Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Sicherheitsunterweisung – So kommen Unternehmen ihrer jährlichen Pflicht nach

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Um Arbeitsunfälle zu vermeiden und den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter zu gewährleisten, sind Unternehmen verpflichtet, ihre Mitarbeiter regelmäßig zu unterweisen. Für eine erhöhte Wirksamkeit sollten die Inhalte und die Auswahl der Teilnehmer gut durchdacht sein.

Inhaltsverzeichnis

Rechtliche Grundlagen der Sicherheitsunterweisung
Wer muss unterweisen?
Wann ist die Unterweisung durchzuführen?
Ziele der Unterweisung
Wie eine Sicherheitsunterweisung ausgestalten?
Inhalte der Unterweisung
Dokumentation der Sicherheitsunterweisung
Häufige Fehler bei einer Unterweisung
Konsequenzen bei Nichtbeachtung

Rechtliche Grundlagen der Sicherheitsunterweisung 

Jeder Beschäftigte hat ein Recht auf einen gefährdungsfreien Arbeitsplatz. Für Arbeitgeber bedeutet das, dass sie Sicherheit und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten haben. Um dieser Verpflichtung gemäß § 12 Arbeitsschutzgesetz nachzukommen, müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten u. a. regelmäßig bezüglich der Gefährdungen unterweisen, die während der Ausübung ihrer Tätigkeit auftreten können. 

Zur Gestaltung einer vollständigen Sicherheitsunterweisung muss der Unternehmer die geltenden Gesetze und Verordnungen beachten, die für die Unterweisung am Arbeitsplatz von Bedeutung sind. Wichtigste Rechtsquellen sind: 

Gesetze 

  • § 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) 
  • § 15 Siebtes Sozialgesetzbuch (SGB VII) 
  • § 14 Mutterschutzgesetz (MuSchG) 
  • § 29 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) 
  • § 81 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)

Verordnungen / Unfallverhütungsvorschriften 

  • § 12 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • § 14 (2) Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) 
  • § 6 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) 
  • § 4 DGUV Vorschrift 1

Je nach Branche müssen Arbeitgeber zudem spezielle Vorschriften wie die Unfallverhütungsvorschriften berücksichtigen.  

Wer muss unterweisen? 

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet grundsätzlich nur den Unternehmer bzw. Geschäftsführer zur Durchführung einer Sicherheitsunterweisung. In der Praxis wird diese Pflicht jedoch regelmäßig an die Vorgesetzten der einzelnen Mitarbeiter übertragen (was schriftlich zu erfolgen hat). Die Verantwortung bleibt in diesem Fall aber weiterhin beim Arbeitgeber. Gängige Praxis ist es zudem, die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) mit der Unterweisung zu beauftragen. 

Praxistipp: Eine Sicherheitsunterweisung durch den Vorgesetzten erscheint sinnvoller als durch eine Sifa. Zum einen, weil Beschäftigte auf diese Weise mehr Vertrauen aufbauen. Zum anderen, weil der Vorgesetzte die Gefährdungen, die in seinem Verantwortungsbereich auftreten können, selbst besser kennenlernt. 

Wann ist die Unterweisung durchzuführen?

Der Zeitpunkt der Sicherheitsunterweisungen ist genau festgelegt: 

  • Vor Aufnahme der Tätigkeit (Erstunterweisung) 
  • Mindestens einmal jährlich (Wiederholungsunterweisung) 
  • Bei Versetzungen an einen anderen Arbeitsplatz (Anlassbezogene Unterweisung)
  • Bei wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz (Anlassbezogene Unterweisung)

Für Jugendliche wird zudem eine gesonderte Erstunterweisung notwendig, weil das Arbeitsschutzgesetz besondere Regelungen für Personen unter 18 Jahren definiert. 

Ziele der Unterweisung

Durch Sicherheitsunterweisungen sollen Mitarbeiter 

  • Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz erkennen (Prävention), 
  • damit verbundene Risiken richtig einschätzen und geeignete Maßnahmen zur Gegenabwehr kennen,
  • über die Fähigkeit verfügen, ihre Arbeit sicher auszuführen sowie 
  • gewohnheitsmäßig sicher handeln und für den Arbeitsschutz motiviert werden.  

Wie eine Sicherheitsunterweisung ausgestalten?

Festlegung des Unterweisungstermins 

Unterweisungen sollten nach Möglichkeit direkt nach Arbeitsbeginn oder im Anschluss an Arbeitspausen geplant werden. Dann sind die Arbeitnehmer noch bzw. wieder voll aufnahmefähig.  

Dauer einer Unterweisung 

Die Dauer der Sicherheitsunterweisung richtet sich nach der Teilnehmerzahl, dem Unterweisungsthema sowie dem Unterweisungsziel, und kann somit unterschiedlich ausfallen. Im Allgemeinen sollte die Dauer jedoch 30 Minuten nicht überschreiten, sonst sinkt die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu stark. Umfangreichere Unterweisungen sollten durch Pausen, die mindestens 10 Minuten dauern, aufgelockert oder auf mehrere Termine gesplittet werden. 

Hinweis: Mehrfach stattfindende Unterweisungen sind weitaus effektiver als einmal jährlich stattfindende.

