Digitale Kompetenzen: Lehrer müssen digitales Wissen erlangen und an ihre Schüler weitergeben

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Der DigitalPakt Schule ermöglicht zu großen Teilen die technische Aufrüstung von Schulen. Doch das alleine reicht nicht, wenn Lehrerinnen und Lehrern die digitalen Kompetenzen fehlen, die neuen Medien im Unterricht einzusetzen. Gleichzeitig müssen pädagogische Fachkräfte in der Lage sein, Medienkompetenz zu vermitteln. Um hier unterstützend zu wirken, hat die Europäische Kommission einen Rahmen für die digitalen Kompetenzen von Lehrenden (DigCompEdu) definiert.

Inhaltsverzeichnis

  1. Digitale Kompetenzen von Lehrern in Lehrerbeurteilung integrieren
  2. DigCompEdu definiert den Rahmen für digitale Kompetenzen von Lehrern
  3. Grafik: digitale Kompetenzen von Lehrkräften 
  4. KMK: Diese digitalen Kompetenzen müssen Schüler nach der Schule besitzen

Digitale Kompetenzen von Lehrern in Lehrerbeurteilung integrieren

Die Digitalisierung hat nicht nur Unternehmen fest im Griff, auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen müssen bei dieser Entwicklung Schritt halten. Hierfür ist es unerlässlich, dass pädagogische Fachkräfte ausreichende digitale Kompetenzen mitbringen bzw. erlangen, um „digitalen Unterricht“ halten zu können. Gleichzeitig müssen Lehrerinnen und Lehrer in der Lage sein, Medienkompetenz und digitale Kompetenzen an ihre Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Denn die Lernenden von heute werden sich nach ihrem Schulabschluss in Unternehmen bewerben, die heute schon ihre Prozesse digitalisieren und digitale Kompetenzen von ihren Beschäftigten verlangen.  

Der DigitalPakt Schule ist ein wichtiger erster Schritt, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Mit Beschluss des DigitalPakts stellt die Bundesregierung fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um Schulklassen mit WLAN, neuen Laptops und interaktiven Tafeln auszustatten. Wie gut eine Schule digital aufgestellt ist, können Schulleiterinnen und Schulleiter mit dem Tool SELFIE selbst prüfen. Gleichzeitig ist es nun wichtig, Lehrkräfte weiterzubilden und ihre digitalen Kompetenzen bzw. Medienkompetenz zu stärken. 

Für Schulleiterinnen und Schulleiter bedeutet es, dass sie den Fokus verstärkt auf die Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern hinsichtlich ihrer digitalen Kompetenzen richten müssen. Außerdem ist es ratsam, die digitalen Kompetenzen zum Bestandteil der Lehrerbeurteilung zu machen. Neben den didaktischen Kompetenzen einer Lehrkraft sollten sie künftig prüfen, ob eine Lehrkraft auch ausreichend digitale Fähigkeiten besitzt, um den Unterricht von morgen gestalten zu können. Entsprechende Textbausteine enthält die Software „Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen“. Vorab können Lehrkräfte an allgemein- oder berufsbildenden Schulen selbst ihre digitalen Kompetenzen prüfen mit dem DigCompEdu Check-In

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Die Europäische Kommission hat mit „DigCompEdu“ einen europäischen Rahmen für die digitalen Kompetenzen von Lehrenden vorgelegt. Danach können sich Schulleiterinnen und Schulleiter sowie die pädagogischen Lehrkräfte orientieren. Gleichzeitig definiert die Kultusministerkonferenz (KMK) „Kompetenzen in der digitalen Welt“, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schulzeit erlangt haben müssen. 

DigCompEdu definiert den Rahmen für digitale Kompetenzen von Lehrern

Die Europäische Kommission hat bereits im Jahr 2017 einen Rahmen für die digitalen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern sowie  Lehrenden im Allgemeinen (DigCompEdu) veröffentlicht, den das Goethe-Institut 2019 ins Deutsche übersetzt hat. Der DigCompEdu teilt sich in drei Bereiche und beschreibt folgende digitale Kompetenzen auf sechs Stufen. 

