Stadtgrün: Definition, Vorteile und Maßnahmen

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Stadtgrün ist wichtig für das Stadtklima und das Wohlbefinden der Anwohner. Doch Stadtgrün bietet noch weitere Vorteile: So kann es z. B. als Marketinginstrument dienen, um die eigene Stadt attraktiver für umliegende Kommunen und Gewerbetreibende zu machen. Welche Maßnahmen sind für ein gelungenes Stadtgrün notwendig und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Inhaltsverzeichnis

  1. Stadtgrün: Definition
  2. Vorteile von Stadtgrün
  3. Stadtgrün: Maßnahmen
  4. Förderung von Stadtgrün

Stadtgrün: Definition

Der Begriff „Stadtgrün“ umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen zur Stadtbegrünung, etwa bei grünen Freiflächen und begrünten Gebäuden. Zu den Grünflächen gehören besonders Freiräume, die die Stadt entwickeln, pflegen und erhalten muss, um die städtische Gliederung und Gestaltung weiterzuentwickeln.

Zum Stadtgrün gehören u. a. folgende Bereiche:

  • Parkanlagen und Wald
  • Kleingärten und private Gärten
  • Friedhöfe
  • Spielplätze und Sportflächen
  • Straßenbegleitgrün
  • Grünflächen an öffentlichen Gebäuden
  • Bauwerksgrün
    • Fassaden- und Dachgrün
    • Innenraumbegrünung
    • Pflanzen an und auf Infrastruktureinrichtungen
  • landwirtschaftliche Nutzflächen

Stadtgrün nimmt eine wichtige Funktion in der Entwicklung von Städten ein, indem es zahlreiche wirtschaftliche, soziale und ökologische Leistungen erbringt. Aufgrund dieses umfangreichen Wirkungsbereichs wird Stadtgrün auch häufig „Grüne Infrastruktur“ genannt.

Doch wie bewerkstelligen Städte die Pflege von Stadtgrün und anderen Freiflächen? Das Buch „Grünflächenpflege“ gibt praktische Hinweise zur Pflege von öffentlichen sowie privaten Grünanlagen und erläutert alle relevanten rechtlichen Vorgaben zum Stadtgrün. Das Buch „Pflegereduzierte Grünflächen“ liefert zusätzliche Pflanz- und Pflegepläne zur Planung, Realisierung sowie Erhaltung von Grünflächen.

Entwicklung von Stadtgrün

Stadtgrün unterliegt besonders seit der Jahrtausendwende einem enormen Umschwung. Faktoren wie der Klimawandel, erforderliche Sparmaßnahmen und steigende Forderungen nach Biodiversität sorgen für immer neue Anforderungen an das örtliche Stadtgrün. So ist die Attraktivität und Akzeptanz von Stadtgrün in den vergangenen Jahren in vielen Kommunen enorm gestiegen.

Gleichzeitig ist insbesondere in Stadtzentren folgende Entwicklung erkennbar: Es kommen immer mehr verkehrsberuhigte Zonen hinzu, wodurch der Fokus einer autogerechten Stadt in den Hintergrund rückt. Dieser Rückgang bietet mehr Möglichkeiten, Stadtgrün attraktiv in die Gestaltung der Stadt einzubinden.

Daneben erfordern die immer beliebteren gemischten Wohn- und Arbeitsquartiere Stadtgrün in Form von Parks und andere Grünflächen. Sie dienen als attraktives Lebensumfeld, um die neue städtebauliche Dichte auszugleichen. Gleichzeitig fungieren sie häufig als sozialer Treffpunkt und können dem Stadtgrün eine eigene Bühne geben. Auch die immer flexiblere Arbeitswelt, in der Arbeit und Freizeit mehr und mehr ineinander übergehen, fragen nach ausgeprägtem Stadtgrün als Wohlfühlfaktor in urbanen Regionen.

Vorteile von Stadtgrün

Die aktuellen Entwicklungen und Trends zeigen: Stadtgrün nimmt eine immer wichtigere Rolle in der Stadtplanung und -konzeption ein. Diese Tatsache lässt sich durch zahlreiche Vorteile unterstreichen, die ein gut durchdachtes und gepflegtes Konzept zum Stadtgrün mit sich bringt.

Zu den bedeutendsten Vorteilen von Stadtgrün gehören folgende Punkte:

• effektiveres Stadtmarketing

Grüne Städte kommen gut bei der einheimischen Bevölkerung an. Pflanzen verleihen einer Stadt neue Qualität und erhöhen dadurch die Wertschätzung von Stadtgrün. Außerdem zeigt ein ausgeprägtes Stadtgrün, dass der Stadt die Umwelt am Herzen liegt und es motiviert Personen aus anderen Kommunen in die eigene Stadt zu kommen, um sich die verschiedenen Grünanlagen anzusehen. Das kann wiederum Gewerbetreibende anziehen und den Zuwachs der Stadt erhöhen.

