Gesunden Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen fördern: Lehrkräfte sollten Eltern bei der Medienerziehung unterstützen

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Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das Eltern und Lehrkräfte heute ständig begleitet. Gerade das Internet nimmt einen hohen Stellenwert ein, aber auch das Fernsehen spielt weiterhin eine zentrale Rolle. Damit Kinder und Jugendliche rechtzeitig einen gesunden Umgang mit Medien erlernen, sollten Lehrkräfte Eltern bei der Medienerziehung unterstützen. Zudem können Lehrerinnen und Lehrer neue Chancen für den Bildungsbereich entdecken.

Studien: Wie nutzen Kinder und Jugendliche Medien?

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat im Rahmen seiner Studienreihe KIM (Kinder, Internet, Medien) das Medienverhalten der 6- bis 13-jährigen in Deutschland abgebildet. Hierfür wurden 2018 rund 1.200 Kinder und deren Haupterzieher zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. 

Das Ergebnis zeigt u. a. auf, was Kinder und Jugendliche im Internet bevorzugt machen: 

  • Recherche über Suchmaschinen (65 %)
  • Whats-App-Nachrichten (62 %)
  • YouTube-Videos (56 %)

Danach folgen Musik, Facebook, Wikipedia, E-Mails, Snapchat, Instagram und Fernsehsendungen, die im Internet gestreamt werden. Auf den gesamten Medienkonsum betrachtet, nimmt das Fernsehen laut dieser Studie aber immer noch den größten Stellenwert ein. Onlinebasierte Bewegtbildnutzung (z. B. YouTube) gewinnt zudem an Bedeutung. 

Kinder verfügen über eine gute Balance über Online- und Offlinewelt

Aus der „Kinder-Medien-Studie 2018“ ist herauszulesen, dass Kinder und Jugendliche durchaus in der Lage sind, bewusst zwischen Offline- und Onlinemedien zu unterscheiden. Zwar ersetzen elektronische Medien bereits bei 13-Jährigen klassisches Spielzeug und Spielkästen, dennoch lesen die Kinder laut Studie weiterhin am liebsten Printmedien. 70 % der Befragten lesen mehrmals pro Woche Bücher oder Zeitschriften, weil sie den Mehrwert dieser Inhalte erkannt haben.   

Die Studie zeigt auch, dass sich Kinder und Jugendliche über die Gefahr bewusst sind, durch digitale Medien immer unselbstständiger zu werden und Zeit zu verschwenden. Das ist ein beruhigendes Ergebnis, kann aber bei Weitem nicht auf alle Kinder umgelegt werden. Deshalb sind Erziehungsberechtigte gefragt, ihren Kindern einen verantwortungsvollen Medienkonsum beizubringen. Im Rahmen von Elterngesprächen können Lehrerinnen und Lehrer diese dabei unterstützen.  

Gefahren des verantwortungslosen Medienkonsums

Zunächst einmal ist es oft notwendig, dass Lehrkräfte Eltern auf die Gefahren des Medienkonsums überhaupt aufmerksam machen. Denn nicht alle Familien haben ein Bewusstsein dafür. Manche Eltern empfinden es eher als entlastend und angenehm, ihren Nachwuchs vor Fernseher oder Tablet zu setzen, um den Haushalt zu erledigen oder eigenen Interessen nachzugehen. Dabei übersehen sie, welche Gefahren von einem ungeregelten Medienkonsum ausgehen können: Wenn Kinder vor einem Medium „geparkt“ werden, erfahren sie nicht ausreichend Bindung in der Familie, was folgende Konsequenzen nach sich ziehen kann: 

  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Aggressivität
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, was zu schlechter Leistung in der Schule führt.   
  • Sucht
  • Augenprobleme
  • Übergewicht

Durch Autokorrektur und Textblöcke wird zudem die sprachliche Ausdrucksfähigkeit faktisch verlernt, da sich Kinder und Jugendliche darauf verlassen, dass der Computer für sie „denkt“. Bei Kindern mit einem sehr hohen Medienkonsum beobachten Lehrerinnen und Lehrer häufig eine generelle Entwicklungsverzögerung. Das kann an der mangelnden Bindung zu Bezugspersonen liegen, die quasi automatisch mit einhergeht, wenn der Medienkonsum eines Kindes oder Jugendlichen nicht geregelt ist. Mit der Software „Professionelle Entwicklungsberichte und Beschreibung der Lernausgangslage“ gelingt Lehrkräften und Pädagogen das professionelle Beobachten der Entwicklung. 

Hinweis: Die Bindung zu Bezugspersonen ist notwendig, damit die dafür zuständigen Gehirnareale Gefühle und Empathie entwickeln. Ist das Kind bindungsgestört, wachsen die Synapsen im Gehirn nicht zusammen und dieser Mangel kann nie wieder ganz aufgeholt werden. 

Empfohlener Fernsehkonsum bei Kindergarten- und Vorschulkindern 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt den TV-Konsum von Kindern folgendermaßen zu beschränken: 

  • 0 bis 2 Jahre: kein Fernsehen
  • 3 bis 5 Jahre: maximal 30 Minuten am Tag
  • 6 bis 9 Jahre: maximal 60 Minuten am Tag
  • 10 bis 13 Jahre: maximal 90 Minuten am Tag 

Tipps zur Medienerziehung 

Um den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen altersgerecht und verantwortungsvoll zu gestalten, sollten Eltern klare Regeln aufstellen. Lehrkräfte können die Erziehungsberechtigten mit folgenden Tipps zum Medienkonsum dabei unterstützen. Weil das Thema Medienkonsum essenziell auch mit Blich auf den Schulerfolg ist, wäre zu überlegen, einen Elternabend zu diesem Thema zu veranstalten. Eine Vorlage hierfür erhalten Lehrerinnen und Lehrer im Buch „Besondere Kinder“.  

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Tipps zur Fernsehnutzung 

  • Klare Regeln für die Dauer des Fernsehens vereinbaren. Am besten die Zeit so legen, dass das Kind die Lieblingssendung zu Ende sehen kann. Denn schalten Eltern den Fernseher mitten drin ab, schafft das Frustration. Eine weitere Möglichkeit ist, Serien aufzunehmen und dann zur vereinbarten Zeit abzuspielen. 
  • Zusätzliche Rituale, wie das Zu-Bett-Bringen und eine Geschichte erzählen, erleichtern das Einschlafen und schaffen Vertrauen sowie Bindung.
  • Medien wie Fernseher sollten nicht im Kinderzimmer stehen. Generell ist es förderlich, wenn Eltern dabei sind, wenn der Nachwuchs fernsieht. So können sie die Reaktion des Kindes beobachten und eingreifen, falls dieses Anzeichen von Angst zeigt.
  • Morgens sollte der Fernseher generell tabu sein. Nicht nur, um den Medienkonsum zu reduzieren, sondern auch weil gerade zu dieser Zeit viel Werbung ausgestrahlt wird, die Kinder noch nicht richtig als Manipulation einordnen können.   
  • Für das Wochenende kann gemeinsames DVD-Schauen geplant werden. So sind Eltern und Kinder nicht von den Ausstrahlungszeiten der Fernsehsender abhängig und können ungebunden anderen Aktivitäten nachgehen. Der Film kann auch in mehrere Einheiten aufgeteilt werden. So steigt die Spannung und es entsteht die Möglichkeit, über den Film zu sprechen und das Thema aufzuarbeiten. 
  • Wichtig ist, komplett fernsehfreie Tage zu planen, die dann mit Spaßaktivitäten gefüllt werden. 
  • Die Kreativität von Kindern und Jugendlichen wird außerdem gestärkt, wenn Eltern mit ihnen einfach mal selbst ein kurzes Video drehen und dieses gemeinsam ansehen. 

Tipps zum Konsum von Computerspielen  

  • Eltern sollten Computerspiele daraufhin prüfen, ob diese auch wirklich kindgerecht sind. 
  • Folgende Fragen unterstützen Eltern bei der Spielauswahl: 
    • Trifft das Thema die Interessen meines Kindes?  
    • Entspricht die Altersgruppenvorgabe den tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten meines Kindes? 
    • Sind das steigende Aufgabenniveau bzw. die verschiedenen Schwierigkeitsgrade des Computerspiels so gestaltet, dass beim Kind weder Frust noch Langeweile entstehen?
    • Variieren die Spiele an sich oder gaukeln sie nur Vielseitigkeit vor?
    • Lässt das Computerspiel genug Raum für kreatives Weiterdenken?
    • Nimmt das Spiel das Kind bei Fehlern oder Hürden an die Hand und leitet es zur Lösung hin?
    • Nach diesen Kriterien eine Vorauswahl treffen und schließlich das Kind ein Spiel aussuchen lassen. 
  • Im Idealfall probieren Eltern das Computerspiel selbst aus. 
  • Kinder und Jugendliche über das Thema Cybergrooming aufklären. 

