Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Sicherheitsunterweisung – So kommen Unternehmer ihrer jährlichen Unterweisungspflicht nach

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Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen, Sicherheitsunterweisungen durchzuführen, um Mitarbeiter hinsichtlich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu unterweisen. Die Arbeitsschutzunterweisung ist auf den jeweiligen Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich auszurichten. Für eine erhöhte Wirksamkeit der Unterweisung sollten die Inhalte und die Auswahl der Teilnehmer gut durchdacht sein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche rechtlichen Grundlagen fordern eine Sicherheitsunterweisung?
  2. Wann und wie muss eine Sicherheitsunterweisung durchgeführt werden?
  3. Wer darf Mitarbeiter unterweisen?
  4. Warum sind jährliche Sicherheitsunterweisungen notwendig?
  5. Wie eine Sicherheitsunterweisung durchführen?
  6. Was muss eine Sicherheitsunterweisung beinhalten?
  7. Was muss die Dokumentation einer Unterweisung enthalten?
  8. Welche Fehler passieren vermehrt bei der Unterweisung?
  9. Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Unterweisungspflicht

Welche rechtlichen Grundlagen fordern eine Sicherheitsunterweisung? 

Um Arbeitsunfälle zu vermeiden und den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu verbessern, müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten regelmäßig (mindestens jährlich) über die Gefährdungen am jeweiligen Arbeitsplatz bzw. bei Ausübung der jeweiligen Tätigkeit unterweisen. Diese Unternehmerpflicht ergibt sich im Allgemeinen aus dem Arbeitsschutzgesetz. Es gelten aber auch weitere gesetzliche Vorschriften sowie DGUV-Vorschriften, die direkt Bezug auf konkrete Tätigkeiten bzw. Mitarbeiter nehmen:

Gesetze 

Verordnungen / Unfallverhütungsvorschriften 

§ 12 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)  § 12 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
§ 15 Siebtes Sozialgesetzbuch (SGB VII)  § 14 (2) Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) 
§ 14 Mutterschutzgesetz (MuSchG)  § 6 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) 
§ 29 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)  § 4 DGUV Vorschrift 1
§ 81 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) Je nach Branche müssen Arbeitgeber zudem spezielle Vorschriften wie die Unfallverhütungsvorschriften berücksichtigen.  

Wann und wie oft muss eine Sicherheitsunterweisung durchgeführt werden?

Der Zeitpunkt der Sicherheitsunterweisungen ist genau festgelegt: 

  • vor Aufnahme der Tätigkeit (Erstunterweisung) 
  • mindestens ein Mal im Jahr (jährliche Wiederholungsunterweisung) 
  • bei Versetzungen an einen anderen Arbeitsplatz (anlassbezogene Unterweisung)
  • bei wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz (anlassbezogene Unterweisung)

Für Jugendliche wird zudem eine gesonderte Erstunterweisung notwendig, weil das Arbeitsschutzgesetz besondere Regelungen für minderjährige Personen definiert. 

Wer darf Mitarbeiter unterweisen? 

Die Unterweisung von Mitarbeitern ist eine Unternehmerpflicht. Deshalb liegt die Verantwortung für die Durchführung einer Sicherheitsunterweisung beim Unternehmer bzw. Geschäftsführer. In der Praxis wird diese Pflicht jedoch regelmäßig an die Vorgesetzten der einzelnen Mitarbeiter in Form einer schriftlichen Pflichtenübertragung überlassen. Gängig ist zudem, dass Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) Mitarbeiter unterweisen. Die Verantwortung bleibt aber in jedem Fall weiterhin beim Unternehmer/Geschäftsführer.

Praxistipp: Eine Sicherheitsunterweisung durch den Vorgesetzten erscheint sinnvoller als durch eine Sifa. Zum einen, weil Beschäftigte auf diese Weise mehr Vertrauen aufbauen. Zum anderen, weil der Vorgesetzte die Gefährdungen, die in seinem Verantwortungsbereich auftreten können, besser kennt bzw. diese auf diese Weise kennenlernt. Es schadet jedoch nicht, vorab fachlichen Rat bei der Sifa einzuholen. 

Warum sind jährliche Sicherheitsunterweisungen notwendig?

