Bau & Immobilien

Barrierefreies Bauen: Checkliste zur Schaffung von Barrierefreiheit in Gebäuden

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Seit der Einführung der Norm DIN 18040 (Teile 1+2+3) „Barrierefreies Bauen“ in die Listen der Technischen Baubestimmungen ist eine ganzheitliche Planung von Gebäuden nur unter Berücksichtigung der barrierefreien Standards möglich. Um bei der Planung keinen wichtigen Planungsschritt zu vergessen, können Architekten auf diese Checkliste zurückgreifen.
Erfüllen Sie alle normativen Anforderungen nach DIN 18040 Teil 1+2+3!

Barrierefreie Bau- und Wohnkonzepte

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Barrierefreies Bauen: Schritt für Schritt planen mit dieser Checkliste 

Firma/Einrichtung   
Name des Prüfers   
Ort/Datum   

 

Prüffragen   Status   Anforderungen 
 1. Schritt     
Neubau oder Bestand 

Prüfung der Rechtsgrundlage und generellen Vorgehensweise
 2. Schritt     

Vorgehensweise bei Neubauten
Festlegung der Zielgruppe bzw. der Nutzungsart des geplanten Gebäudes

Vorgehensweise im Bestand
Hier sind insbesondere bei komplexen Gebäudestrukturen zunächst Bestandsanalysen und Zielplanungen bzw. Machbarkeitsstudien (z. B. EW Bau siehe „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ des BMUB 2016) zum Barrierefreien Bauen zu empfehlen.
Diese liefern eine generelle Einschätzung der Möglichkeiten und des Aufwands zur Herstellung der Barrierefreiheit.

  z. B. Wohngebäude, Pflegeheime, Krankenhäuser, Versammlungsstätten, Beherbergungsbetriebe u. a. (Wohnen oder öffentliches Gebäude)
 3. Schritt     
Einordnung des baulichen Vorhabens nach Funktion und Gebäudeklasse entsprechend den rechtlichen Vorgaben der Landesbauordnung  

Beachtung der Einteilung in den Landesbauordnungen
nach Gebäudeklassen (GK) oder Gebäudehöhen und nach Sonderbauten

 4. Schritt     

Einbeziehen der rechtlichen Anforderungen an Barrierefreiheit und weiterer rechtlich bindender Vorgaben (Je nach Vorhaben sind verschiedene Bestimmungen und Empfehlungen zu beachten).

 

Landesbauordnungen und dazugehörige Technische Regeln, Heimmindestbauverordnung,
Krankenhausbauverordnung, Gleichstellungsgesetze des Bundes und der Länder, evtl. Anforderungen durch Förderrichtlinien der Länder bei Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel.

Bei Sonderbauten sind weitere Regeln zu beachten wie:

  • Versammlungsstättenverordnung
  • Gaststättengesetz
  • Regeln für Beherbergungsstätten
  • Regeln für Verkaufs-/Sportstätten und Sporthallen
  • Arbeitsstättenverordnung
  • DIN Normen
  • VDI-Richtlinien (Verein Deutscher Ingenieure)
  • VDE-Bestimmungen (Verband Deutscher Elektrotechniker)
 5. Schritt     
Anordnung der Gebäude auf dem Grundstück, Anbindung an öffentliche Räume, Wege und Straßen  
  • Landesbauordnungen
  • Bestimmung der Wegeführung, barrierefreier Zuwege, Parkplätze, Stellplätze und Garagen nach DIN 18040-3 (Freiraum)
  • Garagenverordnung
  • DIN 18034 Spielplätze und Freiräume zum Spielen
 6. Schritt     

Planung der äußeren Erschließung:

  • stufenlose Gebäudezugänge
  • weitere horizontale und vertikale Erschließung
  • Terrassen, Gartenanlage, Park, Freisitze
 

Festlegen der Bewegungsflächen und vertikaler Erschließungsarten wie Rampen, Treppen, Aufzüge, Gangbreiten

  • DIN 18040-3 (Freiraum) und
    DIN 18040-1 (öffentliche Gebäude),
    DIN 18040-2 (Wohnungen)
  • Landesbauordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung
  • Versammlungsstättenverordnung
  • Gaststättengesetz
 7. Schritt     

Planung der inneren Erschließung entsprechend Gebäudeart:

  • Wohngebäude
  • Öffentliche Gebäude
  Flure: Breiten nach DIN 18040-1 (öffentliche Gebäude) und 18040-2 (Wohnungen)

Treppen: DIN 18065

Aufzüge: DIN EN 81-70

Rettungswege: generell nach Landesbauordnung, zusätzlich Mehr-Sinne- Prinzip (akustische und optische Leitsysteme) beachten

