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Digitale Kompetenzen: Lehrer müssen digitales Wissen erlangen und an ihre Schüler weitergeben

© wavebreak3 – stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie hat es deutlich gemacht: Lehrkräfte müssen digitale Kompetenzen aufweisen, um den Anforderungen der Digitalisierung und modernen Medien im Unterricht gerecht zu werden. Für die technische Aufrüstung der Schulen gibt es finanzielle Unterstützung, u. a. durch den „DigitalPakt Schule“. Gleichzeitig müssen pädagogische Fachkräfte in der Lage sein, Medienkompetenz zu vermitteln. Die Europäische Kommission beschreibt im „DigCompEdu“, welche Fähigkeiten jetzt von den Lehrkräften gefordert sind.

Inhaltsverzeichnis

  1. Studie zur digitalen Kompetenz von Lehrern
  2. Warum ist digitale Bildung wichtig?
  3. DigCompEdu definiert den Rahmen für digitale Kompetenzen von Lehrern
  4. Grafik: digitale Kompetenzen von Lehrkräften 
  5. KMK: Diese digitalen Kompetenzen müssen Schüler nach der Schule besitzen
  6. Wie kann man digitale Kompetenzen von Lehrern fördern?

Studie zur digitalen Kompetenz von Lehrern

Ein wichtiges Indiz, um den derzeitigen Stand in Deutschland zu ermitteln, sind Studien und empirische Untersuchungen. Dazu gehören u. a. Befragungen zur Selbsteinschätzung der Lehrkräfte. So sagen laut einer Untersuchung der „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) mehr als 75 %, dass sie sich kompetent darin fühlen, digitales Unterrichtsmaterial zu recherchieren und Unterricht vorzubereiten, bei dem sie digitale Medien nutzen.

Dem gegenüber stehen aktuelle Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung. Sie untersuchte in ihrer Studie „Monitor Digitale Bildung“ das Lernen mit digitalen Medien an Schulen und die dafür notwendigen Kompetenzen der Lehrkräfte. Dabei kam heraus, dass nur 43 % der angehenden Lehrkräfte bereits in der Lehramtsausbildung digitale Kenntnisse erlangen. Nach ihrem Abschluss besuchen sogar nur 37 % regelmäßig Weiterbildungen in diesem Bereich. Außerdem wurde erkennbar, dass die Qualifikation stark von der Eigeninitiative der Fachkräfte abhängig ist. So erwerben 91 % der befragten Lehrer die erforderlichen Kompetenzen im Selbststudium und 86 % im Austausch mit Kollegen. Nur etwas weniger als die Hälfte besuchte bereits mehrfach passende schulinterne Fortbildungen.

Daraus zieht die Studie folgende Schlussfolgerungen:

  • Das Auseinandersetzen mit digitalen Medien als Lehr- und Lernmittel sollte bereits in der Lehramtsausbildung erfolgen.
  • Lehrkräfte müssen beurteilen können, wann, wo und wie sie digitale Medien sinnvoll im Unterricht einsetzen können.
  • Sie brauchen einen Überblick über die vorhandenen pädagogischen Möglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der Förderung und Inklusion benachteiligter Kinder. Dazu benötigen Lehrerinnen und Lehrer eine umfassende Aus- und Weiterbildung, die den pädagogisch sinnvollen Einsatz digitaler Medien behandelt.

Warum ist digitale Bildung wichtig?

Die Digitalisierung hat nicht nur Unternehmen fest im Griff, auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen müssen bei dieser Entwicklung Schritt halten. Hierfür ist es unerlässlich, dass pädagogische Fachkräfte ausreichende digitale Kompetenzen erlangen, um „digitalen Unterricht“ zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen Lehrerinnen und Lehrer in der Lage sein, Medienkompetenz und digitale Kompetenzen an ihre Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Denn die Lernenden von heute werden sich nach ihrem Schulabschluss in Unternehmen bewerben, die heute schon ihre Prozesse digitalisieren und digitale Kompetenzen von ihren Beschäftigten verlangen.