1. Berufliche Kompetenzen im digitalen Kontext 

Berufliches Umfeld 
  • Kommunikation: Lehrerinnen und Lehrer sollten zur Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Dritten digitale Medien nutzen (können) und somit Kommunikationsstrategien weiterentwickeln und optimieren. 
  • Zusammenarbeit: Pädagoginnen und Pädagogen müssen digitale Medien einsetzen, um Erfahrungen und Materialien untereinander auszutauschen. 
  • Reflektiertes Arbeiten: Die digitale Kompetenz muss so weit ausgeprägt sein, dass die lehrende Person den eigenen didaktischen Einsatz von digitalen Medien reflektieren, beurteilen und weiterentwickeln kann. 
  • Digitale Weiterbildung: Lehrerinnen und Lehrer müssen digitale Medien für ihre berufliche Weiterbildung nutzen. 

2. Pädagogische und didaktische Kompetenzen beim Einsatz von digitalen Medien 

Digitale Ressourcen 
  • Auswählen: Pädagoginnen und Pädagogen müssen so viel digitale Kompetenz besitzen, dass sie in der Lage sind, digitale Lehr- und Lernressourcen zu identifizieren, auszuwerten und auszuwählen, damit diese didaktisch sinnvoll im Unterricht zum Einsatz kommen können. 
  • Erstellen und anpassen: Die digitale Kompetenz von Lehrerinnen und Lehrern muss so weit ausgeprägt sein, dass sie neue digitale Bildungsressourcen erstellen bzw. mitgestalten können. 
  • Organisieren, schützen und teilen: Das lehrende Personal muss nicht nur die Organisation von digitalen Inhalten beherrschen, sondern auch wissen, welche Anforderungen nach Datenschutz- und Urheberrechtsgesetz wie umzusetzen und wie z. B. offene Lizenzen zu verwenden sind. 
Lehren und Lernen mit digitalen Medien 
  • Mit digitalen Geräten, Materialien und Unterrichtsmethoden lehren: Zu digitalen Kompetenzen gehört die Fähigkeit, im Unterricht digitale Geräte und Materialien so einsetzen zu können, dass die Lehrintervention verbessert wird. Das Einbetten von digitalen Formaten sowie digitalen und didaktischen Methoden in den Unterricht ist ebenfalls Teil der digitalen Kompetenz. 
  • Mit digitalen Medien beim Lernen begleiten: Lehrerinnen und Lehrer müssen digital so weit kompetent sein, dass sie ihre Schülerinnen und Schülerin mithilfe von digitalen Medien auch außerhalb des Unterrichtsraums beim Lernen begleiten können. Hierfür müssen sie ggf. neue Formen und Formate entwickeln. 
  • Kollaboratives Lernen mit digitalen Medien fördern: Lehrende müssen auf Basis ihrer eigenen digitalen Kompetenz bei ihren Schülerinnen und Schülern das Arbeiten in der Gruppe mithilfe von digitalen Medien fördern. 
  • Durch digitale Technologien Lernprozesse unterstützen: Mithilfe von digitalen Technologien unterstützt die lehrende Fachkraft Lernende dabei, die eigenen Lernprozesse zu optimieren. 
Bewertung mittels digitaler Medien
  • Lernkontrolle digitalisieren: Mit ihrer (erworbenen) digitalen Kompetenz schaffen es Lehrerinnen und Lehrer, die Lernkontrolle und Leistungsbeurteilung nicht nur zu digitalisieren, sondern mithilfe der digitalen Medien weiterzuentwickeln. 
  • Lernergebnisse analysieren: Das pädagogische Personal sollte in der Lage sein, Informationen zu Lernverhalten, Leistung und Fortschritt digital zu erfassen, um auf dieser Grundlage Rückschlüsse für die Planung des Unterrichts ziehen zu können. 
  • Feedback auf Grundlage der digitalisierten Daten erstellen: Sind Daten zu Lernverhalten etc. ordentlich digitalisiert, kann die Lehrkraft zeitnah und gezielt Feedback geben.
 Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit digitalen Medien befähigen 
  • Zugang zu digitalen Medien ermöglichen: Lehrerinnen und Lehrer sollten darauf achten, dass jede Schülerin/jeder Schüler nicht nur einen Zugang zu den eingesetzten digitalen Medien hat, sondern auch die physischen und kognitiven Fähigkeiten für die Nutzung innehat. 
  • Individuelle Ansprüche von Lernenden beachten: Die Lehrkraft muss Schülerinnen und Schülern trotz Einsatz von digitalen Medien das Lernen im eigenen Lerntempo und auf individuellen Lernwegen ermöglichen. 
  • Aktives Engagement fördern: Digital kompetente Pädagoginnen und Pädagogen sind in der Lage, aktiv das Engagement ihrer Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien zu fördern. Sie öffnen ihren Unterricht mit diesen Medien für praktische Aktivitäten, wissenschaftliche Untersuchungen und komplexe Problemlösungen. Die Digitalisierung eröffnet hierbei Lehrenden und Lernenden ganz neue Möglichkeiten. 

