EN 16798 Teil 1 ersetzt DIN EN 15251: Neue Vorgaben zur Raumluftqualität und Behaglichkeit

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Der erste Teil der DIN EN 16798 ist im Mai 2019 in englischer Fassung erschienen und beschreibt nun gewerkübergreifend „Eingangsparameter für das Innenraumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik“. Planer und Ausführende müssen das Innenraumklima nun im Gesamtkontext sehen. Doch Deutschland fordert jetzt schon eine Überarbeitung der neuen Norm.

Bedeutung der EN 16798

Die Veröffentlichung der EN 16798 Teil 1 ist für Planer und Ausführende ein wichtiger Schritt, um bestehende Unsicherheiten im Tagesgeschäft zu reduzieren. Denn die DIN EN 16798 besteht aus insgesamt 18 aufeinanderfolgenden Teilen (Normen und Reports), von denen sich manche noch im Entwurfsstadium befinden. Weil dennoch auf sie verwiesen wird, sind Planer und Ausführende regelmäßig verunsichert.

Die nun rasche Veröffentlichung des Entwurfs der DIN EN 16798, ebnet den Weg dafür, die Gültigkeit aller Module der DIN EN 16798 zeitnah sicherzustellen. Die Normenreihe DIN EN 16798 „Energieeffizienz von Gebäuden“ ist nicht nur das zentrale Regelwerk für die Lüftungstechnik, sondern auch die Umsetzungsnorm für die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD).

Bisher ist die EN 16798-1 nur in englischer Sprache erschienen, wird jedoch kurzfristig und zeitnah vom Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN) in eine deutsche Norm überführt. Die Norm ersetzt DIN EN 15251 vollständig und stimmt teilweise mit dieser überein, definiert aber auch neue Anforderungen an das Raumklima und an die Energieeffizient, die mit Teil 3 der DIN EN 16798 abgestimmt wurden. 

Grundsätzliches Fachwissen zu raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen), zur thermischen Behaglichkeit sowie zur energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden enthält das Buch „EnEV 2014/2016 im Gebäudebestand“. Den vollständigen Beitrag zur EN 16798-1 finden Planer und Ausführende im Fachmagazin „EnEV Baupraxis“, das immer aktuelles Expertenwissen zur Planung und Umsetzung energieeffizienter Baumaßnahmen bereithält. 

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Kategorien des Raumluftklimas nach EN 16798-1

EN 16798-1 legt Parameter und Kategorien für das Innenraumklima fest, die eine Auswirkung auf die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden haben und die Planer sowie Ausführende bei der Auslegung von raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) bedenken müssen. Die Norm definiert vier Kategorien, die in Abhängigkeit an die Erwartungen an das Raumklima ausgelegt sind. Kategorie I beschreibt dabei ein hohes Maß an Erwartungen.

Jeder Raumklima-Kategorie sind empfohlene Werte zugeordnet, wobei die Kriterien für das Raumklima auf Indizes der thermischen Behaglichkeit nach DIN EN ISO 7730 beruhen. Ein Kriterium ist die Empfindungs- und Operative Temperatur. Die EN 16798-1 und der dazugehörige Technische Report TR 16798-2 „Interpretation der Anforderungen der EN 16798-1“ geben Empfehlungen zur Operativen Temperatur. In Büro- bzw. Konferenzräumen z. B., die der Kategorie I zuzuordnen sind, sollte die Raumtemperatur im Winter 21° C, im Sommer 25,5° C betragen. 

Aber auch die Kriterien für die thermische Unbehaglichkeit wie Zugluft etc. müssen Planer und Ausführende bei der Auslegung von RLT-Anlagen berücksichtigen. 

Luftvolumenstrom bestimmen – drei Methoden nach EN 16798-1

Teil 1 der DIN EN 16798 gibt drei Methoden vor, anhand derer Planer und Ausführende den Gesamtluftvolumenstrom in einem Gebäude bestimmen können: 

Luftvolumenstrom nach EN 16798-1 bestimmen
1. nach der wahrgenommenen Luftqualität 


Formel-EN-16978-1tlHrS4siqXAAd

qtot = Gesamtluftvolumenstrom des Raumes, in m3/h
n = Auslegungswert für die Personenanzahl im Raum
q= Luftvolumenstrom je Person, in m3/(h x Pers.)
A= Grundfläche des Raumes, in m2
q= Luftvolumenstrom für Gebäudeemissionen, in m3/(h x m2)

 
2. nach der Verunreinigungskonzentration    Formel2-EN-16978-1Si3t697lu2JDq
qh = Gesamtvolumenstrom des Raumes für die Verdünnung des Schadstoffs, in m3/h
Gh = Schadstoffemmission im Raum, in µg/s oder in l/s
Ch,i = Grenzwert der Konzentration des Schadstoffs im Raum, in µg/moder in ppm*106
Ch,o = Konzentration des Schadstoffs in der Zuluft, in µg/m3 oder in ppm*106
εν = Lüftungseffektivität 
 
3. vorgegebene Luftvolumenströme  Alternativ können die erforderlichen Luftvolumenströme anhand vorgegebener Luftvolumenströme bestimmt werden. Die EN 16798-1 nennt mögliche Parameter. 

Anforderungen an Beleuchtung und Akustik in der EN 16798-1

Die Veröffentlichung der EN 16798-1 bedeutet für Planer und Ausführende, dass sie das Innenraumklima künftig in Zusammenhang mit dem thermischen Raumklima, der Raumluftqualität, der Beleuchtung und der Akustik betrachten müssen. 

Hinsichtlich der Beleuchtung in Räumen gibt die EN 16978-1 Hinweise. So muss für Arbeitsstätten der Auslegungswert für die mittlere Beleuchtungsstärke Em festgelegt werden. Die mittlere Beleuchtungsstärke für Büros z. B. beträgt 500 Lux. 

Auch zur Akustik sind in der EN 16978-1 Hinweise enthalten. Die Norm gibt an, welche A-bewerteten äquivalenten Schalldruckpegel Leq,nT,A für Dauergeräusche bei der Auslegung von Lüftungs-, Heiz- und Kühlanlagen Planer und Ausführende festlegen müssen. 

Warum fordert Deutschland eine Überarbeitung der EN 16798-1?

Als die Mitglieder des Europäischen Komitees für Normung (CEN) die EN 16798-1 im zweiten „formale vote“ angenommen hatten, stimmten manche Länder dagegen – auch Deutschland. Deutschland fordert die sofortige Überarbeitung der Norm, in der die einzelnen Gewerke stärker voneinander getrennt werden sollen. Die EN 16798-1 soll aus deutscher Sicht in vier Unterblätter unterteilt werden. Die Vermischung der Gewerke sei nicht zielführend. 

Quellen: „EnEV Baupraxis“ (Ausgabe Juli 2019), BTGA-Almanach 

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