Wie Schulen die digitale Kompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern können, zeigt der Beitrag „Digitale Medien im Unterricht: Vor- und Nachteile, Beispiele und Ideen zur Umsetzung“. Jetzt informieren!

Um zeitgemäßen und nachhaltigen Unterricht zu gestalten, sind Schulen z. T. auf staatliche Hilfe angewiesen. So ist der DigitalPakt Schule  ein wichtiger erster Schritt, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Mit Beschluss des DigitalPakts stellt die Bundesregierung fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um Schulklassen mit WLAN, neuen Laptops und interaktiven Tafeln auszustatten. Wie gut eine Schule digital aufgestellt ist, können Schulleiterinnen und Schulleiter mit dem Tool SELFIE selbst prüfen.

Zudem hat die Europäische Kommission mit dem „DigCompEdu“ einen europäischen Rahmen für die digitalen Kompetenzen von Lehrkräften vorgelegt. Daran können sich Schulleitungen und pädagogische Fachkräfte orientieren.

DigCompEdu definiert den Rahmen für digitale Kompetenzen von Lehrern

Der DigCompEdu aus dem Jahr 2017 teilt sich in drei Bereiche und beschreibt digitale Kompetenzen auf sechs Stufen. Daraus ergibt sich folgender Aufbau:

1. Berufliche Kompetenzen im digitalen Kontext 

Berufliches Umfeld 
  • Kommunikation: Lehrerinnen und Lehrer sollten zur Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Dritten digitale Medien nutzen (können) und somit Kommunikationsstrategien weiterentwickeln und optimieren. 
  • Zusammenarbeit: Pädagoginnen und Pädagogen müssen digitale Medien einsetzen, um Erfahrungen und Materialien untereinander auszutauschen. 
  • Reflektiertes Arbeiten: Die digitale Kompetenz muss so weit ausgeprägt sein, dass die lehrende Person den eigenen didaktischen Einsatz von digitalen Medien reflektieren, beurteilen und weiterentwickeln kann. 
  • Digitale Weiterbildung: Lehrerinnen und Lehrer müssen digitale Medien für ihre berufliche Weiterbildung nutzen. 

