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Regenwassernutzungsanlage – Aufbau, Einbau und Betrieb der Anlage zur Regenwassernutzung

© Ilhan Balta – stock.adobe.com

Durch die Nutzung von Regenwasser können Privathaushalte, Schulen, Unternehmen und andere Organisationen ihre Trink- und Abwassergebühren sowie die Niederschlagswassergebühr reduzieren. Die Auswahl einer passenden Regenwassernutzungsanlage hängt dabei von unterschiedlichen Faktoren ab, die vor dem Einbau gründlich abgewogen werden sollten.

Nutzung von Regenwasser, Grauwasser und Betriebswasser

Regenwassernutzung lohnt sich insbesondere während regenreichen Monaten, z. B. um für das Gießen des Gartens kein wertvolles Trinkwasser verwenden zu müssen. Das weiche Regenwasser, das nicht durch Gebrauch verunreinigt wurde, eignet sich außerdem gut für die Waschmaschine, die WC-Spülung sowie das streifenfreie Fensterputzen. Insbesondere die Regenwassernutzung in Waschmaschinen kann den Bedarf des Trinkwassers erheblich reduzieren. 

Witterungsunabhängig ist die Gewinnung von Grauwasser, das in jedem Haushalt anfällt. Eine Person erzeugt ca. 55 bis 90 Liter Grauwasser am Tag. Als Grauwasser wird nicht fäkalienartiges Abwasser von Duschen, Badewannen, Waschmaschinen und Handwaschbecken bezeichnet, das über ein getrenntes Leitungssystem in einer Grauwasseranlage aufgefangen und recycelt wird. Es eignet sich zur Bewässerung von Pflanzen sowie für die WC-Spülung. Die Verwendung von Grauwasser in Waschmaschinen befindet sich aktuell noch in der Erprobung. 

Vorgereinigtes und gesammeltes Regenwasser, Grauwasser sowie Brunnenwasser werden im Allgemeinen als Betriebswasser bezeichnet. Dieses weist nicht dieselbe Qualität auf wie Trinkwasser, entspricht in der Regel aber der Qualität der EU-Badegewässerrichtlinie – solange Regenwassernutzungsanlage und Grauwasseranlage technisch korrekt erstellt wurden.   

Hinweis: Die Nutzung von Betriebswasser im Haus bedingt immer die Installation eines separaten Leitungsnetzes im Gebäude. Dabei sind geltende Vorschriften und Gesetze sowie der aktuelle Stand der Technik zu beachten.

Welche Richtlinien für den Bau von Regenwassernutzungsanlagen relevant sind, listet das Handbuch „Fachgerechte Planung und Ausführung von konventioneller und regenerativer Haustechnik“. Das Werk bietet für jedes Einsatzgebiet im Bereich der Haustechnik gesetzliche Vorgaben, Checklisten sowie Formulare zur Ausführung, Wartung und Instandsetzung. 

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Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage: die vier Reinigungsstufen 

Das Regenwasser wird über eine sog. Regenauffangfläche gesammelt und gelangt über einen Filter in den Regenwasserspeicher. In den meisten Fällen dient das Dach eines Gebäudes als Regenauffangfläche, weil dieses das qualitativ beste Regenwasser liefert. Es ist aber auch möglich, das Regenwasser von einem geteerten Hof oder einer Terrasse aufzufangen, dann sind aber spezielle Filter zu wählen. Bei Metalldächern sind zudem besondere Vorschriften zu beachten, wenn das überschüssige Regenwasser versickert. 

Die Kombination aus Vorfilter, beruhigtem Zulauf, schwimmender Ansaugarmatur und Überlaufsifon bilden schließlich die vier Reinigungsstufen einer Regenwassernutzungsanlage.

  • Der Vorfilter filtert dabei den groben Schmutz, fängt jedoch nicht Staub und Pollen auf, die sich (bei längerer Trockenperiode) auf der Auffangfläche sammeln. 
  • Deshalb ist es notwendig bei der Installation einer Regenwassernutzungsanlage, einen beruhigten Zulauf und ein Überlaufsifon einzubauen. Der beruhigte Zulauf sorgt für eine funktionierende Sedimentation und den Sauerstoffeintrag in den unteren Bereich des Regenwasserspeichers. 
  • Die Wasserentnahme gelingt schließlich über eine Ansaugarmatur, die bewirkt, dass das Betriebswasser immer aus dem klarsten Bereich des Regenwasserspeichers entnommen wird.  

Auswahl von Filter, Regenwasserspeicher und Pumpe für eine Regenwassernutzungsanlage 

Filter 

Es gibt unterschiedliche Arten von Filtern, die in eine Regenwassernutzungsanlage verbaut werden können. Grundsätzlich wird zwischen zentralen und dezentralen Filtern unterschieden: 

  • Zentraler Filter wird kurz vor dem Zulauf in den Regenwasserspeicher oder direkt am Speicher eingesetzt. So wird das gesamte Regenwasser aus allen angeschlossenen Regenfallrohren gefiltert. 
  • Dezentrale Filter werden direkt in die Regenfallrohre eingebaut. Somit wird für jedes Rohr ein eigener Filter benötigt. 

Die Norm DIN 1989-2 „Regenwassernutzungsanlagen - Teil 2: Filter“ kennt zudem zwei Filterarten: 

  • Filter mit mechanischer Filtration und Fremdstoffrückhalt (Typ A und B) 
  • Filter mit mechanischer Filtration und Fremdstoffableitung (Typ C) 

Die Auswahl des Filters sollte nach dem Verwendungszweck und der Eignung erfolgen. So funktioniert z. B. eine Retentionszisterne nicht mit Filtertyp C, da hier kein direkter Kanalanschluss vorliegt, über den Fremdstoffe abgeleitet werden. 

