Brandschutz

Entstehungsbrand löschen: Werden Feuerlöschsprays für die Grundausstattung in Arbeitsstätten angerechnet?

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Feuerlöschsprays erobern seit einigen Jahren den Markt: Sie sind handlich und leicht anwendbar, was sie gerade für den häuslichen Bereich attraktiv macht. Doch sind Feuerlöschsprays auch im betrieblichen Umfeld eine Alternative zum Feuerlöscher? Das sagt der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) dazu.

 

Definition Feuerlöschspray

Ein Feuerlöschspray ist ein handbetriebenes Gerät zur Bekämpfung von Entstehungsbränden.
Es handelt sich um eine Art Spraydose, die mit einem wässrigen Schaummittelkonzentrat gefüllt ist.

Empfehlungen des ASTA zum Feuerlöschspray

Feuerlöscheinrichtungen wie Feuerlöscher gehören zur Grundausstattung aller Arbeitsstätten und sind in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ gefordert. Um festzustellen, welche Feuerlöscheinrichtung geeignet für die jeweilige Arbeitsstätte ist, ermittelt der Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung, welche brennbaren Stoffe in welcher Menge im Betrieb vorhanden und welche Brandgefährdungen gegeben sind. Unter Einbezug der Grundfläche der Arbeitsstätte stellt er dann die geeigneten Feuerlöschmittel in der benötigten Anzahl zur Verfügung.  

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Für die Grundausstattung in Arbeitsstätten werden in der Regel Feuerlöscher angerechnet, die über mindestens sechs Löscheinheiten (LE) verfügen. Doch die ASR A2.2 lässt unter bestimmten Bedingungen auch eine Ausnahme zu: Bei normaler Brandgefährdung sind für die Grundausstattung auch Feuerlöscher mit mindestens zwei LE zulässig. 

Nachdem Feuerlöschsprays ebenfalls mindestens zwei LE enthalten, stellt sich die Frage, ob solche Spraydosen von dieser Ausnahmeregelung der ASR A2.2 betroffen und somit für die Grundausstattung ausreichend sind? 

Nein, urteilt der Arbeitskreis „Maßnahmen gegen Brände“ des ASTA in seiner Empfehlung zur Gefährdungsbeurteilung bei der Verwendung von Feuerlöschsprays: Feuerlöschsprays sind handbetriebene Geräte zur Bekämpfung von Entstehungsbränden nach ASR A2.2 und keine Feuerlöscher im Sinne der DIN EN 3-7:2007-10 „Tragbare Feuerlöscher“. Und die nach ASR A2.2 zulässige Abweichung gilt nur für genormte Feuerlöscher. „Löschspraydosen können daher nicht für die Grundausstattung angerechnet werden“, heißt es im Beschluss des ASTA vom 03.07.2018. 

Löschspray als zusätzliche Maßnahme im betrieblichen Brandschutz 

Das heißt aber nicht, dass Feuerlöschsprays nicht für den betrieblichen Einsatz geeignet sind. Vielmehr kann der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung feststellen, dass Feuerlöschsprays die Situation des Brandschutzes in der Arbeitsstätte verbessern würden. Will der Arbeitgeber solche Löschspaydosen zur Verfügung stellen, muss er folgende Voraussetzungen schaffen: 

  • Werden Feuerlöschsprays als ergänzende Feuerlöscheinrichtungen eingesetzt, unterliegen sie den Forderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und müssen instand gehalten werden. Da Feuerlöschsprays aufgrund ihrer Bauart nicht auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden können, müssen Arbeitgeber die Herstellerangaben beachten und die Spraydose nach Gebrauch über den normalen Hausmüll entsorgen. In der Regel sind Feuerlöschsprays drei Jahre haltbar.
  • Das Feuerlöschspray muss zu jeder Zeit sichtbar, unmittelbar zugänglich und einsetzbar sein. 
  • Das Löschspray ist in den Bereichen der Arbeitsstätte mit normaler Brandgefährdung zu lagern. 
  • Die Anzahl der Brandschutzhelfer ist zu verdoppeln. 
  • Es muss ausgeschlossen werden, dass das Feuerlöschspray mit einer anderen Spraydose verwechselt und von Unbefugten erreicht wird. 

Vor- und Nachteile von Feuerlöschsprays

Feuerlöschsprays sind klein, leicht und können auch von Laien intuitiv bedient werden. In einem Büro montiert, sind sie schneller griffbereit als Feuerlöscher, sodass ein kleiner Entstehungsbrand zügiger gelöscht werden kann. Gegenüber Feuerlöschern nach DIN EN 3 weisen sie aber auch folgende Nachteile auf: 

  • kleine Wurfweite
  • maximale Betriebstemperatur von 50 °C
  • kleinerer Löschmittelstrahlwinkel 

Außerdem gibt es zwischen den auf dem Markt verfügbaren Feuerlöschsprays teils große Qualitäts- und Leistungsunterschiede. Aktuell gibt es auch keinen verbindlichen Bewertungsmaßstab, um geeignete Feuerlöschsprays auf Anhieb erkennen zu können. Der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt jedoch laut Stiftung Warentest Produkte zu kaufen, die mit der DIN SPEC 14411 gekennzeichnet sind. Ein Indikator für Qualität kann außerdem das GS-Zeichen sein.  

Einsatzbereiche von Feuerlöschsprays 

Feuerlöschsprays werden in Bereichen eingesetzt, die eine geringe bis normale Brandgefährdung aufweisen. Das sind z. B. Büros in Verwaltungsbereichen, Aufenthaltsräume in Kindertageseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen. In Hessen beispielsweise wurden rund 1800 Dienstfahrzeuge der Polizei mit Feuerlöschsprays ausgestattet. 

In Arbeitsstätten wie Laboren, Produktionsstätten oder Hallen mit großer Ausdehnung können Feuerlöschsprays höchstens als zusätzliche Brandschutzmaßnahme zur Verfügung gestellt werden und niemals richtige Feuerlöscher ersetzen. 

Lesetipp: Lesen Sie, welche (ungeahnten) Brandgefahren im Büro lauern. 

Quellen: „Sicherheitshandbuch Brandschutz“

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