2. Pädagogische und didaktische Kompetenzen beim Einsatz von digitalen Medien 

Digitale Ressourcen 
  • Auswählen: Pädagoginnen und Pädagogen müssen so viel digitale Kompetenz besitzen, dass sie in der Lage sind, digitale Lehr- und Lernressourcen zu identifizieren, auszuwerten und auszuwählen, damit diese didaktisch sinnvoll im Unterricht zum Einsatz kommen können. 
  • Erstellen und anpassen: Die digitale Kompetenz von Lehrerinnen und Lehrern muss so weit ausgeprägt sein, dass sie neue digitale Bildungsressourcen erstellen bzw. mitgestalten können. 
  • Organisieren, schützen und teilen: Das lehrende Personal muss nicht nur die Organisation von digitalen Inhalten beherrschen, sondern auch wissen, welche Anforderungen nach Datenschutz- und Urheberrechtsgesetz wie umzusetzen und wie z. B. offene Lizenzen zu verwenden sind. 
Lehren und Lernen mit digitalen Medien 
  • Mit digitalen Geräten, Materialien und Unterrichtsmethoden lehren: Zu digitalen Kompetenzen gehört die Fähigkeit, im Unterricht digitale Geräte und Materialien so einsetzen zu können, dass die Lehrintervention verbessert wird. Das Einbetten von digitalen Formaten sowie digitalen und didaktischen Methoden in den Unterricht ist ebenfalls Teil der digitalen Kompetenz. 
  • Mit digitalen Medien beim Lernen begleiten: Lehrerinnen und Lehrer müssen digital so weit kompetent sein, dass sie ihre Schülerinnen und Schülerin mithilfe von digitalen Medien auch außerhalb des Unterrichtsraums beim Lernen begleiten können. Hierfür müssen sie ggf. neue Formen und Formate entwickeln. 
  • Kollaboratives Lernen mit digitalen Medien fördern: Lehrende müssen auf Basis ihrer eigenen digitalen Kompetenz bei ihren Schülerinnen und Schülern das Arbeiten in der Gruppe mithilfe von digitalen Medien fördern. 
  • Durch digitale Technologien Lernprozesse unterstützen: Mithilfe von digitalen Technologien unterstützt die lehrende Fachkraft Lernende dabei, die eigenen Lernprozesse zu optimieren. 
Bewertung mittels digitaler Medien
  • Lernkontrolle digitalisieren: Mit ihrer (erworbenen) digitalen Kompetenz schaffen es Lehrerinnen und Lehrer, die Lernkontrolle und Leistungsbeurteilung nicht nur zu digitalisieren, sondern mithilfe der digitalen Medien weiterzuentwickeln. 
  • Lernergebnisse analysieren: Das pädagogische Personal sollte in der Lage sein, Informationen zu Lernverhalten, Leistung und Fortschritt digital zu erfassen, um auf dieser Grundlage Rückschlüsse für die Planung des Unterrichts ziehen zu können. 
  • Feedback auf Grundlage der digitalisierten Daten erstellen: Sind Daten zu Lernverhalten etc. ordentlich digitalisiert, kann die Lehrkraft zeitnah und gezielt Feedback geben.
 Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit digitalen Medien befähigen 
  • Zugang zu digitalen Medien ermöglichen: Lehrerinnen und Lehrer sollten darauf achten, dass jede Schülerin/jeder Schüler nicht nur einen Zugang zu den eingesetzten digitalen Medien hat, sondern auch die physischen und kognitiven Fähigkeiten für die Nutzung innehat. 
  • Individuelle Ansprüche von Lernenden beachten: Die Lehrkraft muss Schülerinnen und Schülern trotz Einsatz von digitalen Medien das Lernen im eigenen Lerntempo und auf individuellen Lernwegen ermöglichen. 
  • Aktives Engagement fördern: Digital kompetente Pädagoginnen und Pädagogen sind in der Lage, aktiv das Engagement ihrer Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien zu fördern. Sie öffnen ihren Unterricht mit diesen Medien für praktische Aktivitäten, wissenschaftliche Untersuchungen und komplexe Problemlösungen. Die Digitalisierung eröffnet hierbei Lehrenden und Lernenden ganz neue Möglichkeiten. 

3. Digitale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern 

Digitale Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern fördern 
  • Medienkompetenz stärken: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie im Internet Informationen suchen und die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit dieser Informationen bewerten. Lehrkräfte müssen laut Europäischer Kommission selbst soweit digital kompetent sein, um die Fähigkeiten vermitteln zu können.
  • Digitale Kommunikation lehren: Schülerinnen und Schüler müssen in die Lage gebracht werden, digitale Medien verantwortungsbewusst für die Kommunikation, Kooperation und politische Partizipation zu nutzen. 
  • Rechtliche Anforderungen vermitteln: Lehrerinnen und Lehrer müssen die Kompetenz lehren, digitale Inhalte erstellen zu können. Hierfür ist es notwendig, zu vermitteln, welche Urheberrechtsbestimmungen und Lizenzen für digitale Inhalte gelten und einzuhalten sind. 
  • Verantwortungsvollen Umgang lehren: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie verantwortungsvoll und sicher mit digitalen Medien agieren. Lehrkräfte müssen Maßnahmen ergreifen, um das physische, psychische und soziale Wohlergehen der Lernenden zu gewährleisten. 
  • Technisches Wissen vermitteln: Die lehrende Person sollte die digitale Kompetenz besitzen, Lernenden beizubringen, wie sie technische Probleme identifizieren und lösen können. 

