Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Neufassung der TRGS 400 erschienen: Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 08.09.2017 die neue Fassung der Technischen Regeln für Gefahrstoffe, TRGS 400, im Gemeinsamen Ministerialblatt (GBMI) veröffentlicht und damit die Ausgabe vom Dezember 2010 ersetzt.

TRGS 400: Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung 

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) werden vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) ermittelt und angepasst, so wie im aktuellen Fall der TRGS 400. Diese Technische Regel beschreibt Vorgehensweisen zur Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung nach § 6 GefStoffV

Sie verpflichtet den Arbeitgeber, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, um Gefahren für Beschäftigte zu analysieren und Maßnahmen dagegen zu treffen. Der Arbeitgeber muss gewährleisten, dass die Gefährdungsbeurteilung ausschließlich von fachkundigem Personal durchgeführt wird, und dafür sorgen, dass die auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung getroffenen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden und wirksam sind. Sämtliche Erkenntnisse und Maßnahmen müssen rechtssicher dokumentiert werden. 

Die Anforderungen an die Kenntnisse einer Fachperson können je nach Branche, Betrieb und der zu beurteilenden Tätigkeit variieren und müssen nicht in einer Person vereint sein. 

Grundsätze zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 

Für die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung im Sinne der TRGS 400 ist eine Beurteilung der mit den Tätigkeiten verbundenen

  • inhalativen (durch Einatmen),
  • dermalen (durch Hautkontakt),
  • oralen (durch Verschlucken) oder
  • physikalisch-chemischen (z. B. Brand- und Explosionsgefahr)

Gefährdungen grundlegend. Zudem müssen Tätigkeiten, Arbeitsabläufe, Verfahren, Arbeits-, Betriebs- und Umgebungsbedingungen auf Gefahrenquellen geprüft werden. 

Die Gefährdungsbeurteilung muss in regelmäßigen Abständen und bei bestimmten Anlässen durchgeführt werden. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn sich Betriebs - oder Verfahrensweisen ändern oder neue Erkenntnisse bezüglich der Stoffeigenschaften vorliegen. 

Generell gilt, dass eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufgenommen werden darf, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde.

TRGS 400 lässt Handlungsempfehlungen Dritter zu

Handlungsempfehlungen, Hilfestellungen Dritter oder gleichwertige Dokumente und Berichte können gemäß TRGS 400 zur Unterstützung bei der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung verwendet werden. Dies können sein: 

  • stoff- oder tätigkeitsbezogene TRGS, 
  • branchen- oder tätigkeitsspezifische Handlungsempfehlungen, 
  • vorhandene Gefährdungsbeurteilungen Dritter oder
  • verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 

Die Verwendung von Handlungsempfehlungen entbindet den Arbeitgeber aber nicht von seinen sonst gemäß der TRGS 400 geltenden Pflichten. 

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Sicherheitsdatenblätter auf Fehler prüfen 

Als wichtigste Informationsquelle für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Stoffen und Gemischen gelten deren Sicherheitsdatenblätter. Der Arbeitgeber muss diese auf unvollständige, widersprüchliche oder lückenhafte Angaben überprüfen und ggf. ein korrektes Sicherheitsdatenblatt beim Lieferanten anfordern. 

Bekommt der Arbeitgeber diese Informationen nicht, muss er sie selbst beschaffen. Gelingt auch das nicht, hat er Gefährdungen, zu denen keine Informationen vorliegen, als vorhanden einzustufen und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Alternativ kann er sich darauf beschränken, nur solche Stoffe und Gemische zu verwenden, für die der Lieferant Informationen bereitstellen kann. 

Gefahrstoffverzeichnis nach TRGS 400 

Gefahrstoffe, die im Zuge der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 400 ermittelt wurden, müssen in einem Gefahrstoffverzeichnis festgehalten werden. Dieses Gefahrstoffverzeichnis muss mindestens folgende Angaben enthalten: 

  • Bezeichnung des Gefahrstoffs,
  • Einstufung des Gefahrstoffs nach der CLP-Verordnung oder sonstige Eigenschaften, die den Stoff zu einem Gefahrstoff machen,
  • Angaben zu den Mengenbereichen, die im Betrieb verwendet werden, 
  • Bezeichnung der Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte den Gefahrstoffen ausgesetzt sein könnte und 
  • Verweis auf die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter

Dieses Gefahrstoffverzeichnis kann als Bestandteil der Dokumentation nach Nummer 8 verwendet werden. 