Regenwasserspeicher  

Neben der Systemsteuerung ist der Regenwasserspeicher das zentrale Element einer Regenwassernutzungsanlage, denn hier lagert das Regenwasser. Es gibt Außenspeicher, die unter der Erde installiert werden, und Innenspeicher, die meist im Keller eines Gebäudes platziert werden. Um die Hygiene aufrechtzuerhalten, sollte das Regenwasser in jedem Fall dunkel und kühl gelagert werden.  

Erdbedeckte Regenwasserspeicher gibt aus es Beton und Kunststoff, ihr Speichervolumen liegt zwischen 1 m3 bis mehr als 50 m3. Innenspeicher sind aus Kunststoff und können 0,75 m3 bis 2 mspeichern. Durch das Zusammenschalten mehrerer Speicher lassen sich größere Speichervolumen erzielen. 

Zudem gibt es sog. Retentionszisternen, die mit zusätzlichem Nutzvolumen ausgestattet sind. Dabei handelt es sich um kleine dezentrale Regenhalterückbecken mit gedrosseltem Ablauf. 

Detailierte Angaben zu Regenwasserspeichern macht die DIN 1989-3 „Regenwassernutzungsanlagen - Teil 3: Regenwasserspeicher“.

Pumpe 

Die Entnahme des Betriebswassers erfolgt in der Regel über eine Saug-/Druck-Pumpe, meist zusammen mit einem kleinen Vorlagenbehälter als Kompaktmodul ausgeführt. Bezüglich der Pumpe für Regenwassernutzungsanlagen gibt es folgende Unterschiede: 

  • Die Ansaugpumpe saugt das Betriebswasser aus dem tiefer gelegenen Regenwasserspeicher über die Ansaugarmatur und befördert es zu den Zapfstellen in Haus und Garten. Die maximale Ansaughöhe beträgt 7 m, die maximal Saugleitungslänge 20 m.   
  • Moderne Unterwasserpumpen können größere Entfernungen zwischen Speicher und Verteiler im Haus überbrücken und sind lautlos. Sind sie mit einem integrierten Schaltautomaten ausgestattet, arbeiten sie außerdem automatisch. 
  • Für komplexe Verhältnisse, wie einem höheren Wasserbedarf (z. B. Pausenzeiten in Schulen), höheren Entfernungen oder wenn eine hohe Betriebssicherheit sehr wichtig ist, kommen Hybrid-Anlagen zum Einsatz. Im Regenwasserspeicher befindet sich dann eine oder mehrere Ladepumpe(n), die einen Pufferbehälter speisen, aus denen wiederum das Betriebswasser befördert wird. 

Vor dem Einbau der Regenwassernutzungsanlage müssen Planer außerdem die Dimension der Anlage festlegen. Entscheidende Parameter sind dabei der Ertrag und der Bedarf. Wie diese Faktoren berechnet und ermittelt werden, zeigt das Portal „Fachwissen online Haustechnik“ ausführlich. 

Regenwassernutzung: Einbau, Inbetriebnahme und Wartung der Anlage 

Beim Einbau einer Regenwassernutzungsanlage sind einige Vorschriften zu beachten. Außerdem müssen Planer und Ausführer die Installationsanweisungen des Herstellers befolgen sowie standortspezifische Faktoren wie die Stabilität und Verunreinigung des Bodens oder bereits verlegte Rohrleitungen berücksichtigen.   

Relevanteste Vorschriften für den Einbau von Regenwassernutzungsanlagen sind die Normen

  • DIN 1989 „Regenwassernutzungsanlagen“ - Teile 1 bis 4 
  • EN 806 „Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen“
  • EN 12056-5 „Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden – Teil 5: Installation und Prüfung, Anleitung für Betrieb, Wartung und Gebrauch“
  • EN 1610 „Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen“

Darüber hinaus regelt die EN 16941-1 „Vor-Ort Anlagen für Nicht-Trinkwasser - Teil 1: Anlagen für die Verwendung von Regenwasser“ Details zum Einbau, wie z. B. zu den Herstellerhinweisen und den standortspezifischen Faktoren. 

Vor der Inbetriebnahme müssen Ausführende die Anlage anhand der EN 16941-1 nach folgenden Kriterien überprüfen:

  • Überprüfung nach den Vorgaben der Planung, Standards und Herstelleranleitungen
  • Spülung des Verteilersystems und Überprüfung der Wasserdichtheit und Querverbindungen zwischen Trink- und Nicht-Trinkwasserleitungen
  • Überprüfung der elektrischen Installation nach den entsprechenden anzuwendenden Normen und nationalen Vorschriften für Elektrosicherheit.
  • Sicherstellung, dass es keine Beeinflussung von oder zu anderen Verkabelungen oder anderen elektrischen oder elektronischen Geräten gibt. 

Wartung der Regenwassernutzungsanlage 

Wann eine Inspektion und Wartung der Regenwassernutzungsanlage zu erfolgen hat, hängt von der Verwendung und der Größe der Anlage sowie den nationalen Bestimmungen ab. Um eine ordnungsgemäße Wartung durchführen zu können, müssen die Einbau- und Betriebsanleitungen vorliegen, die Planer bzw. Hersteller an den Betreiber übergeben. 

Eine Dokumentation der Inspektion und Wartung muss nur dann erfolgen, wenn die Anlage das Regenwasser innerhalb von Gebäuden verteilt. Ist eine Dokumentation erforderlich, ist sie vom Eigentümer anhand eines Betriebstagebuchs zu erstellen. 

Quelle: „Fachgerechte Planung und Ausführung von konventioneller und regenerativer Haustechnik“

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