Gesundheitswesen und Pflege

Der demografische Wandel wird sich noch stark auf die Arbeitswelt und somit auf die Einrichtungen im Pflegebereich auswirken: Denn während die jetzigen Arbeitnehmer immer älter werden, kommen nur wenig Junge nach, die sie pflegen könnten. Zudem ist der Beruf gerade für junge Leute oft nicht attraktiv genug. Leiter von Pflegeeinrichtungen müssen deshalb jetzt schon überlegen, wie sie ältere Mitarbeiter gesund und arbeitsfähig machen.

Demografischer Wandel: Vor- und Nachteile von älteren Mitarbeitern 

Pflegeeinrichtungen und Unternehmen im Allgemeinen profitieren davon, ältere Mitarbeiter möglichst lange im Betrieb zu halten oder einzustellen. Doch es gibt auch Risiken, die sie tragen. Das sind die Vor- und Nachteile älterer Mitarbeiter: 

Vorteile  Nachteile 
Ältere Mitarbeiter können aus einer langjährigen Lebens- und Berufserfahrung schöpfen. Bei älteren Beschäftigten kann sich ein erhöhter Weiterbildungsbedarf ergeben, nachdem die Ausbildung nicht nach den neusten Standards durchgeführt wurde.
Sie bringen verstärkt Fähigkeit mit wie Geduld, Fachwissen und Teamfähigkeit sowie Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gewissenhaftigkeit. Empirische Studien belegen eine abnehmende berufliche Leistungsfähigkeit bei älteren Mitarbeitern – und dazu gehört die Informationsaufnahme und -verarbeitung.
Ältere legen aufgrund ihrer Lebenssituation großen Wert auf berufliche Sicherheit. Ein Arbeitsausfall aufgrund privater Entwicklungen (wie Schwangerschaft) wird zudem umso unwahrscheinlicher.  Mit zunehmendem Alter spielen auch die zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden eine große Rolle. Laut einer Auswertung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales wurden für das Jahr 2016 die meisten Krankheitsfälle im Alter von 55 Jahren angezeigt.

Ältere Beschäftigte sind sehr loyal, wenn ihnen eine berufliche Sicherheit geboten wird. 

 

Im Pflegebereich ist die größte Anzahl an Mitarbeitern zwischen 50 und 60 Jahren alt. Für die Betrachtung sollte aber nicht nur diese Gruppe einbezogen werden, sondern auch das Pflegepersonal zwischen 40 und 50 Jahren, da diese Mitarbeiter in den kommenden Jahren in die darüber liegende Altersgruppe wechseln. 

Mit integrativem Personalmanagement dem demografischen Wandel begegnen

Ein gängiger Ansatz zum Umgang mit älteren Beschäftigten ist das integrative Personalmanagement. Damit wird das Ziel verfolgt, älteren Mitarbeitern eine längere Verweildauer im Unternehmen zu ermöglichen und den Eintritt in das Unternehmen zu erleichtern. Das Grundgerüst des integrativen Personalmanagements basiert auf drei Grundpfeilern:

1. Einstellung des Managements

Wichtigste Voraussetzung für die Durchführung des integrativen Personalmanagements ist die persönliche Einstellung der Führungsebene. Erst wenn die Führungskräfte ältere Mitarbeiter trotz der teilweise nachlassenden Leistungsfähigkeit als Potenzial erkennen, kann die Zusammenarbeit positiv verlaufen. 

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2. Akzeptanz der Mitarbeiter

Aber nicht nur der Chef muss überzeugt sein, auch bei den Mitarbeitern muss dafür Akzeptanz geschaffen werden. Das gelingt in erster Linie, wenn der Arbeitgeber darauf achtet, weder die älteren noch die jüngeren Mitarbeiter zu bevorzugen. Bei allen Entscheidungen sollte deshalb die Gleichbehandlung im Vordergrund stehen. 

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3. Potenzielle und tatsächliche Arbeitsergebnisse älterer Mitarbeiter  

Die potenzielle und tatsächliche Arbeitsleistung von älteren Beschäftigten lässt sich anhand der Menge und der Qualität der Leistungserforderungen ermitteln. Dabei müssen im Sinne des integrativen Personalmanagements folgende Aspekte berücksichtigt werden: 

  • Bedürfnisorientierte Arbeitszeitmodelle: Im Laufe des Lebens ändern sich die Bedürfnisse von Mitarbeitern an die Arbeitszeit. Je mehr der Arbeitgeber auf diese Bedürfnisse eingehen kann, desto motivierter gehen seine Mitarbeiter in die Arbeit. In der Pflege ist es z. B. die Schicht- und Nachtarbeit, die für Ältere eine besondere Herausforderung darstellt. 
  • Angepasste Arbeitsumgebung: Der Arbeitsplatz muss den Bedürfnissen älterer Menschen angepasst werden, um Belastungen zu minimieren. Schädlich sind beispielsweise Faktoren wie schlechte Lichtverhältnisse, hoher Lärmpegel oder schlechte klimatische Bedingungen. 
  • Gleichbehandlung bei betriebsinternen Entscheidungen: Wichtig ist, dass ältere und jüngere Arbeitnehmer die gleichen Chancen bekommen. So sollten auch Jüngere die Möglichkeit haben, eine Führungsrolle zu übernehmen, auch wenn sie nicht auf denselben Erfahrungsschatz zugreifen können wie Ältere. 
  • Respektvolles Führungsverhalten der Vorgesetzten: Studien haben gezeigt, dass ältere Mitarbeiter sensibler auf schlechte und unfaire Behandlung reagieren als Jüngere, und dass sie früher aus dem Berufsleben austreten, wenn der Chef sie nicht respektvoll behandelt. 
  • Respektvolles Miteinander aller Altersgruppen im Unternehmen: Ältere und Jüngere können voneinander profitieren und die jeweiligen Schwächen durch gegenseitige Unterstützung ausgleichen. 
  • Abbau von Vorurteilen und „Schubladendenken“ in Bezug auf ältere Mitarbeiter: Das Alter ist eine nicht beeinflussbare Größe und sollte nicht zur Diskriminierungsgrundlage werden. 

Diese Grundpfeiler des integrativen Personalmanagements sind für die Überlegung, welche Maßnahmen eine Pflegeeinrichtung zur Förderung älterer Mitarbeiter treffen will, fundamental. Welche Maßnahmen dabei infrage kommen, erfahren Sie im zweiten Teil der Serie zum demografischen Wandel in Pflegeeinrichtungen. (juse)

Quelle: „Die MDK-Prüfanleitung“

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