Sicherheitsunterweisungen sind jährlich bzw. aus genannten Anlässen durchzuführen, damit Mitarbeiter 

  • ausreichend über Gefährdungen und Belastungen, die mit dem jeweiligen Arbeitsplatz bzw. der jeweiligen Tätigkeit zusammenhängen, unterwiesen werden (Prävention), 
  • mit ihrer Arbeitsaufgabe verbundene Risiken richtig einschätzen können und geeignete Maßnahmen zur Gegenabwehr kennen,
  • über die Fähigkeit verfügen, ihre Arbeit selbstständig sicher auszuführen,
  • gewohnheitsmäßig sicher handeln und für den Arbeitsschutz motiviert werden.  

Wie eine Sicherheitsunterweisung durchführen?

Wie die Unterweisung letztlich durchgeführt wird, liegt im Ermessen der unterweisenden Person. Wichtig ist nur, dass alle sicherheitsrelevanten Themen und Risiken benannt werden. Bei der Vorbereitung einer Sicherheitsunterweisung sollten Unternehmen jedoch folgende Aspekte bedenken: 

Wann unterweisen? 

Eine Unterweisung sollten nach Möglichkeit direkt nach Arbeitsbeginn oder im Anschluss an Arbeitspausen geplant werden. Dann sind die Arbeitnehmer noch bzw. wieder voll aufnahmefähig. In der Regel ist die Unterweisung in der Arbeitszeit durchzuführen. 

Wie lange dauert eine Unterweisung? 

Die Dauer der Sicherheitsunterweisung richtet sich nach der Teilnehmerzahl, dem Unterweisungsthema sowie dem Unterweisungsziel, und kann somit unterschiedlich ausfallen. Die Unterweisung sollte jedoch nicht mehr 30 Minuten dauern, sonst sinkt die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu stark ab. Umfangreichere Unterweisungen sollten durch Pausen aufgelockert oder auf mehrere Termine gesplittet werden. 

Hinweis: Mehrfach im Jahr stattfindende Sicherheitsunterweisungen sind weitaus effektiver als einmal jährlich stattfindende.

Wo sollte unterwiesen werden?

Die unterweisende Person sollte in jeden Fall einen Ort wählen, an dem keine Störungen durch Lärm, Telefon oder unbeteiligte Personen auftreten können. Eine Unterweisung kann auch vor Ort durchgeführt werden, so ist bei Fragestellungen ein unmittelbarer Bezug zum Inhalt der Unterweisung vorhanden.  

Wer sollte an der Sicherheitsunterweisung teilnehmen?

Bei der Auswahl der Teilnehmer sollten Arbeitgeber darauf achten, dass die Unterweisungsinhalte für alle Teilnehmer gleich relevant sind. Entscheidend ist der Kenntnis- und Erfahrungsstand einzelner Beschäftigter.

Die Teilnehmerzahl sollte 15 nicht überschreiten. Bei zu vielen Teilnehmern ist der Erfolg der Sicherheitsunterweisung höchst fragwürdig. 

Was muss eine Sicherheitsunterweisung beinhalten?

Inhalte einer Sicherheitsunterweisung sind sowohl allgemeine Themen, die für alle Mitarbeiter von Belang sind, als auch Themen, die im direkten Zusammenhang mit der jeweiligen Tätigkeit stehen. Im Anschluss an die Unterweisung ist eine Lernerfolgskontrolle durchzuführen, um zu erfahren, ob die Inhalte verstanden wurden und relevant waren. 

Unterweisungsthemen im Überblick (Auswahl) 

Thema Inhalt Zielgruppe
Arbeitsschutz allgemein  Gefahren und Schutzmaßnahmen, sicherheitsgerechtes Verhalten alle Arbeitnehmer 
Verhalten im Gefahrenfall Flucht- und Rettungsplan, Übungen  alle Arbeitnehmer 
Erste Hilfe  Verhalten bei Unfällen  alle Arbeitnehmer 
Gefahrstoffe  Gefahren, Schutzmaßnahmen, Umgang mit Gefahrstoffen  Beschäftigte, die mit Gefahrstoffen arbeiten 
Heben und Tragen  Gesundheitsgefahren, richtiges Heben und Tragen  Beschäftigte, die mit Lasten umgehen 
Maschinen, Geräte,  Werkzeuge oder Anlagen Gefährdungen, richtiger Umgang mit Arbeitsmitteln, Verhalten bei Störungen  Beschäftigte, die mit Maschinen, Werkzeugen und Anlagen umgehen
Persönliche Schutzausrüstung  Umgang mit PSA  Beschäftigte, die PSA tragen müssen 
Lärm  Höhe der Belastungen, Gesundheitsgefährdung, Schutzmaßnahmen  alle Arbeitnehmer 
Baustellen  Risiken und Schutzmaßnahmen Beschäftigte auf Baustellen 
Biologische Arbeitsstoffe  Gefahren, Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln  Beschäftigte, die mit biologischen Arbeitsstoffen arbeiten
Jugendschutz Unfall- und Gesundheitsgefahren, Schutzmaßnahmen  minderjährige Mitarbeiter
Vibrationen  Höhe der Belastung, Gesundheitsgefährdungen, Schutzmaßnahmen  Beschäftigte, die von Vibrationen betroffen sind 
Mutterschutz 