Somit lässt sich Stadtgrün auch als ausschlaggebender Marketingfaktor für die Stadt nutzen, um diese attraktiver für Einheimische und Ortsfremde zu machen. Wie Städte und Kommunen ihr Stadtgrün ökonomisch gestalten, zeigt der Beitrag „Grünanlagen: So managen Kommunen die Pflege von Grünflächen ökonomisch“.

• verbessertes Stadtklima

Ein ausgeprägtes Stadtgrün kann erheblich zur Verbesserung des Klimas einer Stadt oder Kommune beitragen.

So sorgen z. B. Bäume für einen Kühlungseffekt, indem sie Wasser verdunsten lassen. Damit kühlen sie das Stadtklima ab. Außerdem spenden Bäume Schatten an Flächen, die sonst nicht vor Sonneneinstrahlung geschützt sind. Gerade in Hitzeperioden im Sommer sind diese positiven Effekte von Stadtgrün spürbar.

Gleichzeitig wirkt sich Stadtgrün positiv auf die Luftqualität aus: Es verringert die Luftbewegung und erhöht die relative Luftfeuchte. Außerdem halten Bäume sowie Sträucher die Luft rein und binden eventuellen Staub in der Luft. Hinzukommt, dass Stadtgrün Regenwasser zurückhalten und zur Versickerung des Wassers beitragen kann. Auch Hochwasserspitzen lassen sich mit Stadtgrün reduzieren.

• höhere Verkehrssicherheit

Städte und Kommunen, die ihr Stadtgrün auch an Verkehrsflächen nutzen, können ihre Verkehrssicherheit vor Ort erhöhen. Grünanlagen an solchen Orten fallen unter den Begriff „Straßenbegleitgrün“. Dazu gehören z. B. Bäume und Bepflanzungen am Straßenrand, auf Mittelstreifen oder Fahrbahnteilern.

Durch den Einsatz von Stadtgrün an diesen Positionen markiert das Grün den vorhandenen Straßenraum sichtbar. So lassen sich der Straßenverlauf, Kreuzungen und Einmündungen schneller erkennen, was Unfälle vorbeugen und die allgemeine Verkehrssicherheit erhöhen kann. Bäume am Straßenrand sorgen durch ihre vertikale Wirkung und unmittelbare Nähe zur Fahrbahn häufig dafür, dass Autofahrer langsamer fahren. Zusätzlich schützt Stadtgrün, wenn es Verkehrswege abschirmt, vor schräg einfallendem Sonnenlicht, welches stark blenden und ebenfalls Unfälle verursachen kann.

Solches Straßenbegleitgrün erfordert jedoch einer besonderen Pflege und Instandhaltung. Gleichzeitig müssen die Städte und Kommunen besondere rechtliche Anforderungen beachten. Das Buch „Straßenbegleitgrün“ erläutert die Gestaltung und Pflege von wirtschaftlichem, ökologischem sowie verkehrssicherem Straßenbegleitgrün. Außerdem enthält es Empfehlungen zu Pflanzen mit Wuchsstärke und Standorteignung für Straßenbegleitgrün.

• Artenvielfalt erhalten

Wer ein ausgeprägtes und artenreiches Stadtgrün kultiviert, erhöht die ökologische Vielfalt in der Stadt. So bieten z. B. artenreiche Wiesen Insekten wie Bienen eine maximale Futterverwertbarkeit.

• Abflusssysteme entlasten

Grüne Freiflächen mit Stadtgrün und Dachbegrünungen können die Menge von abfließendem Wasser in die Kanalisation verringern und somit das Kanalisationssystem als Ganzes entlasten.

Stadtgrün: Maßnahmen

Da Stadtgrün in einer Vielzahl unterschiedlicher Bereiche von Städten vorkommt, sind auch die Maßnahmen für den Ausbau des Stadtgrüns zahlreich.

Die folgende Übersicht zeigt einige beispielhafte Maßnahmen zum Stadtgrün:

