Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Sicherheitsbeauftragter (SiBe): Aufgaben, Bestellung und Abgrenzung zur Sifa

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Das siebte Sozialgesetzbuch (SGB VII) verpflichtet jedes Unternehmen, das regelmäßig mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, Sicherheitsbeauftragte (SiBe) zu bestellen. Doch welche Aufgaben übernehmen Sicherheitsbeauftragte, wie unterscheidet sich ihr Aufgabenbereich von dem der Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) und welche Verantwortung trägt ein SiBe?

Sicherheitsbeauftragter: Aufgaben  

Sicherheitsbeauftragte sind Beschäftigte eines Unternehmens, die in erster Linie eine beratende Funktion zum Thema Arbeitsschutz innehaben. Jeder Mitarbeiter, der die notwendige Sach- und Fachkunde mitbringt und sich freiwillig meldet, kann diese innerbetriebliche ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen. Es hat sich jedoch bewährt, solche Beschäftigte zum Sicherheitsbeauftragten zu bestellen, die schon länger Unternehmensmitglied sind und durch ihr Engagement im Arbeitsschutz aufgefallen sind. Nicht unerheblich ist zudem, dass ein SiBe einen guten Draht zu seinen Kollegen hat. 

Ein Sicherheitsbeauftragter erfüllt in erster Linie folgende Aufgaben: 

  • Er nimmt regelmäßig Kontrollgänge vor (im Idealfall gemeinsam mit einer Führungskraft) und prüft, ob sich im Unternehmen Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten befinden. Dabei achtet der beauftragte Beschäftigte insbesondere darauf, 
    • ob Schutzvorrichtungen vorhanden sind, Mitarbeiter diese nutzen und diese voll funktionsfähig sind.
    • ob ggf. alle Mitarbeiter die persönliche Schutzausrüstung tragen bzw. richtig anwenden.  
    • ob sich aus den betrieblichen Arbeitsabläufen potenzielle Gefährdungen ergeben.  
    • dass sich Werkzeuge und (elektrische) Betriebsmittel in einem einwandfreien Zustand befinden. Im Detail prüft der Beauftragte für Arbeitssicherheit, ob z. B. Verkehrswege sicher sind, Gruben und Luken abgedeckt sind oder Leitern und Tritte den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. 
    • dass Gefahrstoffe richtig gelagert werden und sicher mit ihnen umgegangen wird. 
    • ob Mitarbeiter die vorgeschriebene Arbeitshygiene einhalten.
  • Fallen dem SiBe Mängel auf, meldet er diese unverzüglich der Geschäftsführung. Dasselbe gilt auch für (Beinah-)Unfälle. 
  • Sicherheitsbeauftragte machen Vorschläge zur Verbesserung des Arbeitsschutzes und unterstützen den Unternehmer bei der Durchführung von Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. 
  • Der Sicherheitsbeauftragte berät seine Kollegen im sicheren Umgang mit Betriebsmitteln und Arbeitsstoffen sowie zum sicherheitswidrigen und gefährdenden Verhalten.
  • Ergänzend zu den Erstunterweisungen und Wiederholungsbelehrungen von Beschäftigten macht der Beauftragte neu eingestellte Kollegen oder Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz wechseln mussten, über die Gefahren am Arbeitsplatz aufmerksam. 
  • Ein Sicherheitsbeauftragter weist seine Kollegen auf sicherheitswidriges und gefährdendes Verhalten hin. Hat er einen guten Draht zu seinen Kollegen wird er diese Aufgabe wirkungsvoll ausführen können. 
  • Um die Vorgaben des Arbeitsschutzes ordnungsgemäß umsetzen zu können, muss sich der beauftragte Beschäftigte mit den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und betrieblichen Vorgaben (Betriebsanweisungen) vertraut machen. 
  • Der SiBe nimmt an Betriebsbegehungen und Untersuchungen von Unfall- und Berufskrankheiten teil.   

Ein Sicherheitsbeauftragter ist außerdem Ansprechpartner vor Ort in allen Fragen des Arbeitsschutzes und nimmt an betriebsinternen Sitzungen des Arbeitsgremiums teil, wo er Vorschläge zur Verbesserung des Arbeitsschutzes einbringt. 

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Hinweis: Jeder Arbeitgeber ist gemäß Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, um die Gefährdungen im Unternehmen oder für bestimmte Tätigkeiten zu analysieren und zu beurteilen. Gemäß DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, die die Anforderungen an einen Sicherheitsbeauftragten beschreibt, ist es zwingende Voraussetzung, dass ein SiBe die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung kennt. Es ist deshalb zu empfehlen, den Beauftragten an der Durchführung der Gefährdungsanalyse zu beteiligen. 

SiBe und Sifa: Der Unterschied liegt im Aufgabengebiet und der Haftung  

Sicherheitsbeauftragte haben grundsätzlich nur Beratungs- und Unterstützungspflichten, nicht aber Durchführungsaufgaben. Außerdem kann jeder Beschäftigte, der sich für den Arbeitsschutz engagiert und Kenntnisse im jeweiligen Tätigkeitsbereich mitbringt, Sicherheitsbeauftragter werden.  

Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) hat dagegen weitreichendere Aufgaben und trägt mehr Verantwortung. Auch die Sifa hat eine Unterstützungs- und Beratungsfunktion im Unternehmen, jedoch ist sie viel mehr in die Prozesse zur Arbeitssicherheit eingebunden. So ist die Sifa z. B. direkt in die Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsmitteln eingebunden. Sie gibt nicht nur Empfehlungen zum Arbeitsschutz ab, sondern ist aktiv an der Durchführung beteiligt. 

Hinzukommt, dass eine Sifa zwingend eine sicherheitstechnische Fachkunde mitbringen muss. Der Beschäftigte muss also eine entsprechende Berufsbezeichnung als Ingenieur, Techniker oder Meister tragen. Überträgt ein Arbeitgeber dem Sicherheitsbeauftragten keine Verantwortung, kann ein SiBe für seine Beratung nicht haftbar gemacht werden, immerhin führt der SiBe seine Tätigkeit ehrenamtlich neben seinem eigentlichen Beruf aus. Anders sieht das bei der Sifa aus, die ihre Aufgaben hauptamtlich erfüllt – diese kann für ihr Handeln haftbar gemacht werden. 

Gemeinsam haben SiBe und Sifa, dass in den einschlägigen gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften ein vorgegebener Aufgabenkatalog definiert ist – für Brandschutzbeauftragte oder Gefahrstoffbeauftragte ist das z. B. nicht der Fall. 

Pflichten des Arbeitgebers gegenüber einem SiBe 

Damit Sicherheitsbeauftragte ihre Aufgaben erfüllen können, haben auch Arbeitgeber ihnen gegenüber folgende Pflichten: 

  • Der Arbeitgeber muss dem Sicherheitsbeauftragten die Gelegenheit einräumen, seine Aufgaben während der Arbeitszeit zu erfüllen und darf ihn deswegen nicht benachteiligen.  
  • Der SiBe muss die Möglichkeit bekommen, an Betriebsbesichtigungen teilzunehmen und sollte die Ergebnisse von Unfalluntersuchungen erfahren.

Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten 

Jeder Betrieb, der regelmäßig mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, muss gemäß § 22 Abs. 1 Siebtes Sozialgesetzbuch (SGB VII) Sicherheitsbeauftragte bestellen. Zudem kann der Unfallversicherungsträger anordnen, auch dann einen Sicherheitsbeauftragten zu bestellen, wenn in einem Unternehmen besondere Gefahren für Leben und Gesundheit der Beschäftigten vorherrscht. An der Bestellung eines SiBe ist immer der Betriebs- oder Personalrat zu beteiligen. 


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Wie viele SiBe muss ein Unternehmen bestellen? 

Wie viele Sicherheitsbeauftragte ein Unternehmen bestellen muss, ist in der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ geregelt. Diese DGUV-Vorschrift definiert fünf verbindliche Kategorien, die der Arbeitgeber bei der Bestellung zu berücksichtigen hat: 

  1. Bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren im Unternehmen
    Je mehr Gefährdungen für Beschäftigte vorliegen, desto eher ist der Bedarf nach SiBes gegeben. 
  2. Anzahl der Beschäftigten
    Ein Sicherheitsbeauftragter sollte die Beschäftigten kennen, die er zu betreuen hat. Deshalb ist es sinnvoll, mehr Sicherheitsbeauftragte zu bestellen, je mehr Mitarbeiter beschäftigt werden. 
  3. Räumliche Nähe zu den Mitarbeitern
    Damit der Sicherheitsbeauftragte seine Aufgabe als Ansprechpartner vor Ort erfüllen kann, sollte eine räumliche Nähe zu den Beschäftigten gegeben sein. Dieser Punkt ist besonders hinsichtlich Filialen relevant. 
  4. Zeitliche Nähe
    Dieses Kriterium sollten solche Arbeitgeber besonders beachten, deren Beschäftigte im Schichtbetrieb arbeiten. Der SiBe sollte die Gefährdungen aller Schichten kennen und in den Übergabezeiten als Ansprechpartner zu Verfügung stehen. Ist das nicht möglich, sollte der Arbeitgeber einen weiteren Sicherheitsbeauftragten bestellen. 
  5. Fachliche Nähe
    Sicherheitsbeauftragte sollten in der Lage sein, Gefährdungen im jeweiligen Arbeitsbereich fachlich richtig einzuschätzen. Aus diesem Kriterium heraus kann sich die Notwendigkeit ergeben, für jeden Bereich einen SiBe zu bestellen. 

Quellen: „Sicherheitshandbuch auf CD-ROM“ (Auszüge aus der Vorlage: „Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten“), BGHM, BGW-online, BGHM 

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