Umgang mit internetfähigen Geräten 

  • Kindern und Jugendlichen das Surfen im Internet ausführlich erklären, um eine Medienkompetenz auszubilden. Ein Internetverbot ist nicht ratsam. Zum einen müssen Kinder und Jugendliche den Umgang erlernen, um im Berufsleben nicht abgehängt zu werden, zum anderen kann das Internet auch sehr lehrreich sein. 
  • Kindersicherungen einbauen, um verbotene oder gefährdende Seiten auszuschließen. 

Beim gemeinsamen Essen haben Fernseher, Handy, Tablett, aber auch das Radio nichts verloren. Eltern sollten diese Zeit für den Austausch mit ihren Kindern nutzen. So entsteht die Bindung, die für die Entwicklung von Kindern so wichtig ist. Außerdem kann in diesem Rahmen Erlebtes reflektiert werden, was wiederum die Gehirnleistung des Kindes unterstützt. 

Um den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen in einem angemessenen Rahmen zu halten, ist es entscheidend, dass Eltern Gegenangebote und vor allem Bewegungsmöglichkeiten als Ausgleich schaffen. Denn wie bei so Vielem gilt auch beim Medienkonsum: Erst die Dosis macht das Gift. 

Wie YouTube und audiovisuelles Lernen die Bildungslandschaft verändern

Die Videoplattform YouTube ist aus den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Sie birgt durchaus Gefahren, sofern Kinder und Jugendliche keine Medienkompetenz erlernt haben. Andererseits nutzen viele Schülerinnen und Schüler YouTube, um Erklärvideos anzusehen, die sie bei Hausaufgaben und Prüfungen, aber auch bei künstlerischen Fächern wie Musik oder AGs unterstützen. Das ist das Ergebnis der Studie „Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019“ des unabhängigen Expertengremiums Rat für kulturelle Bildung. 

Dieser Trend hin zu Erklärvideos ändert laut Experten die klassische Bildungskonstellation von Lehren, Lernen und Wissen. Denn die Beliebtheit dieser Videos zeigt den Wunsch der Jugendlichen nach einem zeit- und ortsunabhängigen Lernen. Ein weiterer Vorteil von Lernvideos im Vergleich zum Unterricht ist, dass Schülerinnen und Schüler den Stoff immer wieder anschauen können und so in ihrem eigenen Tempo lernen. 

Gerade YouTube hat laut dieser Studie eine unerwartet hohe Bedeutung für den Bildungsbereich gewonnen: „YouTube ist primär kein pädagogisches Medium, aber es ist tatsächlich inzwischen ein weiteres, wichtiges Lern- und Bildungsmedium, das die Bildungslandschaft im Ganzen berührt und verändert“, wird Eckart Liebau, Vorsitzender des Expertenrats, im Online-Magazin bildungsklick zitiert.

Für Lehrerinnen und Lehrer sieht er die Möglichkeit, mittels Erklärvideos auf YouTube den Unterricht neu aufzubauen. Wichtig sei dabei Raum für Fragen und Reflexion des Gesehenen zu lassen. Der Studie zufolge wünschen sich 60 % der befragten 818 Schülerinnen und Schülern eine kritische Auseinandersetzung mit YouTube im Unterricht. 

Gefahr von Lernvideos 

Nichtsdestotrotz sollten Eltern und Lehrkräfte Lernvideos auf YouTube kritisch hinterfragen. Denn es handelt sich nur dann um ein Lernvideo, wenn der Ersteller vertrauenswürdig ist. Der Stoff muss nicht nur fachlich korrekt sein, sondern auch mit dem richtigen Vokabular vermittelt werden. Ansonsten führt das eher zu Verwirrung und erzeugt einen mangelnden bis gänzlich fehlenden Lerneffekt.

Quellen: „Besondere Kinder“, bildungsklick.de, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest

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