3. Digitale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern 

Digitale Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern fördern 
  • Medienkompetenz stärken: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie im Internet Informationen suchen und die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit dieser Informationen bewerten. Lehrkräfte müssen laut Europäischer Kommission selbst soweit digital kompetent sein, um die Fähigkeiten vermitteln zu können.
  • Digitale Kommunikation lehren: Schülerinnen und Schüler müssen in die Lage gebracht werden, digitale Medien verantwortungsbewusst für die Kommunikation, Kooperation und politische Partizipation zu nutzen. 
  • Rechtliche Anforderungen vermitteln: Lehrerinnen und Lehrer müssen die Kompetenz lehren, digitale Inhalte erstellen zu können. Hierfür ist es notwendig, zu vermitteln, welche Urheberrechtsbestimmungen und Lizenzen für digitale Inhalte gelten und einzuhalten sind. 
  • Verantwortungsvollen Umgang lehren: Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie verantwortungsvoll und sicher mit digitalen Medien agieren. Lehrkräfte müssen Maßnahmen ergreifen, um das physische, psychische und soziale Wohlergehen der Lernenden zu gewährleisten. 
  • Technisches Wissen vermitteln: Die lehrende Person sollte die digitale Kompetenz besitzen, Lernenden beizubringen, wie sie technische Probleme identifizieren und lösen können. 

Grafik: digitale Kompetenzen von Lehrkräften 

Das Goethe-Institut, das den DigCompEdu aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt hat, fasst die von der Europäischen Kommission definierten digitalen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern in einer übersichtlichen Grafik zusammen: 

digitale-Kompetenz-Lehrer-DigCompEdu-Forum-Verlag-Herkert-GmbH
Quelle: © Goethe-Institut, 2019

 

KMK: Diese digitalen Kompetenzen müssen Schüler nach der Schule besitzen 

Die Kultusministerkonferenz hat zudem einen Kompetenzrahmen mit verbindlichen Anforderungen für die Bildung in der digitalen Welt formuliert, um die Chancen und Potenziale der Digitalisierung pädagogisch begleiten sowie kompetent und kreativ nutzen zu können. Die Implementierung dieses Kompetenzrahmens stellt einen bildungspolitischen Schwerpunkt der Länder in den kommenden Jahren
dar.

Demnach müssen Schülerinnen und Schüler folgende sechs digitale Kompetenzen erlangen:  

  1. Informationen und Daten suchen, verarbeiten und aufbewahren.
  2. Mithilfe digitaler Medien kommunizieren und als selbstbestimmter Bürger an der Gesellschaft teilhaben.
  3. Mittels technischer Werkzeuge verschiedene Formate produzieren und Inhalte präsentieren.
  4. Persönliche Daten, Privatsphäre, Gesundheit sowie Umwelt schützen und sicher in der digitalen Umgebung agieren. 
  5. Digitale (technische) Werkzeuge und Medien nutzen, um Probleme zu lösen. 
  6. Digitale Medien analysieren und über die digitale Welt reflektieren.

Entscheidend für ein erfolgreiches Lernen in der digitalen Welt ist laut KMK, dass Lehrkräfte über entsprechende digitale Kompetenzen sowie didaktische Konzepte verfügen. Daher muss die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung in den kommenden Jahren einen entsprechenden Schwerpunkt setzen. Hier sind insbesondere die lehrerbildenden Hochschulen gefragt.

Quellen: Europäische Kommission, Goethe-Institut, Kultusministerkonferenz  

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