten, aber auch die Sachbezugsfreigrenze. Worauf müssen Arbeitgeber und Personalverantwortliche in diesem Jahr besonders achten?

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie hoch ist der Sachbezugswert 2022?
  2. Was sind Sachbezüge und Sachbezugswerte?
  3. Beispiele für Sachbezüge

Wie hoch ist der Sachbezugswert 2022?

Seit dem 01.01.2022 gibt es erhöhte Sachbezugswerte für Verpflegung und Unterkunft. Rechtliche Grundlage sind Änderungen in der Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) und der Unfallversicherungsobergrenzenverordnung (UVOGrV). Konkret haben sich die amtlichen Sachbezugswerte wie folgt geändert:

Sachbezugswerte 2022: Verpflegung

Mahlzeiten, die vom Arbeitgeber kostenlos oder verbilligt gestellt werden, sind generell bis zu einem Wert von 60 Euro mit dem Sachbezugswert zu besteuern – denn dies zählt grundsätzlich als geldwerter Vorteil. Dadurch ist die Mahlzeit Teil des steuerpflichtigen Arbeitslohns. Hier kommen – wie bereits erwähnt – die Sachbezugswerte ins Spiel: Sie sind für das entsprechende Jahr anzusetzen, ggf. abzüglich eventueller Eigenanteile des Arbeitnehmers bei der Verpflegung.

Folgende Werte gelten für das Jahr 2022:

Betroffene Frühstück Mittagessen Abendessen Vollverpflegung1
Arbeitnehmer und Azubis, volljährige Familienangehörige

monatlich: 56,00 Euro
täglich: 1,87 Euro

monatlich: 107,00 Euro
täglich: 3,57 Euro
monatlich: 107,00 Euro
täglich: 3,57 Euro
monatlich: 270,00 Euro
täglich: 9,00 Euro
Angehörige zwischen 14 und 18 Jahren monatlich: 44,80 Euro
täglich: 1,49 Euro
monatlich: 85,60 Euro
täglich: 2,85 Euro
monatlich: 85,60 Euro
täglich: 2,85 Euro
monatlich: 216,00 Euro
täglich: 7,20 Euro
Angehörige zwischen 7 und 14 Jahren monatlich: 22,40 Euro
täglich: 0,75 Euro
monatlich: 42,80 Euro
täglich: 1,43 Euro
monatlich: 42,80 Euro
täglich: 1,43 Euro
monatlich: 108,00 Euro
täglich: 3,60 Euro
Angehörige unter 7 Jahren monatlich: 16,80 Euro
täglich: 0,56 Euro
monatlich: 32,10 Euro
täglich: 1,07 Euro
monatlich: 32,10 Euro
täglich: 1,07 Euro
monatlich: 81,00 Euro
täglich: 2,70 Euro

Bzgl. der Vollverpflegung (Verpflegung inkl. Unterkunft) gilt ab 2022 ein neuer monatlicher Gesamtsachbezugswert von 511 Euro (270,00 Euro Verpflegung + 241,00 Euro Unterkunft).

Sachbezugswerte 2022: Unterkunft

Für vom Arbeitnehmer kostenlos gewährte Unterkünfte gibt es für 2022 diese amtlichen Sachbezugswerte:

Betroffene Anzahl der beherbergten Beschäftigten täglich monatlich
volljährige Arbeitnehmer 1 Beschäftigter
2 Beschäftigte
3 Beschäftigte
mehr als 3 Beschäftigte
8,03 Euro
4,82 Euro
4,02 Euro
3,21 Euro
241,00 Euro
144,60 Euro
120,50 Euro
96,40 Euro
Jugendliche und Azubis 1 Beschäftigter
2 Beschäftigte
3 Beschäftigte
mehr als 3 Beschäftigte
6,83 Euro
3,62 Euro
2,81 Euro
2,00 Euro
204,85 Euro
108,45 Euro
84,35 Euro
60,25 Euro

Für die Unterbringung im Haushalt des Arbeitgebers oder in einer Gemeinschaftsunterkunft sind folgende neue Werte zu beachten:

Betroffene Anzahl der Beschäftigten täglich monatlich
volljährige Arbeitnehmer 1 Beschäftigter
2 Beschäftigte
3 Beschäftigte
mehr als 3 Beschäftigte
6,83 Euro
3,62 Euro
2,81 Euro
2,01 Euro
204,85 Euro
108,45 Euro
84,35 Euro
60,25 Euro
Jugendliche und Azubis 1 Beschäftigter
2 Beschäftigte
3 Beschäftigte
mehr als 3 Beschäftigte
5,62 Euro
2,41 Euro
1,61 Euro
0,80 Euro
168,70 Euro
72,30 Euro
48,20 Euro
24,10 Euro

Neben den angepassten Sachbezugswerten müssen Arbeitgeber in 2022 noch andere Neuerungen bzgl. der Reisekosten- und Lohnabrechnung beachten.