Tätigkeiten mit geringer Gefährdung gemäß TRGS 400 – Beispiele

Die TRGS 400 stuft eine Tätigkeit als geringe Gefährdung ein, wenn aufgrund der Eigenschaften des Gefahrstoffs, der Arbeitsbedingungen, einer nur geringen verwendeten Stoffmenge und einer niedrigen Exposition einzelne Maßnahmen nach § 8 GefStoffV ausreichen, um Beschäftigte zu schützen.  

Eine Tätigkeit mit einer geringen Gefährdung liegt z. B. vor, wenn  

  1. Gefahrstoffe verwendet werden, die auch für den privaten Endverbraucher frei zugänglich sind. Und wenn diese unter haushaltsüblichen Bedingungen verwendet werden, um z. B. kleine Lackschäden mit Lackstiften auszubessern oder Klebearbeiten mit haushaltsüblichen Mengen Klebstoff durchzuführen. 
  2. geringe Mengen an Gefahrstoffen für analytische Zwecke verwendet werden. 
  3. optische Bauelemente mit Spiritus und Aceton (unter Verwendung eines Wattestäbchens) gereinigt werden. 

Bei diesen Tätigkeiten liegt KEINE Tätigkeit mit geringer Gefährdung vor: 

  1. Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gemäß TRGS 401, die die Kennzeichnung "Ätz-/Reizwirkung auf die Haut Kategorie 1/1A/1B/1C; H314" tragen. Wenn Hautkontakt mit diesen Stoffen nicht verhindert werden kann, wird für diese Tätigkeit von einer Gefährdung des Beschäftigten ausgegangen. 
  2. Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die in engen Räumen und Behältern durchgeführt werden müssen. 
  3. Tätigkeiten mit Flüssigkeiten, die explodieren könnten. 

Arbeitgeber können auf eine Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit geringer Gefährdung verzichten.

Schutzmaßnahmen und Dokumentation gemäß TRGS 400 

Werden bei der Gefährdungsbeurteilung Gefährdungen für die Beschäftigten festgestellt, ist der Arbeitgeber verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu treffen. Bei der Auswahl dieser Maßnahmen muss er § 8 GefStoffV berücksichtigen. Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind in §§ 9, 10, 11 und 15 GefStoffV festgehalten. Unterstützung bei der Umsetzung erhält man hier durch Technische Regeln wie die TRGS 500 "Schutzmaßnahmen". 

Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen 

Festgelegte Methoden und Fristen zur Überprüfung der Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen müssen ebenfalls als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung festgehalten werden, wie in der TRGS 500 beschrieben wird.  

Hinweis: Werden verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 angewandt, gelten die dort festgelegten Maßnahmen zur Überprüfung der Wirksamkeit.  

Dokumentation 

Der Arbeitgeber muss die Gefährdungsbeurteilung nach § 6 GefStoffV unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten dokumentieren. In welcher Form er das macht, ist ihm überlassen. Es wird jedoch empfohlen, die dokumentierten Ergebnisse einer Gefährdungsbeurteilung langfristig aufzubewahren. 

Um alle gesetzlichen Vorgaben an das Schutzmaßnahmenkonzept erfüllen zu können, müssen Arbeitgeber und Betriebe, die mit gefährlichen Stoffen arbeiten, die neue Gefahrstoffverordnung beachten. Das gelingt mit dem Praxishandbuch "Die Gefahrstoffverordnung", das u. a. mit praxisnahen Handlungsempfehlungen, Erläuterungen zu rechtlichen Vorgaben und detaillierten Leitfäden zur Gefährdungsbeurteilung beim sicheren Umgang mit Gefahrstoffen am Arbeitsplatz unterstützt. 

Quelle: TRGS 400  

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