KfW 432 – Energetische Stadtsanierung als Schlüssel für klimaneutrale Quartiere
03.02.2026 | S. Horsch – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Das Förderprogramm „KfW 432 – Energetische Stadtsanierung“ unterstützt Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung integrierter Quartierskonzepte für Klimaschutz und Klimaanpassung. Mit Zuschüssen von bis zu 90 Prozent schließt das Programm die Lücke zwischen kommunaler Wärmeplanung und konkreter Umsetzung im Quartier. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick zu Förderinhalten, Antragsberechtigung, Quartiersversorgung und Erfolgsfaktoren für eine wirksame energetische Stadtsanierung.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist KfW 432? Programmstruktur und Fördergegenstand
- Antragsberechtigung und Förderhöhe bei KfW 432
- Integrierte Quartierskonzepte als strategische Grundlage
- Sanierungsmanagement: Von der Planung zur Umsetzung
- KfW 432 und kommunale Wärmeplanung: Die entscheidende Schnittstelle
- Fazit: KfW 432 als Motor der kommunalen Wärmewende
Was ist KfW 432? Programmstruktur und Fördergegenstand
Seit 2001 lassen Kommunen in Deutschland energetische Quartierskonzepte für sehr unterschiedliche Siedlungs- und Stadtstrukturen erstellen. Sie bedienen sich dabei der Förderrichtlinie „Energetische Stadtsanierung“ (KfW 432). Ziel ist es, den energetischen Modernisierungsbedarf systematisch zu erfassen, Entwicklungsziele zu definieren und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung zu entwickeln.
- Ein relevanter Anteil der untersuchten Quartiere umfasst Wohnanlagen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Diese sind oft im Besitz einer oder weniger Wohnungsgesellschaften.
- Weitere Untersuchungsgebiete betreffen zentrumsnahe Mischgebiete mit älteren Gebäudebeständen, die Wohnen, Dienstleistungen und kleinteiliges Gewerbe vereinen.
- Auch ehemals dörfliche Strukturen im Umland, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu Vororten mit Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Gewerbegebieten entwickelt haben, weisen heute vielfach energetischen Sanierungsbedarf auf.
Die Transformation deutscher Städte und Gemeinden hin zu klimaneutralen Quartieren zählt dabei zu den größten kommunalen Zukunftsaufgaben auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045. Mit der Wiederaufnahme des Förderprogramms „KfW 432 – Energetische Stadtsanierung: Zuschuss Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier“ im November 2025 steht Kommunen erneut ein zentrales Instrument zur Verfügung, um die Wärmewende auf Quartiersebene systematisch umzusetzen.
Nach dem Förderstopp Ende 2023 schließt das Förderprogramm KfW 432 nun eine entscheidende Lücke zwischen der strategischen kommunalen Wärmeplanung und der konkreten Umsetzung vor Ort. Das Programm verbindet Planung, Akteursbeteiligung und Umsetzung und ist damit ein zentraler Baustein für klimaneutrale Quartiere.
Das Förderprogramm KfW 432 basiert auf einem zweistufigen Ansatz, der sowohl die strategische Planung als auch die operative Umsetzung der energetischen Stadtsanierung adressiert:
Programmteil A: integrierte energetische Quartierskonzepte
Im Programmteil A wird die Erstellung integrierter energetischer Quartierskonzepte gefördert. Der maximale Zuschuss beträgt bis zu 200.000 Euro je Quartier. Ziel ist es, innerhalb von zwölf Monaten ein tragfähiges, umsetzungsorientiertes Konzept zu entwickeln.
Die Konzepte analysieren:
- den energetischen Ist-Zustand des Quartiers,
- Einspar- und Effizienzpotenziale,
- Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien,
- Optionen für klimafreundliche Mobilität, grüne Infrastruktur und Klimaanpassung.
Programmteil B: Sanierungsmanagement
Aufbauend auf dem Quartierskonzept fördert Programmteil B das Sanierungsmanagement mit bis zu 400.000 Euro je Quartier über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren. Das Sanierungsmanagement begleitet die Umsetzung, koordiniert Akteure und fungiert als zentrale Anlaufstelle für Förder- und Finanzierungsfragen.
