Bildung, Erziehung und Soziales

Im Kontext der Jugendverbandsarbeit fand bereits im Oktober 2017 die Fachtagung „Jetzt hör endlich auf!“ statt, die sich dem Thema sexualisierte Peergewalt widmete. Nun ist die gleichnamige Dokumentation zu diesem Thema erschienen. Doch was bedeutet sexualisierte Peergewalt genau und was sind die häufigsten Formen unter Kindern?

Sexualisiserte Peergewalt: Definition 

Unter „sexualisierter Peergewalt“ werden sexuelle Handlungen (Übergriffe bis hin zur Gewalt) unter Kindern und Jugendlichen gleichen Alters verstanden. Diese Übergriffe passieren immer gegen den Willen eines der Kinder oder Jugendlichen bzw. ohne dessen Zustimmung. 

Die Opfer werden oft durch Versprechungen nach vermeintlicher Anerkennung oder durch Geschenke gefügig gemacht. Oder sie werden unter Druck gesetzt, indem ihnen körperliche Gewalt angedroht wird. Die Formen von sexualisierter Peergewalt können dabei sehr unterschiedlich sein

Die Täter kommen meist aus dem direkten Umfeld des Kindes oder Jugendlichen. Es handelt sich überwiegend um Bekannte oder Mitschüler. Wie bei allen Formen von Gewalt leidet die Mehrzahl der Opfer still. Häufig zeigt sich ihr Leiden jedoch durch depressive Symptome auch nach außen.

Optimal wäre es, wenn Lehrkräfte und Kita-Mitarbeiter es schafften, solche Anzeichen zeitnah wahrzunehmen, was ihnen mit den Merkblättern und Checklisten in der „Vorlagenmappe Kindeswohlgefährdung“ leichter gelingen kann. 

Erkennen Sie die Not von Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich!

Vorlagenmappe Kindeswohlgefährdung

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Formen von Gewalt unter Kindern bis 12 Jahre

Die Forschung zum Thema sexualisierte Peergewalt konzentriert sich meist auf Jugendliche, die das strafmündige Alter von 14 Jahren erreicht haben. Peergewalt unter Kindern im Vor- und Grundschulalter ist dagegen ein vernachlässigter Bereich. Bei der Beurteilung von sexualisierter Peergewalt sollten Pädagogen zwischen drei Stufen unterscheiden:

  • Grenzverletzungen
  • Übergriffe
  • massive Formen von Gewalt 

Die einzelnen Formen können sich im Bereich Grundschule oder Schule in folgenden Handlungen äußern: 

Grenzverletzungen und Übergriffe 

  • Verbale Übergriffe („Du schwule Sau“, „...geile Tussi“) 
  • Ausgrenzung 
  • sexuelle Übergriffe 

Eindeutige Formen von Peergewalt 

  • Körperliche Gewalt 
  • Beschädigung von Eigentum 
  • Sexuelle Gewalt (bezeichnet sowohl sexuell grenzverletzendes Verhalten von Kindern unter zehn Jahren sowie massivere Formen bei Kindern ab zehn Jahren)  
  • Ausgrenzung und Mobbing 
  • Gewalt im Netz 

Peergewalt wird von beiden Geschlechtern ausgeübt und kann auch in Gruppen stattfinden, wenn Kinder und Jugendliche Mutproben oder Aufnahmerituale über sich ergehen lassen müssen. 

Ursachen und Folgen sexualisierter Peergewalt 

Die Folgen von sexueller und sexualisierter Peergewalt sind vergleichbar mit den Folgen sexuellen Missbrauchs durch Erwachsene und sollten keinesfalls banalisiert werden. Dass Kinder oder Jugendliche zum Täter werden, liegt oft (wenn auch nicht immer) daran, dass sie selber Zeugen von (häuslicher) Gewalt wurden und/oder am eigenen Leib Gewalt erfahren haben. Und zwar in Form von

  • körperlicher Gewalt,
  • Vernachlässigung,
  • sexualisierter Gewalt, 
  • Ausgrenzung/Mobbing oder
  • Gewalt im Netz. 

Um erfolgreich in diesen Kreislauf eingreifen zu können, ist es notwendig, eine Kultur der Achtsamkeit in der Schule und auch schon in der Kita zu schaffen. Dabei sollten nicht nur die Lehrkräfte dafür sensibilisiert sein, auch im Unterricht sollte Peergewalt (auch sexualisierte Peergewalt) thematisiert werden. 

Quellen: Fachkräfteportal der Kinder- und JugendhilfeAkademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen, Stadt Köln, Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs 

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