Earn Out – Definition und unternehmerische Aspekte

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Earn Out ist ein variabler Kaufpreisbestandteil bei Unternehmenskäufen, der bei Erreichen bestimmter Ziele zusätzlich zum initialen Preis gezahlt wird, um Unsicherheiten im Kaufpreis zu minimieren. Dies ist besonders relevant, wenn der volle Unternehmenswert nicht sofort feststellbar ist oder bei unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer.

Vorteile und Nachteile von Earn Out:

Für den Käufer:

Der Preis basiert auf der tatsächlichen Unternehmensentwicklung, was zu einem gerechteren Preis führt.  Die im Rahmen eines Earn Outs anfallenden Restrukturierungsmaßnahmen können jedoch zu Interessenskonflikten führen.

Für den Verkäufer:

Der gesamte Verkaufspreis wird bei einer guten Unternehmensentwicklung meist höher ausfallen, allerdings können Integrations- und Restrukturierungsmaßnahmen während des Earn Out-Zeitraums zu zusätzlichen Unsicherheiten führen.

Gestaltung eines Earn Out-Modells:

Earn Out-Vereinbarungen enthalten meist finanzielle Ziele wie EBITDA oder Umsatz. Nicht-finanzielle Ziele können ebenfalls festgelegt werden, wie z.B. eine Mindestverbleibdauer des Verkäufers. Die Laufzeit variiert üblicherweise zwischen zwei und fünf Jahren, mit einem Anteil am Earn Out Preis von ca. 10-30%.

Praktische Anwendungen:

Earn Out dient als Risikoverteilungsinstrument zwischen Verkäufer und Käufer und kann zur Käuferbindung genutzt werden. Es ist auch hilfreich, wenn die finanzielle Situation des Käufers eine sofortige Vollzahlung nicht zulässt. Die korrekte Bilanzierung und Diskontierung zukünftiger Zahlungen sind dabei essenziell.

Steuerliche Betrachtungen und Unternehmensführung:

Die steuerliche Qualifizierung von Earn Out-Zahlungen hängt von ihrer Ausgestaltung ab. Es ist wichtig, die steuerlichen Auswirkungen nicht-finanzieller Zielgrößen zu berücksichtigen. Zudem sollten potenzielle Interessenskonflikte und Herausforderungen bei der Integration der Unternehmen im Earn Out-Zeitraum beachtet werden.

Fazit:

Earn Out kann bei Unternehmenskäufen eine Win-Win-Situation für beide Parteien schaffen. Eine sorgfältige Formulierung des Modells ist entscheidend, um eine effektive und faire Vereinbarung zu gestalten und mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden.