Elektrosicherheit und Elektrotechnik

Kabelkennzeichnung nach DIN EN 60445  – Neue Norm für die Kennzeichnung von Kabeln und Leitern erschienen

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Die neue Norm zur Kennzeichnung von Anschlüssen elektrischer Betriebsmittel richtet sich zwar primär an Technische Komitees, dennoch muss jede Elektrofachkraft wissen, was sich bei der Kabelkennzeichnung ändert. Nur so lassen sich Doppeldeutigkeiten und fehlende Angaben bei elektrischen Installationen vermeiden.

DIN EN 60455: Das sind die Änderungen der neuen Norm für Kabelkennzeichnungen 

Die Norm DIN EN 60455 (VDE 0197):2018-02 „Grund- und Sicherheitsregeln für die Mensch-Maschine-Schnittstelle – Kennzeichnung von Anschlüssen elektrischer Betriebsmittel, angeschlossenen Leiterenden und Leitern“, die im Februar 2018 in überarbeiteter Form erschienen ist, löst nach fast sieben Jahren ihre Vorgängerversion ab. Sie beinhaltet neben redaktionellen auch einige fachliche Anpassungen. 

Fachliche Änderungen in der DIN EN 60445

  • Außenleiter in Gleichstromsystemen
    Zur Identifikation der Außenleiter in Gleichstromsystemen wurde eine neue Farbmarkierung eingeführt: Der positive Außenleiter soll künftig mit Rot, der negative Außenleiter mit Weiß gekennzeichnet werden. 
  • Funktionserdungsleiter
    • Künftig reicht es, wenn beim Funktionserdungsleiter, dessen Kabel mit Rosa gekennzeichnet werden, die Farbmarkierung an den Leiterenden und Anschlussstellen angebracht wird. 
    • Der Funktionserdungsleiter muss gemäß DIN EN 60445 mit den Buchstaben „FE“ gekennzeichnet sein. 
  • Buchstaben für die Kabelkennzeichnung 
    • Für die Kennzeichnung von Gleichstromelementen wird in der DIN EN 60445 ausdrücklich empfohlen, Buchstaben aus der ersten Hälfte des Alphabets zu verwenden. 
    • Wechselstromelemente werden mit Buchstaben aus der zweiten Hälfte des Alphabets gekennzeichnet. 
    • Die Buchstaben „O“ und „L“ dürfen für die Kabelkennzeichnung nicht verwendet werden, um Verwechslungen mit den Zahlen „1“ und „0“ zu vermeiden. 
    • Die Ziffern 6 und 9 werden unterstrichen, sofern sie einzeln stehen. 
    • Die Symbole „+“ und „-“ lässt auch die neue DIN EN 60445 generell zu. 
    • Sämtliche alphanumerische Benennungen müssen einen starken Kontrast zur Farbe der jeweiligen Isolierung aufweisen.  

Redaktionelle Anpassungen 

  • In Übereinstimmung mit dem IEC-Leitfaden 104 wurde der Text der Einleitung in den Anwendungsbereich verschoben. 
  • Farbmarkierungen für Gleichstromleiter und Funktionserdungsleiter wurden in Tabelle A1 ergänzt. 
  • Anmerkungen mit nicht verbindlichen Anforderungen wurden in normativen Text umgewandelt.   
  • Die Terminologie wurde an IEC 60050-195 angeglichen. 

Anwendungsbereich der DIN EN 60455 erstreckt sich auf viele Bereiche  

Der Anwendungsbereich der DIN EN 60455 beschränkt sich jedoch nicht auf die Kennzeichnung von Kabeln und Leitern, wie der Name vermuten lässt. Sie bezieht sich auf die Kennzeichnung von verlegten Leitungen in vielen Bereichen – von Maschinen und Anlagen über die Stromversorgung in Gebäuden bis hin zu den modernen Kraftfahrzeugen oder der Daten- und Netzwerktechnik. 

Die neue Norm dient also auch der

  • Kennzeichnung von Schaltanlagen, Schaltschränken, Verteilerschränken, Bauteilen, Schläuchen, Röhren, Adern und Drähten.
  • Identifizierung und Kennzeichnung der Anschlüsse von Betriebsmitteln, seien es Widerstände, Sicherungen, Relais, Schütze oder Transformatoren. 
  • Kennzeichnung von Kombinationen entsprechender Betriebsmittel sowie bestimmter, bezeichneter Leiterenden von umlaufenden elektrischen Maschinen oder deren Kombinationen – etwa in Baugruppen. 

Die neue Kabelkennzeichnung betrifft also etliche Branchen und Unternehmen, denn in irgendeiner Form kommen Kabel und Leitern fast überall vor. Das fängt schon bei kleinen Elektroinstallationen an, wo die korrekte Kennzeichnung von Stromkabeln Voraussetzung ist, um diese phasenrichtig an Steckdosen und elektrische Betriebsmittel anschließen zu können – und somit die Anforderungen an die Elektrosicherheit zu gewährleisten. Was Elektrofachkräfte sonst noch bei der Verlegung von Kabeln und Leitungen (z. B. in feuer- und explosionsgefährdeten Bereichen) beachten müssen, können sie im „Sicherheitshandbuch Elektrosicherheit“ nachlesen. 

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Übergangsfrist und Zuständigkeit für neue Kabelkennzeichnung 

Die neue DIN EN 60455 ist seit 01.02.2018 anwendbar, allerdings kann laut VDE auch noch die Vorgängernorm angewendet werden. Denn bis zum 09.09.2020 gilt noch eine Übergangsfrist

Zuständig für die neue Norm zur Kabelkennzeichnung ist das nationale Arbeitsgremium K 113 „Informationsstrukturen und Informationselemente, Grundsätze der Identifikation und Kennzeichnung, Dokumentation und graphische Symbole“ der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE). Das Arbeitsgremium DKE/K 113 hat aufgrund internationaler Veränderungen die Arbeit des DKE/K 115 übernommen. 

DIN EN 60455 trägt den Status einer Sicherheitsgrundnorm nach IEC Guide 104 und ISO/IEC Guide 51. (juse) 

Quelle: „sifa-news-Magazin“ (Ausgabe: Oktober 2018) 

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