Bildung, Erziehung und Soziales

Pädagogische Spiele – Anleitung für Kindergarten, Grundschule und Kita

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Pädagoginnen und Pädagogen vermitteln Kindern Wissen und Werte besonders einprägsam durch Spiele und Aktivitäten. Auf Grundlage des kindlichen Spieltriebs gibt es speziell für den pädagogischen Bereich konzipierte Spielideen. Dieser Beitrag bietet eine Übersicht mit pädagogischen Spielen für Kita, Kindergarten und Grundschule.

Pädagogische Spiele fördern Entwicklung von Kindern

Unser Gehirn kann sich Informationen besonders gut merken, wenn wir sie uns auf spielerische Art aneignen. Gerade bei Kindern und Kleinkindern ist dieses Phänomen zu beobachten. Je mehr Spaß ein Kind bei einer Tätigkeit empfindet, desto eher wiederholt es sie und desto effektiver kann es sich Wissen merken.

In diesen Prozess lassen sich auch pädagogische Aspekte integrieren, etwa in Form von pädagogischen Spielen. Sie dienen als gezielte Lernstütze und fördern die Entwicklung der Kinder in unterschiedlichen Bereichen. Daher sollten pädagogische Spiele auch bereits im Kindergarten oder der Grundschule zum Einsatz kommen.

Die folgende Übersicht soll Pädagoginnen und Pädagogen Anregungen für Spiele und Aktionen geben, die sie mit Kindern in ihrer Einrichtung durchführen können. Jedes Spiel dient einem anderen Förderaspekt, z. B. der Stärkung des Bewusstseins über den Bereich Gesundheit, der Konzentrationssteigerung oder dem Training der Sinneswahrnehmung.

Diese Spiele sind so konzipiert, dass sie besonders für Kleinkinder und Kinder in Kindergarten sowie Grundschule geeignet sind.

Inhaltsverzeichnis

  1. „Ich bin gesund, weil...“ – Pädagogisches Spiel zum Thema Gesundheit
  2. Selbstwertgefühl stärken: „Zehn Finger, zehn Trümpfe“
  3. Sprachförderung: Ratespiel „Was bin ich?“
  4. Konzentrationsspiel für Kinder
  5. „Geräusche orten“ für bessere auditive Wahrnehmung
  6. Gewichte erkennen und ordnen mit pädagogischem Spiel

„Ich bin gesund, weil...“ – Pädagogisches Spiel zum Thema Gesundheit

Die aktuelle Pandemie zeigt deutlich, wie wichtig Gesundheit und Hygiene bereits im Kindesalter sind. Das folgende pädagogische Spiel hilft Erzieherinnen, Erziehern oder auch Lehrkräften dabei, die Kinder zu diesen Themen spielerisch zu sensibilisieren.

„Ich bin gesund, weil...“
Ziel: Bewusstsein und Aufklärung für das Thema Gesundheit schaffen
Altersgruppe: Kindergarten, Grundschule (ab ca. 4 Jahren)
Kinderanzahl: beliebig viele
Materialien: Säckchen mit Reis, Ball, Stofftier oder ein ähnlicher Gegenstand zum Werfen
Ablauf: Die Kinder stehen im Kreis und werfen sich ein Säckchen mit Reis zu (oder einen anderen weichen, leichten Gegenstand). Wer das Säckchen gefangen hat, sagt den Satz: „ICH BIN GESUND, WEIL…
  • … ich mir gründlich die Hände wasche.“
  • … ich Fahrrad fahre.“
  • … ich Gemüse esse.“
  • … ich mich warm anziehe.“
  • … ich nicht zu schnell renne.“
  • … ich schlafen gehe, wenn ich müde bin.“

Mit diesem Einstiegsspiel stärken Pädagoginnen und Pädagogen das Verständnis der Kinder für das Thema Gesundheit. Gleichzeitig integrieren die Kinder ihren eigenen Alltag in das Spiel, sodass sie lernen, ihr Verhalten unter dem Gesichtspunkt Gesundheit zu reflektieren.

Selbstwertgefühl stärken: „Zehn Finger, zehn Trümpfe“

Speziell in der kindlichen Entwicklung ist es wichtig, den Kindern ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl anzutrainieren. Das Spiel „Zehn Finger, zehn Strümpfe“ ermöglicht pädagogischen Fachkräften, die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in Kindergarten und Grundschule positiv zu beeinflussen.

„Zehn Finger, zehn Trümpfe“
Ziel: Selbstwertgefühl und Einfühlungsvermögen stärken
Altersgruppe: Vorschulalter, Grundschule (ab ca. 5 Jahren)
Kinderanzahl: ab 10 Kindern
Materialien: keine
Ablauf:

Die erwachsene Person fragt die Kinder: „Wer braucht wieder einmal eine Aufmunterung?“ Alternativ kann die Fachkraft selbst ein entmutigtes Kind vorschlagen, das eine solche Ermutigung besonders nötig hat.

Nun sind alle anderen Kinder aufgefordert, sich an positive Seiten des ausgewählten Kindes zu erinnern (gute Eigenschaften oder etwas, was sie oder er gut kann → „Trümpfe“).