Veranstaltungsempfehlung
Das Förderprogramm KfW 432 zeigt, wie integrierte energetische Quartierskonzepte und professionelles Sanierungsmanagement den Weg zu klimaneutralen Stadtteilen ebnen – mit der Qualifizierung als „DEKRA-zertifizierter Energiemanagementbeauftragter“ werden Sie zum gefragten Umsetzer dieser Strategien in der Praxis.
Antragsberechtigung und Förderhöhe bei KfW 432
Antragsberechtigt sind:
- kommunale Gebietskörperschaften,
- Gemeindeverbände,
- kommunale Zweckverbände,
- rechtlich unselbstständige Eigenbetriebe.
→ Eine Besonderheit des KfW 432 ist die Möglichkeit, Zuschüsse an Dritte weiterzugeben – etwa an Stadtwerke, Wohnungsunternehmen oder Bürgerenergiegenossenschaften. Dadurch wird die Wärmewende direkt bei den umsetzungsstarken Akteuren verankert.
Förderquoten im Überblick
- Regelförderung: 75 Prozent der förderfähigen Kosten
- Finanzschwache Kommunen: bis zu 90 Prozent Zuschuss
Gefördert werden sowohl Personal- als auch Sachkosten. Eine Kumulierung mit Landes- oder EU-Fördermitteln ist ausdrücklich möglich.
Integrierte Quartierskonzepte als strategische Grundlage
Das integrierte energetische Quartierskonzept steht im Zentrum energetischer Stadtsanierung. Es verknüpft technische, wirtschaftliche, soziale und städtebauliche Aspekte zu einer ganzheitlichen Strategie.
Zentrale Bausteine eines Quartierskonzepts
- Bestands- und Potenzialanalyse (Gebäude, Netze, Energieverbrauch)
- Zieldefinition und Maßnahmenkatalog
- Kosten- und Finanzierungsstrategie
- Umsetzungs- und Zeitplan
- Monitoring- und Controlling-Konzept
→ Seit der Programmerweiterung 2021 können auch Themen wie Klimaanpassung, Digitalisierung, grüne Infrastruktur und nachhaltige Mobilität integriert werden.
Sanierungsmanagement: von der Planung zur Umsetzung
Das Sanierungsmanagement übersetzt Konzepte in konkrete Maßnahmen. Es sichert Qualität, Tempo und Akzeptanz während der Umsetzung.
Aufgaben des Sanierungsmanagements
- Koordination der Maßnahmenumsetzung
- Aktivierung von Eigentümern und Wohnungswirtschaft
- Beratung zu Fördermitteln und Finanzierung
- Vernetzung von Stadtwerken, Verwaltung und Bürgern
- Dokumentation und Erfolgskontrolle
Gerade die kontinuierliche Kommunikation mit Bewohnern und Eigentümern ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der energetischen Stadtsanierung.
KfW 432 und kommunale Wärmeplanung: die wichtige Schnittstelle
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal des Förderprogramms KfW 432 ist die enge Verzahnung mit der kommunalen Wärmeplanung. Während die Wärmeplanung festlegt, wo Handlungsbedarf besteht, liefert das Programm die Antwort auf das Wie der Umsetzung.
Integrierte Quartierskonzepte entwickeln:
- Nah- und Fernwärmelösungen,
- dezentrale erneuerbare Versorgungssysteme,
- Effizienzmaßnahmen für Bestandsgebäude.
Damit wird die strategische Wärmeplanung operativ wirksam.
Fazit: Das Förderprogramm KfW 432 als Motor der kommunalen Wärmewende
Die Wiederaufnahme des Förderprogramms KfW 432 stärkt die energetische Stadtsanierung als zentrale kommunale Aufgabe. Das Programm ermöglicht es Städten und Gemeinden, strategische Wärmeplanung in konkrete Maßnahmen zu überführen – sozial ausgewogen, wirtschaftlich tragfähig und technisch fundiert.
Mit Förderquoten von bis zu 90 Prozent ist KfW 432 ein wichtiger Hebel für klimaneutrale Quartiere und ein unverzichtbares Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045.
Quellen: „Klimaanpassung an Gebäuden, Freiflächen sowie in der Stadt- und Landschaftsplanung“