Bau & Immobilien

Menschen mit Sehbehinderung oder Demenz haben oft Probleme mit der Orientierung. Sie sind auf Leitsysteme und Orientierungshilfen angewiesen. Architekten und Landschaftsarchitekten müssen dies bei ihrer Planung berücksichtigen. Wir geben deshalb einen Überblick über die üblichen Leitsysteme und stellen ein Beispiel für Orientierungshilfen vor.

Leitsysteme und Orientierungssysteme – Definition 

Leitsysteme haben die Aufgabe alle Menschen so zu leiten, dass sie einen Weg zu einem gesuchten Ziel sicher und selbstständig finden – auch Menschen mit sensorischen Einschränkungen muss ein Leitsystem ein sicheres Fortbewegen ermöglichen. Klassische Leitsysteme sind Schilder, Richtungspfeile und Übersichtstafeln.  

Ein sicheres Leitsystem warnt zudem vor Gefahren wie Absturzkanten ohne Geländer, Fahrbahnen und Straßen, Podesten, Terrassen etc.. Gleichzeitig macht das System auf Unfallschwerpunkte aufmerksam wie Briefkästen, Mülleimer, Fahrradständer, Sitzbänke, Lichtmaste, Muldenrinnen oder Beeteinfassungen.  

Durchgängige und vernetzte Leitsysteme sind der Norm DIN 18040-3 unterworfen und müssen gemäß der Vorschrift in die Bauleitplanung einfließen sowie im Flächennutzungsplan und der Bebauungsplanung der öffentlich zugänglichen Verkehrs- und Freiräumen berücksichtigt werden. Ein Leitsystem muss auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten aller Menschen abgestimmt sein.  

Hinweis: Eine Ansammlung von Wegweisern ist noch kein Leitsystem, weil hierbei meist kein sinnvolles Konzept dahintersteckt.  

Orientierungshilfen

Orientierungssysteme dienen ebenfalls der Orientierung, setzen aber auf andere Komponenten. Hierbei geht es nicht nur um reine Informationsvermittlung. Am Beispiel einer Außenanlage einer Pflegeeinrichtung kann dies gut verdeutlicht werden: Für Menschen mit Demenz, die aufgrund kognitiver Einschränkungen nicht mehr selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilnehmen können, ist der Aufenthalt im Freien – z. B. der Außenanlage der Einrichtung – besonders wichtig. Eine gut durchdachte Gartengestaltung kann Orientierungshilfe geben und die kognitiven Einschränkungen abmildern. 

Hierbei arbeiten Landschaftsarchitekten mit Bepflanzung (jahreszeitliche Orientierung), Mauern, Rasenkanten, „Docking Stationen“ (aktivierende Orientierungshilfe) etc.. Wichtig ist, dass Architekten bei der Planung von Orientierungshilfen die Zielgruppe, die die Außenanlage später nutzen wird, stets im Fokus behalten. 

 Erfahren Sie im Handbuch „Barrierefreie Bau- und Wohnkonzepte“ mehr darüber, wie die Außenanlage einer Pflegeeinrichtung so gestaltet werden kann, dass sie das Orientierungsgefühl von Menschen mit Demenz fördert. 

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Arten von Leitsystemen 

Leitsysteme werden je nach Verwendungszweck und Zielgruppen unterschieden und können in folgenden Formen geplant werden: 

Klassische Leitsysteme 

Wie oben angerissen, sind unter klassischen Leitsystemen Schilder, Richtungspfeile und Übersichtstafeln zu verstehen. Diese müssen die Lage des Ziels in Form von tastbaren Plänen, Schildersystemen und Handlaufbeschriftungen auch für sehbehinderte und blinde Menschen abbilden. 

Zeichenbasiertes Leitsystem 

Dieses Leitsystem ist schnell erkennbar und weitestgehend unabhängig von der Sprache. Aber Vorsicht: Piktogramme und Symbole, die in der Öffentlichkeit eher unbekannt sind, können zu Missverständnissen führen. 

Schriftorientiertes Leitsystem 

Schriftorientierte Leitsysteme eigenen sich besonders dann, wenn komplexe Inhalte vermittelt werden sollen. Pfeile z. B. können ohne Schrift keine eindeutige Aussage vermitteln. 

Bei diesen Formen von Leitsystemen steht die Verständlichkeit im Vordergrund. So müssen beispielsweise unterschiedliche Kulturkreise bei der Planung berücksichtigt werden. Auch sollten die gewählten Zeichen bei allen Generationen bekannt sein. 

Taktile Leitsysteme 

Dieses System zielt insbesondere auf die Zielgruppe „sehbehinderte und blinde Menschen“ ab und wird meist in Form von Bodenindikatoren nach DIN 32984 „Bodenindikatoren im öffentlichen Raum“ realisiert. Ein Bodenindikator ist ein Bodenelement mit einem hohen taktilen, visuellen (Hell-Dunkel) und ggf. akustischen Kontrast zum angrenzenden Bodenbelag. 

Um eine Reizüberflutung zu verhindern, sollten Bodenindikatoren sparsam und nur dort eingesetzt werden, wo ein gefahrloser Aufenthalt möglich ist. In Deutschland gibt es zwei Grundstrukturen von Bodenindikatoren: die Rippen- und die Noppenstruktur.

 Welche Anforderungen an Bodenindikatoren mit Rippenstruktur und welche an die mit Noppenstruktur gestellt werden und wo der Einsatz welcher Indikatoren sinnvoll ist, erfahren Sie im Handbuch „Barrierefreie Bau- und Wohnkonzepte“.

Akustische Leitsysteme 

Akustische Leitsysteme kommen vor in Form von elektrischen Wegemarkierungen oder akustischen Kontrasten des Klangverhaltens bei unterschiedlich strukturierten Oberflächen und Materialien. Diese werden wahrnehmbar, wenn ein sehbehinderter Mensch mit dem Langstock darüberfährt. (juse)

Quelle: „Barrierefreie Bau- und Wohnkonzepte“

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