Festlegen der Bewegungsflächen und der vertikalen Erschließungsarten nach DIN 18040-1 und 2
 8. Schritt     

Planung und Gestaltung der Räume und Wohnungen in den Gebäuden unter Berücksichtigung von Maßnahmen für mobilitäts-, seh- und höreingeschränkte Personen und Sonderbereichen für geistig Behinderte, Rollstuhlnutzer, Personen mit geringen Einschränkungen, Wohnungen sowie öffentliche Gebäude

 

Anordnung der Räume und barrierefreier Zugang zu allen Räumen und Etagen

Rollstuhlnutzer:

  • Grundmaße nach DIN 18040-2 R (Wohnungen für Rollstuhlnutzer): 1,50 m x 1,50 m Bewegungsfläche 
  • Durchgangsbreiten im Lichten: 0,90 m

Personen mit geringen Einschränkungen:

  • Grundmaße nach DIN 18040-2 (Barrierefreie Wohnungen): 1,20 m x 1,20 m Bewegungsfläche

Wohnungen:

  • Wohnungsgröße und Bewegungsflächen gemäß Zielgruppe, sonst generell: DIN 18040-2

Öffentliche Gebäude:

  • Breiten und Flächen nach DIN 18040-1 DIN 18032-1 Sporthallen – Hallen und Räume für Mehrzwecknutzung
 9. Schritt     
Sanitärräume   Öffentliche Gebäude: Flächenbedarf nach DIN 18040-1

Wohngebäude: gem. DIN 18040-2, höhenverstellbare Objekte für verschiedene Körpergrößen und Mobilitäten, Bewegungsflächen berücksichtigen

 10. Schritt     
 Küchen    Bewegungsflächen nach DIN 18040-2, höhenverstellbare Einrichtung für verschiedene Körpergrößen und Mobilitäten
 11. Schritt     
 Wohn- und Schlafräume   Bewegungs- und Abstandsflächen vor und seitlich an Möbeln, Betten, Fenstern, Bedienelementen
 12. Schritt     
 Gemeinschaftsräume sowie Infotheken/ Empfang   Bewegungsflächen entsprechend Gebäudeart und Nutzung, Beleuchtung, Auswahl der Materialien, Farben und Kontraste

Schallschutz:

  • DIN 18041 Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen
  • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau

Einplanung von Höranlagen (induktiv, FM-Anlage, Infrarotanlage) bedenken

 13. Schritt     
Technische Ausstattung ist entsprechend der erwarteten Nutzergruppe im Weiteren zu planen. Dabei steht die Unterstützung kognitiver, sensorischer und mobiler Einschränkungen im Vordergrund.

(Die nebenstehenden Vorgaben stellen die wichtigsten Orientierungen bei der Planung dar.)

 

Sanitärräume in Seniorenwohnungen:

  • Anforderungen nach VDI 6000 Blatt 2, Barrierefreie Lebensräume - Möglichkeiten der Sanitärtechnik
  • Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster: DIN 18017-3
  • Montagehöhen der Einbauten beachten

Schallschutz:

  • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau,
  • DIN 18041 Hörsamkeit in Räumen

Elektrische Anlagen:

  • Elektrische Anlagen in Wohngebäuden nach DIN 18015-1 und 2 
  • Anforderungen an Elektro- und Fördertechnik: VDI 6008

Licht und Beleuchtung:

  • DIN 5035 Beleuchtung mit künstlichem Licht
  • BeleuchtÖffGebäudeRLErl HE und ND – Verwaltungsvorschrift

Orientierungshilfen und Beachtung des Mehr-Sinne-Prinzips:

  • Anforderungen an Orientierungssysteme im öffentlichen Raum: DIN Fachbericht 142 Orientierungssysteme
  • Schriften, Leserlichkeit: DIN 1450
  • Barrierefreie Produkte: DIN Fachbericht 124 (Schriftgestaltung)
  • Optische Kontraste im öffentlich zugänglichen Bereich: DIN 32975

Fußböden:

  • Fußböden in Arbeitsräumen und Arbeitsbereichen mit erhöhter Rutschgefahr: BGR 181
  • Bodenbeläge für nassbelastete Barfußbereiche: GUV-I 8527
 14. Schritt     
Einbeziehung von Experten   Behindertenbeauftragte, Verbände von besonderen Personengruppen, Sachverständige Barrierefreies Bauen

 

Datum, Unterschrift des Prüfers   

Quelle: „Barrierefreie Bau- und Wohnkonzepte“

 

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