Bildung, Erziehung und Soziales

Fast jeder sechste 15-Jährige in Deutschland wird laut einer aktuellen PISA-Studie regelmäßig von seinen Mitschülern physisch oder psychisch misshandelt. Das zeigt, wie wichtig eine präventive Kultur in der Schule ist und dass Lehrkräfte wie Schulleiter wissen müssen, wie sie mit diesem Thema pädagogisch richtig umgehen.

Mobbing in der Schule: Mobbing-Opfer oder Mobbing-Täter?

In den USA ist das Thema Mobbing in der Schule vergangenen Monat dank eines Youtube-Videos voll entbrannt. Auf dem Video ist der 11-jährige Keaton Jones aus Tennessee zu sehen, der seiner Mutter unter Tränen erzählt, wie er in der Schule gemobbt wird. Die Mutter nahm ihren Sohn auf und veröffentlichte das Video. Daraufhin hat der Junge viel Solidarität aus der ganzen Welt erfahren. 

Dass ein Mobbing-Opfer so öffentlich über die Übergriffe seiner Mitschüler spricht, ist selten, auch wenn es das Problem nicht ist. Denn es gibt kaum eine Klasse, in der nicht zumindest zeitweise gemobbt wird. Der Spielraum für Mobbing-Handlungen ist dabei sehr groß: Es fängt an bei Nachäffen, Gerüchte oder Lügen verbreiten, Brille oder Hörgerät wegnehmen und kann auch in Bedrohungen oder gar Schlägen enden. Egal ob psychische oder physische Misshandlung – die Opfer leiden oft ihr Leben lang, manche Kinder nehmen sich sogar das Leben.  

Keaton erzählt, wie seine Mitschüler Milch über ihn schütten und ihn mit Schinken bewerfen. Das ist natürlich sehr erniedrigend, gerade wenn andere Schüler Zeuge davon werden. Doch die Geschichte hat eine Wendung genommen: Es heißt nun, Keaton hätte seine dunkelhäutigen Mitschüler mit rassistischen Sprüchen provoziert. Ist Keaton nun Mobbing-Opfer oder Mobbing-Täter? 

Wer wird zum Mobbing-Opfer? 
Das Opfer ist oft zurückhaltend und zögerlich oder gar ängstlich, es neigt zur Passivität und zeigt sich abhängig von Erwachsenen; es ist verletzlich und körperlich schwach oder etwas kleiner bzw. auffallend groß. Diese Schüler fühlen sich zu Hause am wohlsten, was in vielen Fällen auf eine Überbehütung zurückzuführen ist. Mobbing-Opfer sind oft besonders gute oder besonders schlechte Schüler. 

Grundsätzlich gilt aber: JEDER kann Opfer von Mobbing-Übergriffen werden. Viele Schüler mit den gerade geschilderten Merkmalen hatten nie Probleme mit ihren Mitschülern. 

Wer wird zum Mobbing-Täter? 
Mobbing-Täter – oder auch Bully genannt – sind oft selbst Opfer von Gewalt und Demütigung, und zwar in ihrer Familie. So haben sie von klein auf gelernt, mit physischer Gewalt Probleme zu lösen und Macht auszuüben. Diese negativen Erlebnisse bewirken, dass das Kind überzeugt ist, dass alle anderen ihm gegenüber feindlich gesinnt sind. Solche Kinder zeigen selten Schuldgefühle und kaum Einfühlungsvermögen. 

Mobbing in der Schule: Welche Konsequenzen drohen Mobbing-Tätern?  

Was nun im Fall Keaton stimmt oder nicht, ist nicht abschließend geklärt. In US-Medien bestätigt der Rektor von Keatons Schule zumindest die Übergriffe auf den Jungen, und dass es Konsequenzen für die betroffenen Schüler gegeben habe. Doch welche Konsequenzen drohen bei Mobbing? Vielen Schülern ist gar nicht bewusst, dass Mobbing nicht nur schulinterne Bestrafungen nach sich ziehen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann. Zwar ist Mobbing an sich kein Straftatbestand, jedoch kann es einzelne Straftatbestände erfüllen: 

Cybermobbing, also das Mobben eines Mitschülers über das Internet, erfüllt zudem noch weitere Straftatbestände, wie z. B. die Verletzung des Rechts am eigenen Bild. Mobbing-Tätern, die strafmündig sind, sollte (auch in der Schule) deutlich vermittelt werden, dass Mobben nicht nur ein „Spaß“ unter Mitschülern ist. Doch damit es gar nicht so weit kommt, gibt es Präventionsmaßnahmen, die Lehrer durchführen können. 

Präventive Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule 

Bei der Erstellung von präventiven Maßnahmen geht es nicht nur um Opfer und Täter, es geht auch um diejenigen, die beim Mobben mitmachen oder zuschauen. Konzepte, die auf Stärkung des Selbstwertgefühls, Ermutigung und Training sozialer Kompetenzen zielen, haben sich dabei in der Praxis bewährt.  

Einige Eckpunkte präventiver Strategien können sein: 

  • Lehrer sollten jedes unsoziale Verhalten tadeln, gleichzeitig aber auch Positives anerkennen und loben.
  • Es können innerhalb der Klasse gemeinsam „Wenn-Dann-Regeln“ aufgestellt werden, die bei aggressivem Verhalten, der Verwendung von Schimpfwörtern, Beleidigung oder Bedrohung angewendet werden. 
  • Lehrkräfte können regelmäßige Klassengespräche einführen, in denen in Rollenspielen auch die Thematik Mobbing behandelt wird. 
  • Bei Gruppenarbeiten sollten Mobbing-Täter mit starken, selbstbewussten Schülern in einer Gruppe sein, isolierte Schüler mit freundlichen und sozial kompetenten. 

Außerdem sollte Schülern frühzeitig beigebracht werden, wie sie sich richtig verhalten, wenn sie Zeuge eines Übergriffs werden. Welche Verhaltensregeln Lehrkräfte ihren Schülern vermitteln und diese in Rollenspielen festigen können, wird im Buch „Besondere Kinder“ thematisiert. 

Sinnvolle Strategien für Lehrer gegen Mobbing in der Schule 

Weil Mobbing so häufig vorkommt, sollten Schulen über die präventiven Maßnahmen hinaus einen Mobbing-Interventionsplan erstellen, der bei einem Mobbing-Vorfall automatisch eingesetzt wird. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Durchführung eines Anti-Mobbing-Konzepts. Dafür müssen sich die Lehrkräfte jedoch mit den gängigen Mobbing-Interventions-Ideen vertraut machen. 

Einige Mobbing-Interventions-Ideen sind: 

  • Klassenmeditation
  • SMOB Fragebogen
  • Die Farsta-Methode
  • Das Staffelrad
  • „No Blame Approach“

Was hinter den Interventions-Ideen steckt und wie Schulleiter oder Lehrer so einen Interventionsplan gestalten können, erfahren sie im Buch „Besondere Kinder“. Außerdem gibt das praxiserprobte Werk Inspirationen für das Gespräch mit den Eltern. 

Quelle: „Besondere Kinder“

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