Weitere Änderungen ab 2022

Zu den wichtigsten Änderungen ab dem 01.01.2022 gehören:

  • Die monatliche Sachbezugsfreigrenze wurde von 44 auf 50 Euro angehoben. Sachzuwendungen an Arbeitnehmer müssen bis zu diesem Betrag nicht lohnversteuert werden.
  • Beträge des Arbeitgebers, die er auf Geldkarten oder Gutscheine einzahlt und die nicht die Kriterien aus § 2 Abs. 1 Nr. 10 Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) erfüllen, gelten jetzt als Barlohn.
  • Auslandspauschalen für berufliche Reisen ins Ausland bleiben identisch zu den Beiträgen aus dem Jahr 2021.

Um auf die geänderten steuerlichen Vorgaben reagieren zu können, sollten Unternehmen ihre internen Prozesse zur Lohn- und Reisekostenabrechnung jetzt prüfen und entsprechend anpassen. Unterstützung dabei erhalten sie vom digitalen Handbuch „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“. Es zeigt anhand von Rechenbeispielen und Handlungsanweisungen, wie Arbeitgeber alle Reise- und Verpflegungskosten rechtskonform abrechnen. Auch Sonderposten wie die Sachbezugswerte werden hier berücksichtigt und stets aktuell gehalten. 

Um sich mit den rechtlichen Neuerungen auseinanderzusetzen, gibt es auch eine passende Weiterbildung: Das Seminar „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“ zeigt Unternehmern, Beschäftigten in Personal- oder Lohnbüros sowie Selbstständigen und Beratern, wo in ihrem Betrieb konkreter Handlungsbedarf besteht, damit sie die gesetzlichen Vorschriften für ihr Unternehmen vorteilhaft und für ihre Mitarbeiter gerecht umsetzen.

Was sind Sachbezüge und Sachbezugswerte?

Sachbezüge sind entgeltliche Leistungen, die der Arbeitgeber seinen Beschäftigten als Teil des Arbeitslohns übermittelt, jedoch nicht in Form einer baren Geldleistung – also alle nicht in Geld gezahlten Vorteile. Das können z. B. Zulagen zur Verpflegung oder eine Dienstwohnung sein. Kann der Arbeitnehmer stattdessen auch eine Geldleistung verlangen, handelt es sich nicht mehr um einen Sachbezug.

Amtliche Sachbezugswerte sind festgelegte Kennzahlen, die Arbeitgeber ansetzen, wenn sie Arbeitnehmer kostenlose Verpflegung und Unterkunft gewähren. Sie stellen die Grundlage für die Besteuerung der geldwerten Vorteile an den Arbeitnehmer dar. Daneben können Sachbezugswerte z. B. auch bei Freiflügen von Luftfahrtunternehmen genutzt werden oder bei Beköstigungen in der Schifffahrt und der Fischerei.

Wie werden die Sachbezugswerte berechnet?

Rechtliche Grundlage zur Bewertung der Bezüge ist die grundsätzliche Bewertungsvorschrift aus § 8 Abs. 2 und 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Demnach müssen Arbeitgeber die Sachbezugswerte mit den üblichen Endpreisen am Abgabeort ansetzen, jedoch unter Berücksichtigung der regulären Preisnachlässe. Als „üblicher Endpreis“ zählt der Preis, den Endverbraucher im allgemeinen Geschäftsverkehr zahlen – inklusive Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile (= brutto).