Wichtige Vorgabe: Die genannten Punkte müssen stimmen und ehrlich gemeint sein.

Jetzt stellt sich das entmutigte Kind vor die Gruppe oder Klasse und hebt den ersten Finger.
Das erste Kind aus der Gruppe sagt: „Eine deiner Stärken ist.../Du kannst besonders gut...“

Daraufhin bedankt sich das vorne stehende Kind. Danach benennt das zweite Kind eine andere Stärke, woraufhin sich das gelobte Kind wieder bedankt.

Dieser Prozess geht so lange, bis zehn Stärken oder positive Eigenschaften aufgezählt sind und das entmutigte Kind für jeden der aufgezählten Punkte einen Finger gehoben hat. Entsprechend soll das Kind am Ende alle zehn Finger vollständig nach oben halten können.

Zentraler Bestandteil dieses pädagogischen Spiels ist die Zahl Zehn. Da die Anzahl der aufzuzählenden Punkte mit der Anzahl an Fingern zusammenhängt, sollten mindestens zehn Kindern oder mehr mitspielen. Eine Abkürzung auf z. B. fünf Trümpfe erzeugt den Effekt nicht.

Sprachförderung: Ratespiel „Was bin ich?“

Dieses Ratespiel basiert auf dem bekannten Prinzip von „Wer bin ich?“, bei dem der Name einer Figur oder Person auf einen Zettel geschrieben wird. Anschließend muss die Person, die den Zettel erhält, durch Ja-/Nein-Fragen herausfinden, welcher Name auf ihrem Zettel steht.

Um auch kleineren Kindern dieses Spielprinzip zu ermöglichen, die noch nicht lesen bzw. schreiben können, nutzt „Was bin ich?“ bekannte Motive wie Tierarten, die die Kinder anhand von Bildern erkennen.

Ratespiel „Was bin ich?“
Ziel: Sprachvermögen fördern
Altersgruppe: Kinderkrippe, Kindergarten (ab ca. 3 Jahren)
Kinderanzahl: ab 3 oder 4 Kindern
Materialien:
  • kleine Klebezettel
  • Tiermotive, ausgedruckt oder aufgemalt 
  • Kleber oder Buntstifte
Ablauf:

Die Pädagoginnen und Pädagogen malen oder kleben Tiermotive auf einzelne Klebezettel. Anschließend erhält jedes Kind einen der Zettel auf den Rücken oder die Stirn geklebt, sodass die anderen das Tier sehen können, das Kind selbst jedoch nicht.

Jetzt muss jedes Kind mit verschiedenen Ja-/Nein-Fragen an die anderen Kinder erraten, welches Tier es ist. Solche Fragen können z. B. sein:

  • Bin ich groß?
  • Mache ich laute Geräusche?
  • Lebe ich unter Wasser?
  • Habe ich ein weiches Fell?
Variante: Je nach Alter und vorhandenen Fähigkeiten der Kindern können die Erzieherinnen, Erzieher oder Lehrkräfte den Schwierigkeitsgrad des Spiels erhöhen, indem auch Personen, Berufe o. a. erraten werden müssen.

Mit diesem pädagogischen Spiel unterstützen Pädagoginnen und Pädagogen die Sprachentwicklung, Konzentration und Wahrnehmung der Kinder im Alltag.

Tipp: Um z. B. Vorschulkinder an das Lesen einzelner Wörter zu gewöhnen, können Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich die jeweilige Tierart unter die einzelnen Abbildungen schreiben. So lernen die Kinder bereits die Schreibweise der verschiedenen Begriffe.

Konzentrationsspiel für Kinder

Pädagogische Spiele helfen auch bei Konzentrationsschwächen. Diese können unterschiedliche Ursachen haben: Angefangen bei vorübergehenden Aufmerksamkeitsschwächen bis hin zum diagnostizierten AD(H)S.

Eine Anleitung für das Spiel „Alphabet der Tiere“, das die Konzentration von Kindern nachhaltig fördert, finden Pädagoginnen und Pädagogen im Beitrag „Konzentrationsspiele für Kinder: So können Pädagogen die Konzentration von Kindern spielerisch steigern“.

Mehr Inspiration gefällig? Viele Ideen für pädagogische Spiele gibt es im Werk „Besondere Kinder“. Es bietet pädagogischen Fachkräften spezielle Übungen, um Kinder in verschiedenen Bereichen zu unterstützen, z. B. bei Ausdauer, Sprache und Bewegung. Außerdem lässt sich mit dem Werk eventueller Förderbedarf bei Kindern frühzeitig erkennen und behandeln.

„Geräusche orten“ für bessere auditive Wahrnehmung

Mithilfe dieser Übung stärken Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte die auditiven Fähigkeiten der Kinder, Geräuschquellen im Alltag zu orten und verschiedene Klänge zu erkennen.