Räumliche Voraussetzungen 

Die unterweisende Person sollte in jeden Fall einen Ort wählen, an dem keine Störungen durch Lärm, Telefon oder unbeteiligte Personen auftreten können. Unterweisungen können auch vor Ort durchgeführt werden, so ist bei Fragestellungen ein unmittelbarer Bezug vorhanden.  

Auswahl der Teilnehmer 

Bei der Auswahl der Teilnehmer sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Unterweisungsinhalte für alle Teilnehmer von gleicher Bedeutung und gleich relevant sind. Dafür sollte unbedingt der aktuelle Kenntnis- und Erfahrungsstand einzelner Beschäftigter berücksichtigt werden.

Die Teilnehmerzahl sollte 15 nicht überschreiten. Bei zu vielen Teilnehmern ist der Erfolg der Sicherheitsunterweisung höchst fragwürdig. 

Inhalte der Unterweisung 

Die Sicherheitsunterweisung sollte sowohl allgemeine Themen behandeln, als auch Themen, die im direkten Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen.  

Hinweis: Im Anschluss an die Unterweisung ist eine Lernerfolgskontrolle durchzuführen. 

Unterweisungsthemen im Überblick (Auswahl) 

Thema Inhalt  Zielgruppe
Arbeitsschutz Allgemein  Gefahren und Schutzmaßnahmen, sicherheitsgerechtes Verhalten Alle Arbeitnehmer 
Verhalten im Gefahrenfall Flucht- und Rettungsplan, Übungen  Alle Arbeitnehmer 
Erste Hilfe  Verhalten bei Unfällen  Alle Arbeitnehmer 
Gefahrstoffe  Gefahren, Schutzmaßnahmen, Umgang mit Gefahrstoffen  Beschäftigte, die mit Gefahrstoffen umgehen 
Heben und Tragen  Gesundheitsgefahren, richtiges Heben und Tragen  Beschäftigte, die mit Lasten umgehen 
Maschinen, Geräte,  Werkzeuge oder Anlagen Gefahren, richtiger Umgang mit Arbeitsmitteln, Verhalten bei Störungen  Beschäftigte, die mit Maschinen, Werkzeugen und Anlagen umgehen
Persönliche Schutzausrüstung  Umgang mit PSA  Beschäftigte, die PSA tragen müssen 
Lärm  Höhe der Belastungen, Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen  Alle Arbeitnehmer 
Baustellen  Gefahren und Schutzmaßnahmen Beschäftigte auf Baustellen 
Biologische Arbeitsstoffe  Gefahren, Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln  Beschäftigte, die mit biologischen Arbeitsstoffen umgehen
Unterweisung Jugendlicher  Unfall- und Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen  Minderjährige Arbeitnehmer
Vibrationen  Höhe der Belastung, Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen  Beschäftigte, die von Vibrationen betroffen sind 
Mutterschutz 

Besondere Gefahren für werdende und stillende Mütter 

Arbeitnehmerinnen im gebärfähigen Alter 

Vorlagen für Sicherheitsunterweisungen 

Editierbare Vorlagen in Form von PowerPoint®-Präsentation sowie Unterweisungsfilmen zu allgemeinen Unterweisungsthemen wie z. B. Brandschutz oder Datenschutz sind in der Software „Unterweisung direkt“ enthalten. Mit dieser Software erstellen Sie zudem ganz einfach Unterweisungen, die an die Belange in Ihrem Unternehmen angepasst sind. Gleichzeitig werden Sie automatisch daran erinnern, bei welchen Mitarbeitern die verpflichtende Jahresunterweisung ansteht. 

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Dokumentation der Sicherheitsunterweisung 

Die Unterrichtung muss dokumentiert werden und sollte mindestens Folgendes festhalten: 

  • Inhalt
  • Zeitpunkt
  • Unterschrift der unterwiesenen Mitarbeiter

Dokumentationsunterlagen müssen Arbeitgeber mindestens zwei Jahre aufbewahren, um in einem kritischen Fall einen Nachweis für eine erfolgreich durchgeführte Unterweisung zu haben. 

Häufige Fehler bei einer Unterweisung 

  1. Unpassende Ortsauswahl
  2. Falscher Zeitpunkt
  3. Zu willkürliche Auswahl der Teilnehmer
  4. Keinen Wert und keine Ziele vermittelt
  5. Falsche Themen, unvollständige Inhalte
  6. Mängel bei der Didaktik
  7. Zu langweilige oder ermüdende Gestaltung
  8. Zu lange Unterweisung
  9. Fehlender Abschluss inkl. Feedback  

Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Unterweisungspflicht

Arbeitgeber, die ihrer Unterweisungspflicht nicht nachkommen, müssen mit Schadensersatzforderungen rechnen. Denn nach Arbeitsunfällen wird grundsätzlich ermittelt, ob der verunfallte Beschäftigte ordnungsgemäß über die Gefahren an seinem Arbeitsplatz unterwiesen wurde. Hierbei wird auch die persönliche Haftung des Unternehmers geprüft

Als Ursache für Arbeitsunfälle ist die fehlende Sicherheitsunterweisung zudem mit einem kaum vorhersehbaren Anwachsen von Betriebskosten verbunden (Arbeitsunfähigkeit, Produktionsstopp etc.). Die normgerechte Unterweisung von Beschäftigten sichert folglich neben Rechtsfolgen die Planbarkeit der Betriebskosten.  

Quelle: „Unterweisung direkt“

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