Energiemanagementsystem (EnMS) nach ISO 50001 – Übergangsfrist für Zertifizierungen läuft am 20.08.2021 ab

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Die revidierte europäische Norm DIN EN ISO 50001:2018 für Energiemanagementsysteme ist am 20.08.2018 eingeführt worden. An diesem Stichtag hat auch die dreijährige Übergangsfrist für die ISO 50001-Zertifizierung begonnen. In diesem Zeitraum müssen Unternehmen ihr EnMS anpassen, wenn sie von monetären staatlichen Entlastungen profitieren und ihre Energieeffizienz optimieren wollen.

ISO 50001: Übergangsfrist für Zertifizierungen und Audits 

Unternehmen und andere Organisationen, die von Entlastungen gemäß Strom- und Energiesteuer nach SpaEfV oder der besonderen Ausgleichsregelung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) profitieren wollen, bauen ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 auf. Die revidierte ISO 50001:2018 definiert entsprechende Standards, aber auch eine Übergangsfrist für bereits bestehende Zertifizierungen, die nach der ISO 50001:2011 ausgestellt wurden. Die Übergangsfrist von drei Jahren hat am Tag der Veröffentlichung der finalen Version am 20.08.2018 begonnen. 

Nach Ablauf dieser Frist laufen alle ISO 50001:2011 Zertifikate ab bzw. werden am Ende der Übergangszeit am 20.08.2021 zurückgezogen. In den sechs Monaten nach der Veröffentlichung der revidierten ISO 50001 hat die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) Übergangsbewertungen durchgeführt, sodass die Zertifizierungsgesellschaften ihre Akkreditierung umstellen konnten.

Innerhalb von 18 Monaten ab Veröffentlichung der ISO 50001 müssen die Zertifizierungsgesellschaften den Übergang auf die ISO 50001:2018 abschließen. Danach, also ab dem 20.02.2020, dürfen keine Zertifizierungen / Audits mehr nach dem alten Standard gemäß ISO 50001:2011 durchgeführt werden.  

Hinweis: Die Implementierung eines Energiemanagementsystems gemäß ISO 50001 ist grundsätzlich freiwillig. Es gibt keine Zertifizierungspflicht. Dennoch ist es empfehlenswert, mit einem Energiemanagementsystem zu arbeiten, denn so optimieren Unternehmen ihre Energieeffizienz, sparen Energiekosten deutlich ein und leisten einen Beitrag zum Umweltschutz. 

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ISO 50001 von 2018: Was ist neu im Vergleich zur ISO 50001:2011?  

Auch nach der routinemäßigen Überarbeitung der ISO 50001 ist der Charakter der ISO 50001:2011 erhalten geblieben: Die ISO 50001 ist eine Art Best-Practice-Modell für Unternehmen, um ihre Energieeffizienz zu verbessern. Sie setzt einen standardisierten Rahmen und die Unternehmen nutzen die Vielfalt an Ausgestaltungsmöglichkeiten, um die definierten Standards an die Ausrichtung ihres Unternehmens anzupassen. 

Jedoch folgt die ISO 50001:2018 nun dem Paradigma der ISO-Welt und basiert wie z. B. die ISO 9001 (Qualitätsmanagement) auf der High Level Structure (HLS). Beide – sowohl die ISO 50001 aus dem Jahr 2011, als auch die revidierte Fassung – folgen dem Plan-Do-Check-Act-Kreislauf (PDCA), sodass sie problemlos in bestehende Managementsysteme integriert werden können. 

Die wesentlichen Änderungen der ISO 50001:2018 betreffen folgende Bereiche: 

Verbesserte strategische Einbindung des EnMS

Komplett neu in der ISO 50001 wurde der Abschnitt „Kontext der Organisation“ aufgenommen. Er zielt darauf ab, dass das EnMS so eingebunden wird, dass die gesetzten Energieziele aktuelle und künftige strategische Herausforderungen berücksichtigen.  

Diese Überlegung ist anderen Managementsystemen nachempfunden, die ebenfalls an die strategische Ausrichtung des Unternehmens angelehnt sein sollen. Somit wird der Anwendungsbereich der revidierten ISO 50001 deutlich erweitert. 

Energetische Bewertung wird in neuer ISO 50001 klarer gefasst 

Die Anforderungen an die energetische Bewertung wurden in der neuen ISO 50001 deutlich präziser formuliert. Es wird klargestellt, dass für jeden wesentlichen Energieeinsatzbereich die Einflussfaktoren (Produktionsleistung, Außentemperatur, Nutzung von Tageslicht etc.) bestimmt werden.  

Auch wenn hinsichtlich der energetischen Bewertung Begrifflichkeiten und Anforderungen deutlich erweitert wurden, ergeben sich für Praktiker kaum neue Erkenntnisse. 

Normalisierung von Energieleistungskennzahlen 

Das gesamte Modell der Leistungsverbesserung wurde in der revidierten ISO 50001 durch geeignete Kennzahlen und präzisere Begrifflichkeiten optimiert. Die neue ISO 50001 weist nun deutlich darauf hin, dass bei relevanten Variablen, die sich wesentlich auf die ebL auswirken, eine Normalisierung der EnPIs und der entsprechenden EnB vorzunehmen ist. Auf diese Weise können Energiemanagementbeauftragte (EnMB) Änderungen der energiebezogenen Leistung überhaupt vergleichen. 

Energieziel und Aktionsplanung  

Bei der Definition der Energieziele und der sich daraus ergebenden Aktionsplanung müssen Energiemanagementbeauftragte wesentliche Energieeinsätze beachten und Methoden zur Verifizierung berücksichtigen. 

Die neue ISO 50001 unterscheidet zudem nicht mehr zwischen strategischen und operativen Energiezielen, sondern zwischen Zielen und Energiezielen. 

Führungsebene trägt mehr Verantwortung 

In der ISO 50001:2018 wird die Führungsebene eines Unternehmens verstärkt in die Pflicht genommen und erhält mehr Verantwortung für die Effektivität des Energiemanagementsystems sowie dessen Integration in die laufenden Geschäftsprozesse.   

Energiemanagementbeauftragter nicht mehr gefordert 

Im Gegensatz zur ISO 50001:2011 wird in der revidierten Energiemanagementnorm die Bestellung eines Energiemanagementbeauftragten nicht mehr explizit gefordert. Die Führungsebene muss lediglich sicherstellen, dass innerhalb eines Energiemanagement-Teams Verantwortlichkeiten und Befugnisse eindeutig geklärt sind.  

Struktur der ISO 50001: Gegenüberstellung der alten und neuen Fassung

Die Abschnitte eins bis drei der ISO 50001 stellen Anwendungsbereiche, normative Verweisungen und Begriffe dar. Die eigentlichen Anforderungen an ein Energiemanagementsystem sind in den darauf folgenden Kapiteln enthalten.

Hinsichtlich der Struktur unterscheiden sich die neue und die alte Fassung folgendermaßen: 

ISO 50001:2018 ISO 50001:2011
1. Anwendungsbereich
2. Hinweise auf andere Normen
3. Begriffe 
1. Anwendungsbereich
2. Hinweise auf andere Normen
3. Begriffe 
4. Kontext der Organisation 4. Anforderungen an ein Energiemanagementsystem
5. Führung  4.1 Allgemeine Anforderungen 
6. Planung  4.2 Verantwortung des Managements
7. Unterstützung  4.3 Energiepolitik 
8. Betrieb  4.4 Energieplanung
9. Bewertung der Leistung  4.5 Einführung und Umsetzung 
10. Verbesserung  4.6 Überwachung, Messung und Analyse 
  4.7 Managementbewertung

Quelle: „EHSQ-Manager“

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