Geräusche orten
Ziel: auditive Wahrnehmung, Hellhörigkeit und Konzentration schulen
Altersgruppe: Vorschulalter, Grundschule (ab ca. 5 Jahren)
Kinderanzahl: Gruppen ab 2 Kindern
Materialien:
  • Murmeln, evtl. Klingelball
  • Tische, Stühle oder Matten  
Ablauf:

Die Kinder sitzen im Kreis oder auf dem Boden und schließen die Augen (am Tisch empfiehlt es sich, den Kopf aufzulegen). Sie erhalten die Aufgabe, ganz leise zu sein und gut aufzupassen, welche Geräusche sie hören und von wo sie kommen.

Der Pädagoge oder die Pädagogin geht leise im Raum herum, bleibt stehen und klopft, klingelt oder summt. Die Kinder zeigen bzw. drehen sich in die Richtung, aus der sie ein Geräusch wahrnehmen, müssen die Augen aber unbedingt geschlossen lassen.

1. Variante: Die erwachsene Person bewegt sich mit dem Geräusch und die Kinder verfolgen das Geräusch mit dem Finger.

2. Variante: Die Kinder sitzen in einer Reihe und eine Murmel (Klingelball etc.) wird an ihnen vorbeigerollt. Sie zeigen wieder mit geschlossenen Augen auf die Geräuschquelle.

3. Variante: Die Kinder stehen im Vierfüßler-Stand mit geschlossenen Augen und zeigen mit gestrecktem Arm auf die Geräuschquelle.

Je nach gewünschtem Schwierigkeitsgrad können die Pädagoginnen und Pädagogen auch unterschiedliche Gegenstände zur Klangerzeugung verwenden. Die Kinder müssen hier neben der Richtung, aus der das Geräusch kommt, erraten, welcher Gegenstand zum Einsatz gekommen ist. Das kann z. B. eine Rassel, eine Glasflasche, eine Klingel o. ä. sein.

Gewichte erkennen und ordnen mit pädagogischem Spiel

Diese lebenspraktische Übung zum Erkennen und Ordnen von Gewichten dient ebenfalls der Förderung der Sinneswahrnehmung der Kinder. Sie schult ihre Fähigkeit, Dinge nach Größe und Gewicht zu ordnen sowie Zusammengehörigkeiten zu erkennen. Das pädagogische Spiel eignet sich sowohl für Einzel- wie Gruppenarbeiten.

Gewichte erkennen und ordnen
Ziel:  Sinneswahrnehmung fördern
Altersgruppe:  Kindergarten, Vorschulalter (ab ca. 5 Jahren)
Kinderanzahl:  beliebig viele
Materialien:
  • mehrere gleichaussehende, blickdichte Dosen mit Deckel (z. B. Filmdosen, blickdicht angemalte Marmeladengläser etc.)
  • unterschiedlich schwere Gegenstände zum Befüllen der Dosen (z. B. Sand, Reis, Steine)
Ablauf:

Die Gegenstände bzw. Materialien werden in Dosen gefüllt und verschlossen. Allerdings sollten die Behältnisse blickdicht sein, damit die Kinder von außen nicht erkennen, welcher Gegenstand sich darin befindet. Verwenden die  Erzieherin oder der Erzieher die gleiche Art und Größe von Dosen, kann das Spiel zudem mehrmals gespielt werden, ohne dass sich die Kinder merken, in welcher Dose welcher Gegenstand liegt.

Sind die Behältnisse vorbereitet, sollen die Kinder sie nach ihrem Gewicht ordnen. Wahlweise können sie entweder mit der leichtesten oder der schwersten Dose beginnen.

Die Kinder haben die Möglichkeit, je nach Gruppengröße zusammenzuarbeiten oder allein das Gewicht zu erforschen. Dabei müssen sie unterschiedlich viel Kraft aufwenden, um die Dosen anzuheben und der Schwere nach zu ordnen.

Variante: Für eine zusätzliche Herausforderung können die Erwachsenen das pädagogische Spiel auch als Memory aufbauen: Von jeder Dose gibt es zwei Exemplare mit gleichem Inhalt, z. B. zwei Dosen mit der gleichen Menge Reis. Nun müssen die Kinder nicht nur nach Schwere der Dosen ordnen, sondern auch Dosen mit gleichem Gewicht finden. Allerdings sollten die Gewichtsunterschiede hierfür stark genug ausgeprägt sein, damit die Kinder auch wirkliche Unterschiede merken.

Um zu prüfen, ob die Kinder alle Dosen richtig zugeordnet haben, können die Erwachsenen auf den Unterseiten jedes Dosenpaares ein identisches Symbol aufkleben, etwa einen roten Kreis oder gelben Stern.

Pädagogische Spiele in Kindergarten und Grundschule – für noch mehr Freude beim Lernen

Jede pädagogische Fachkraft weiß, wie wichtig es ist, Kinder zum Lernen zu animieren. Mit pädagogischen Spielen gelingt das besonders gut: Sei es, um das soziale Gefüge in der Klasse oder Gruppe zu stärken, die Entwicklung der Kinder in bestimmten Bereichen gezielt zu fördern oder um den Alltag spielerisch aufzulockern.

Daher sind pädagogische Spiele eine effektive Methode, die Zusammenarbeit mit Kindern positiv zu gestalten – so macht den Kindern das Lernen gleich viel mehr Spaß.

Quelle: „Besondere Kinder“

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