Um sich das Berechnen der ortsüblichen Endpreise zu vereinfachen, können Arbeitgeber 4 % vom Angebotspreis abziehen, ausgehend vom Angebotspreis, mit dem die Ware/Dienstleistung fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr angeboten wird. Die restlichen 96 % lassen sich in der Lohnabrechnung ansetzen. Dieser Aufschlag wird auch als „96-%-Regelung“ bezeichnet. Daneben gibt es die sog. 50-Euro-Freigrenze (auch „Bagatellgrenze“ genannt). Sie greift, wenn der geldwerte Vorteil in einem Monat insgesamt nicht über 50 Euro (inkl. Umsatzsteuer) liegt. In diesem Fall muss der Arbeitgeber den geldwerten Vorteil nicht versteuern.

Grundsätzlich gilt: Wenn für eine Leistung amtliche Sachbezugswerte vorgeschrieben sind, muss der Arbeitgeber die Bewertung zwingend anhand dieser Werte vornehmen. Er darf nicht die 96-%-Regelung mit dem Endpreis am Abgabeort ansetzen. Das gilt selbst dann, wenn der ortsübliche Endpreis geringer ausfällt als der amtliche Sachbezug. Außerdem gilt hier keine Freigrenze von 50 Euro.

Ist der Sachbezugswert brutto oder netto?

Bezugswerte sind Teil des beitragspflichtigen Entgelts des Arbeitnehmers und gelten deshalb als steuer- und sozialversicherungspflichtig. Sie müssen als geldwerter Vorteil mit dem Barlohn addiert werden und ergeben zusammen den Bruttolohn. Hat der Arbeitgeber den Sachbezug verbilligt gewährt, gilt nur die Differenz aus Sachbezugswert und Zuzahlung des Arbeitnehmers als beitragspflichtig.

Wer legt die Sachbezugswerte fest?

Alle Sachbezugswerte werden jährlich vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) festgelegt. Hierfür ändert es die dazugehörige Sozialversicherungsentgeltverordnung. Anschließend wird deren Neufassung für das darauffolgende Jahr verkündet. Damit können sich Unternehmen über die kommenden Neuerungen in der Reisekosten- und Lohnabrechnung informieren.

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Beispiele für Sachbezüge

Arbeitgeber können Sachbezüge bzw. Sachbezugswerte für verschiedene Anlässe vergeben. So nennt der Gesetzgeber im BMF-Schreiben vom 13.04.2021 einige Beispiele, welche Leistungen nach EStG als Sachbezugswert gelten.

Darunter fallen u. a.:

  • Kranken-, Krankentagegeld- oder Pflegeversicherungsschutz, wenn der Arbeitgeber die Versicherung abschließt und die Beiträge zahlt.
  • Unfallversicherungsschutz, wenn
    • der Arbeitgeber eine freiwillige Unfallversicherung abschließt,
    • der Arbeitnehmer den Versicherungsanspruch geltend machen kann und
    • die Beiträge nicht pauschal besteuert werden (§ 40b Abs. 3 EStG).
  • Papier-Essensmarken (Essensgutscheine, Restaurantschecks etc.) und arbeitstägliche Zuschüsse zur Verpflegung
  • Gutscheine oder Geldkarten, mit denen ausschließlich Waren/Dienstleistungen des Arbeitgebers oder eines Dritten in Anspruch genommen werden können, z. B.:
    • wiederaufladbare Geschenkkarten für den Einzelhandel
    • Tankgutscheine für einen einzelnen Tankstellenbetreiber oder für eine bestimmte Tankstellenkette
    • Karten eines Online-Händlers, mit denen sich Waren/Dienstleistungen aus dem eigenen Produktangebot des Händlers kaufen lassen.
    • Kundenkarten von Einkaufszentren
    • Stadtgutscheine

Nicht im Schreiben des BMF genannt, aber trotzdem erwähnenswert sind:

  • Kosten für Berufskleidung
  • Betriebsveranstaltungen
  • Umzugskosten von Beschäftigten (Pauschale)
  • Verpflegungsmehraufwand für Auslandsreisen (Pauschale)

Die Auslandspauschalen sind wichtiger Bestandteil der dazugehörigen Reisekostenabrechnung. Worauf Arbeitgeber hierbei besonders achten müssen, zeigt das Online-Handbuch „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“. Passend dazu gibt es das gleichnamige Seminar „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“, mit dem sich Verantwortliche an einem Tag über alle anstehenden Neuerungen informieren können.

Quellen: „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“, BMF-Schreiben vom 13.04.2021

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