vorhandenes Stadtgrün
Stadtgrün und Freiflächen unter quantitativen und qualitativen Aspekten bewerten. Dazu gehören sowohl wirtschaftliche Vorteile für die Stadt als auch der Nutzen, den die Anwohner durch das Stadtgrün erhalten, z. B. Schattenspende, Luftbefeuchtung oder dass sie eine ansprechende Umwelt für Freizeit und Erholung bekommen.
Bereits vorhandenes Stadtgrün pflegen und unter Berücksichtigung zukünftiger Klimabedingungen weiterentwickeln. Klimaprognosen zeigen, dass insbesondere in Städten Hitzeperioden und Extremwettereignisse weiter ansteigen werden.
Passive Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz umsetzen, z. B. Sonnenschutz durch Bäume und Lüftung.
Den Baumbestand in der Stadt schützen.
Bei geringer Durchwurzelungstiefe: Stadtmöbel und Kübel mit Sträuchern sowie Unterpflanzung nutzen.
Mit lokalen Unternehmen aus Garten- und Lanschaftsbau zusammenarbeiten. Sie können Stadtgrün bzw. Vegetationsflächen professionell planen und pflegen.
Kommunale Förderprogramme aufbauen, um private Begrünungsmaßnahmen zu unterstützen.
Entsiegelungsmöglichkeiten auf öffentlichen Plätzen prüfen und Anreize für Entsiegelungen privater Flächen schaffen.
neu geplantes Stadtgrün
Bepflanzungskonzepte mit Stadtgrün entwickeln, das extreme standörtliche und klimatische Bedingungen aushält, z. B. Hitze, Trockenheit, Streusalzbelastung oder Überschwemmungen.
Unterschiedliche Ansprüche und Potenziale von Stadtgrün beachten, etwa bzgl. der Nutzungsmöglichkeiten und Artenvielfalt.
Zur Erhöhung der Biodiversität möglichst unterschiedlich einheimisches und an das Klima angepasstes Stadtgrün verwenden.
Artenreiche Wiesen und insektenfreundliche Staudenbeeten anpflanzen, um die Biodiversität und Artenvielfalt zu erhalten.
Bei Neupflanzungen von Bäumen auf klimatolerante Baumarten achten und ausreichend Wurzelraum einkalkulieren.
Ausreichend dimensionierte Abstände zwischen Bäumen einkalkulieren, z. B. bei einer Allee.
Um einen Totalausfall durch Schädlinge an Bäumen zu vermeiden: Verschiedene Baumarten zusammen pflanzen.

Die in der Tabelle genannten Maßnahmen basieren sowohl auf dem „Leitfaden für klimaorientierte Kommunen in Bayern“ der Technischen Universität München (TUM) als auch auf den Inhalten der Bücher „Straßenbegleitgrün“ und „Pflegereduzierte Grünflächen“. Beide Bücher geben Tipps zur Ausführung und Pflege von Stadtgrün in unterschiedlichen Stadtgebieten.

Förderung von Stadtgrün

Da das Thema Stadtgrün eine immer größere Bedeutung erhält, besonders im Hinblick auf Klimawandel und Umweltschutz, investieren Städte und Kommunen immer mehr Geld in die Pflege und das Weiterentwickeln von Stadtgrün. Hierbei können sie finanzielle Unterstützung durch verschiedene Förderprogramme erhalten.

Dazu gehören u. a. folgende Anlaufstellen:

Label „StadtGrün naturnah“

Mit dem Label „StadtGrün naturnah“ erhalten Kommunen Unterstützung beim Erschaffen attraktiver Lebensräume für Mensch und Natur. Besonders ausgezeichnet werden Arbeiten zur naturnahen Grünflächengestaltung, die mit dem Label bundesweite Sichtbarkeit erhalten. Das Label begleitet die teilnehmenden Kommunen im Rahmen einer Kampagne mit dem Ziel, die Anwohner zu einer naturnahen Flächengestaltung im öffentlichen und privaten Raum zu motivieren.

Insgesamt gibt es drei Qualitätsstufen des Labels „StadtGrün naturnah“:

  • Gold
  • Silber
  • Bronze

Für die Qualitätsstufe entscheidend ist nicht die Anzahl an Projekten und Maßnahmen zum Stadtgrün, sondern wie konsequent die Stadt oder Kommunen innerhalb der relevanten Handlungsfelder agieren. Diese Regelung soll es auch kleineren Kommunen ermöglichen, ein höheres Label zu erlangen, da sonst größere Kommunen einen Vorteil hätten, da sie meist quantitativ mehr Maßnahmen und Projekte umsetzen können.

Das Label wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Zukunft Stadtgrün

Neben dem Label „StadtGrün naturnah“ gibt es für Städte die Möglichkeit am Bundesförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ teilzunehmen. Hierfür hat das Bundesbauministerium (BMI) im Jahr 2017 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld erhalten Länder und Kommunen für Maßnahmen, die das urbane Stadtgrün verbessern.

Zu den geförderten Maßnahmen mit Stadtgrün zählen u. a. folgende Punkte:

  • Das Vernetzen von Grün- und Freiräumen.
  • Das Herstellen von multifunktionalen Grün- und Freiflächen mit ökologischer, sozialer und städtebaulicher Bedeutung.
  • Bau- und Ordnungsmaßnahmen, die Grün- und Freiflächen zur Zwischen- und Nachnutzung verwenden bei Gebäuden und Grundstücken, die leer stehen, fehl- oder gar nicht genutzt werden.
  • Maßnahmen zur Barrierefreiheit.

Die Förderung von Stadtgrün durch das Programm „Zukunft Stadtgrün“ erfolgt als Bundesfinanzhilfe an die Länder auf Grundlage der gemeinsamen jährlichen Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung zwischen Bund und Ländern (VV StBauF). Der Bund finanziert ein Drittel der förderfähigen Kosten.

Quellen: „Grünflächenpflege“, „Straßenbegleitgrün“, „Pflegereduzierte Grünflächen“, Leitfaden für klimaorientierte Kommunen in Bayern (TUM), stadtgruen-naturnah.de, bmi.bund.de

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