Gesundheitswesen und Pflege

Heilmittelverordnung: ICD-10-Codes und Erweiterung der Diagnosen-Liste

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Der langfristige Heilmittelbedarf ist für viele Ärzte ein undurchsichtiges Thema. Die Neuerungen, die seit dem 1. Januar 2017 gelten, sorgen nur bedingt für Transparenz. So sind weitere Erkrankungen in die sogenannte "Anlage 2" aufgenommen worden, was die Verordnung von Langzeittherapien nicht für jeden erleichtert.

Verordnung von Langzeittherapien wurde ergänzt

Das Genehmigungsverfahren zum Verordnen von Langzeittherapien ist mit den Änderungen zum langfristigen Heilmittelbedarf, die ab dem 1. Januar 2017 gelten, ergänzt worden. 

Demnach wurde die Heilmittel-Richtlinie derart geändert, dass § 8 Abs. 5 aufgehoben und ein § 8a eingeführt wurde. Nach neuem Paragrafen liegt ein langfristiger Heilmittelbedarf vor, wenn 

"sich aus ärztlicher Begründung die Schwere und Langfristigkeit der funktionellen/strukturellen Schädigungen, der Beeinträchtigungen der Aktivitäten und der nachvollziehbare Therapiebedarf eines Versicherten ergeben." 

Von einer Langfristigkeit ist auszugehen, wenn eine Therapie mit Heilmitteln von mindestens einem Jahr medizinisch notwendig ist

Dieses Handbuch hilft niedergelassenen Ärzten und Physiotherapeuten beim Ausstellen und Überprüfen von Heilmittelverordnungen. Jetzt informieren!

Heilmittelbedarf: Diagnosen-Liste wurde erweitert  

Mit den Änderungen zum langfristigen Heilmittelbedarf wurden zudem weitere Erkrankungen in die "Anlage 2" aufgenommen. Bei den dort gelisteten Diagnosen in Verbindung mit der jeweils aufgeführten Diagnosengruppe des Heilmittelkatalogs ist davon auszugehen, dass ein langfristiger Heilmittelbedarf im Sinne der Regelung des § 32 Abs. 1 1a SGB V vorliegt. 

Für Ärzte bedeutet das weniger Aufwand, denn die Antrags- und Genehmigungsverfahren entfallen in diesen Fällen. Außerdem findet eine Wirtschaftlichkeitsprüfung nicht statt. 

Hinweis: Die Diagnosen-Liste zum langfristigen Heilmittelbedarf ist nicht abschließend. Das zeigt das Beispiel der neuen Verordnungsmöglichkeiten bei Lymphabflussstörungen, die erst im Juni 2017 in Kraft getreten sind. 

Hinzu kommt, dass ein Patient im Falle einer vergleichbar schwerwiegenden Krankheit einen Antrag auf Genehmigung und damit Aufnahme in die Anlage 2 stellen kann. 

Neue Formulare haben ein zweites Feld für ICD-10-Codes 

Bei einigen wenigen Diagnosen ist zudem die Angabe eines zweiten ICD-10-Codes notwendig geworden. Deshalb wurde das neue Verordnungsblatt um ein Feld erweitert. Der zweite ICD-10-Code ist dann erforderlich, wenn z. B. für eine postoperative Versorgung Verordnungsbedarfe geltend gemacht werden müssen. 

Trotz der Neuerungen hat sich das Verordnen von Langzeittherapien in der Praxis noch immer nicht ausreichend etabliert. Das liegt womöglich daran, dass beim Ausfüllen der Heilmittelverordnung häufig noch Fehler passieren, die die Verordnung ungültig machen. Denn das Paket aus ICD-10-Codes, Diagnosen und Indikationsschlüssel muss stimmen

Die Schwierigkeit beim Verordnen von Langzeittherapien liegt für Ärzte auch darin, dass die meisten Nachschlagewerke nur die ICD-10-Codes abbilden, eine Beschreibung der Diagnose aber fehlt. Um diese Unsicherheit zu beseitigen, haben Experten aus der Praxis das Werk "Heilmittel verordnen, kodieren und überprüfen" erarbeitet.

Mit diesem Handbuch können Ärzte langfristigen Heilmittelbedarf begründen und entsprechende Verordnungen leicht ausstellen und überprüfen. Praktische Übersichten zu Symptomatik, Therapieziel, ICD-10-Codes und Indikationsschlüssel unterstützen sie dabei. 

Quelle: "Heilmittel verordnen, kodieren und überprüfen"

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