Grafik: digitale Kompetenzen von Lehrkräften 

Das Goethe-Institut, das den DigCompEdu aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt hat, fasst die von der Europäischen Kommission definierten digitalen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern in einer übersichtlichen Grafik zusammen:

digitale-Kompetenz-Lehrer-DigCompEdu-Forum-Verlag-Herkert-GmbH
Quelle: © Goethe-Institut, 2019

Gleichzeitig definiert die Kultusministerkonferenz (KMK) „Kompetenzen in der digitalen Welt“, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schulzeit erlangt haben müssen. 

KMK: Diese digitalen Kompetenzen müssen Schüler nach der Schule besitzen 

Die Kultusministerkonferenz hat zudem einen Kompetenzrahmen mit verbindlichen Anforderungen für die Bildung in der digitalen Welt formuliert, um die Chancen und Potenziale der Digitalisierung pädagogisch begleiten sowie kompetent und kreativ nutzen zu können. Die Implementierung dieses Kompetenzrahmens stellt einen bildungspolitischen Schwerpunkt der Länder in den kommenden Jahren
dar.

Demnach müssen Schülerinnen und Schüler folgende sechs digitale Kompetenzen erlangen:  

  1. Informationen und Daten suchen, verarbeiten und aufbewahren.
  2. Mithilfe digitaler Medien kommunizieren und als selbstbestimmter Bürger an der Gesellschaft teilhaben.
  3. Mittels technischer Werkzeuge verschiedene Formate produzieren und Inhalte präsentieren.
  4. Persönliche Daten, Privatsphäre, Gesundheit sowie Umwelt schützen und sicher in der digitalen Umgebung agieren. 
  5. Digitale (technische) Werkzeuge und Medien nutzen, um Probleme zu lösen. 
  6. Digitale Medien analysieren und über die digitale Welt reflektieren.

Entscheidend für ein erfolgreiches Lernen in der digitalen Welt ist laut KMK, dass Lehrkräfte über entsprechende digitale Kompetenzen sowie didaktische Konzepte verfügen. Daher muss die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung in den kommenden Jahren einen entsprechenden Schwerpunkt setzen. Hier sind insbesondere die lehrerbildenden Hochschulen gefragt.

Wie kann man digitale Kompetenzen von Lehrern fördern?

Für eine nachhaltige Förderung der Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, die Lehrerbildung auszubauen und die digitalen Kompetenzen bzw. Medienkompetenz der Lehrkräfte zu stärken. Für Schulleitungen bedeutet es, dass sie den Fokus verstärkt auf die Weiterbildung von Lehrkräften hinsichtlich ihrer digitalen Kompetenzen richten müssen.

Im ersten Schritt sollten die Lehrerinnen und Lehrer eine Selbsteinschätzung ihrer derzeitigen Qualifikationen abgehen. Hierfür können Schulen den fertigen Fragebogen der Bertelsmann-Stiftung nutzen. Daraus können Schulleitungen und Schulträger Maßnahmen ableiten, um den Ausbau der digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte langfristig zu fördern. Möglich sind z. B. schulinterne Fortbildungen und technische Aufrüstungen der Schule.

Wichtig ist außerdem eine bedarfsgerechte Evaluation: Hier sollten die Qualifikationen Bestandteil der Lehrerbeurteilung werden. So können Schulleitungen ihre Lehrkräfte künftig nicht nur auf didaktische Kompetenzen prüfen, sondern auch ermitteln, ob sie ausreichend digitale Fähigkeiten besitzt, um den Unterricht von morgen gestalten zu können. Passende Vorlagen zur Beurteilung enthält die Software „Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen“. Fertige Textbausteinen berücksichtigen die bundeslandspezifischen Regelungen. Damit können Schulleitungen schnell und einfach passende Beurteilungen für ihre Lehrkräfte erstellen.

Quellen: EU-Kommission, Goethe-Institut, Bertelsmann-Stiftung, Kultusministerkonferenz (KMK)

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