Besondere Risiken für werdende und stillende Mütter 

schwangere und stillende Mitarbeiterinnen 

Vorlagen für Sicherheitsunterweisungen 

Editierbare Vorlagen in Form von PowerPoint®-Präsentation sowie Unterweisungsfilmen zu allgemeinen Unterweisungen wie Arbeitsschutz, Brandschutz oder Datenschutz sind in der Software „Unterweisung direkt“ enthalten. Mit dieser Software erstellen Verantwortliche zudem ganz einfach Unterweisungen, die an die Belange des jeweiligen Unternehmens angepasst sind. 

Konkrete Vorlagen aus „Unterweisung direkt“:

  • Unterweisung für sicheres Arbeiten im Büro
  • Unterweisung für den Umgang mit Gefahrstoffen
  • Unterweisungen für das Arbeiten mit Leitern
  • Unterweisung für Schwangere
  • Unterweisung für Beschäftigte auf Baustellen

Die Software enthält zahlreiche weitere Präsentationsvorlagen zu Sicherheitsunterweisungen, die Unternehmer direkt einsetzen und so wertvolle Zeit sparen können. Gleichzeitig werden sie automatisch daran erinnert, bei welchen Beschäftigten die verpflichtende Jahresunterweisung ansteht. 

Ausschnitt: Unterweisung bei Auszubildenden 

Was muss die Dokumentation einer Unterweisung enthalten? 

Unternehmer müssen die erfolgreiche Durchführung einer Unterweisung dokumentieren, um nachweisen zu können, dass Mitarbeiter ausreichend unterwiesen wurden. Die Dokumentation sollte mindestens Folgendes festhalten: 

  • Inhalt
  • Zeitpunkt
  • Unterschrift der unterwiesenen Mitarbeiter

Die Dokumentation ist mindestens zwei Jahre aufzubewahren, um in einem kritischen Fall einen Nachweis für eine erfolgreich durchgeführte Unterweisung zu haben. Auf keinen Fall sollten Unternehmen die Dokumentation einer Unterweisung vernachlässigen. 

Welche Fehler passieren vermehrt bei der Unterweisung?

Ob eine Sicherheitsunterweisung ausreichend Wirkung bei den Mitarbeitern zeigt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Deshalb sollten unterweisende Personen folgende Fehler nicht machen: 

  1. unpassende Ortsauswahl
  2. falscher Zeitpunkt
  3. willkürliche Auswahl der Teilnehmer
  4. keinen Wert und keine Ziele vermittelt
  5. falsche Themen, unvollständige Inhalte
  6. Mängel bei der Didaktik
  7. zu langweilige oder ermüdende Gestaltung
  8. zu lange Unterweisung
  9. fehlender Abschluss inkl. Feedback  

Welche Konsequenzen drohen bei Nichtbeachtung der Unternehmerpflicht?

Unternehmer, die ihrer Unterweisungspflicht nicht nachkommen, müssen mit Schadensersatzforderungen rechnen. Denn nach Arbeitsunfällen wird grundsätzlich ermittelt, ob der verunfallte Mitarbeiter ordnungsgemäß und ausreichend unterwiesen wurde. Hierbei wird auch die persönliche Haftung des Unternehmers geprüft

Als Ursache für Arbeitsunfälle ist die fehlende Sicherheitsunterweisung zudem mit einem kaum vorhersehbaren Anwachsen von Betriebskosten verbunden (Arbeitsunfähigkeit, Produktionsstopp etc.). Die normgerechte Unterweisung von Mitarbeitern sichert folglich auch die Planbarkeit der Betriebskosten.  

Quelle: „Unterweisung direkt“

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